WENN DER WILLE BERGE VERSETZEN KANN

Während des Marathontrainings kommt es bei vielen Trainingseinheiten auf die innere Einstellung an. Intervalltrainings, oder Läufe im Wettkampftempo bringen mich manchmal davor auf die Palme, ich habe Angst davor oder erst gar keine Lust sie zu absolvieren. Leider sind bekanntlich die anstrengendsten Einheiten die effektivsten, denn nur wer hart arbeitet, der schafft es bis ganz nach oben. Oder in unserem Fall eben den Marathon unter vier Stunden.

Gestern stand mir eine besonders gruselige Trainingseinheit bevor: Ein Halbmarathon im Wettkampftempo. Dieses Tempo muss in Berlin genau bei 5:40 Min/km liegen, dann komme ich in exakt 3 Stunden 59 Minuten und 3 Sekunden ins Ziel. Im Idealfall laufe ich also 5:38 Min/km, ein bisschen Puffer ist ja auch ganz nett über die Marathonstrecke hinweg. Für den gestrigen Lauf hatte ich mir eine Pace von 5:30 Min/km vorgenommen. Denn die Marathonstrecke ist nun mal doppelt so lang, da muss ich noch schneller auf der halben Distanz laufen, so mein Gedanke.

Schon am Samstagabend war ich sehr wenig motiviert für den Lauf: bis dato wusste ich nicht, wo ich laufen sollte und Begleitung hatte ich auch nicht. Sonntagfrüh schlug die Unlust dann in Angst um, denn Läufe im „Wettkampftempo“ sind irgendwie eine Art Generalprobe für den Tag X. Vor den langen Läufen habe ich zwar auch ordentlich Respekt, aber schnell ist doch was anderes als „nur“ lang und langsamer.

Und so stand ich also am Samstag um 10 Uhr vor dem Müller‘schen Volksbad, bereit für meinen Halbmarathon in Richtung Grünwald, immer geradeaus an der Isar entlang. Da ich mich sonst bei Wettkämpfen in dieser Distanz nie einlaufe, habe ich auch gestern gleich aufs Gas gedrückt, um mein Tempo von Anfang an durchzuziehen. Und was soll ich sagen, an manchen Tagen läuft es unerwartet perfekt: Ich startete mit 5:13 Min/km und konnte dieses Tempo über die ersten 9km halten. Danach pendelte ich mich bis zum Ende bei 5:16 Min/km ein.

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Währenddessen lief ich wie in einem Tunnel, entgegenkommende Menschen oder die Landschaft habe ich kaum wahrgenommen. Das kann aber auch daran liegen, dass ich irgendwann nur noch an meinen trockenen Mund denken konnte. Aber auch daran, wie krass es wäre, wenn ich dieses Tempo durchziehe. Dass das eine neue Bestzeit bedeuten würde. Im Training! Und dass dies mir ein sichereres Gefühl für Berlin geben könnte. Quasi eine Bestätigung, dass ich meine geplante Pace über die 42,185km schaffen würde. Als ich nach dem Lauf zu meinem Fahrrad zurückwankte, hatte ich zwar das Gefühl, dass ich gleich aus den Laufschuhen kippen würde, aber ich war auch unglaublich stolz. Und genau dieses gute Gefühl nach den besonders harten Einheiten sollte man sich im Training immer wieder hervorrufen, um an dem einen oder anderen Tag noch mehr aus seinem Körper herauszuholen!


8 Gedanken zu “WENN DER WILLE BERGE VERSETZEN KANN

  1. Sehr stark geschrieben. Trifft genau auf mich zu. Ich erwarte morgen einen langen Lauf >3:00h und weiß nicht recht wie soll ich mich motivieren / was für Musik höre ich dabei / wo werde ich laufen / wie mache ich das mit dem trinken zwischendurch und und und…
    Aber die Motivation kommt schon alleine das in 4,5wochen Berlin ist :-))

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  2. Toller Erfahrungsbericht. Trainiere auch für den Berliner Marathon und möchte die Premiere unter 4 Stunden schaffen.
    Danke für den „nachvollziehbaren“ Bericht

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  3. Du hast es auf den Punkt getroffen…man muss schon kämpfen koennen sich alleine motivieren..alles aus sich rauchen…..das Training mit dem Tempolaeufen usw durchziehen…trainiere auch fuer den Berlin Marathon , den 18 tun in Berlin und es war jedes Mal das selbe Gefuehl in der Vorbereitung…die Qual….die vielen Trainingswochen..die eigenen Zweifel….schaffe ich mein Ziel..tue ich genug oder gar zu viel ? na ja bis jetzt ist es noch immer gut gegangen..und das hoffe ich auch in diesem Jahr….bin 54 und will unter 3 Stunden finichen.

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  4. Habe euch zwei eben auf Instagram entdeckt und finde eure super! Mit deinen Worten in diesem Beitrag hast du ja so recht! Ich beginne gerade eben erst aktiv mit dem Laufsport (mein Ziel ist der halbmarathon im Frühjahr 2016) und deine Gedanken kennt sicherlich jeder 🙂 während dem Laufen fragt man sich nur immer „wofür das alles?“ Und dann, wenn man es geschafft hat, weiß man wofür! Das Gefühl danach, über sich hinausgewachsen zu sein, ist einfach einzigartig!
    Macht weiter so ihr zwei!
    Liebe Grüße,
    Annika 🙂

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