DAS PURE GLÜCK

Nachdem wir euch bereits zwei männliche Motivationsbomben vorgestellt haben, gibt´s jetzt eine geballte Ladung Frauenpower und wir stellen euch heute die liebe Andrea vor. Sie hat schon einige (Ultra)Trails unsicher gemacht und kann ganz offensichtlich nicht genug davon bekommen. Was sie immer wieder dazu motiviert, das könnt ihr jetzt hier lesen:

1. Wie viele Ultraläufe hast du schon absolviert?

Wenn ich jetzt richtig zähle, waren es acht. Bei zwei Etappenläufen gab es außerdem Etappen, die länger als die Marathondistanz waren.

2. Und wie viele Trailläufe hast du schon absolviert?

Oh, das weiß ich nicht, wenn da jetzt auch kürzere dazuzählen, waren das bestimmt so um die 25 Wettkämpfe, denke ich.

12027723_781575321964579_209632929261177385_n
Immer weiter! Andrea in Marokko, während des UTAT. Foto: privat

3. Was macht für dich den Reiz bei Ultras/Trails/Ultratrails aus?

Da könnte ich jetzt furchtbar viel schreiben…. Ich mag es unglaublich gern, durch die Natur zu laufen, mir die Welt zu erlaufen, meinen Körper zu spüren.  Diese intensiven Glücksmomente, die ich beim Trailrunning habe, kenne ich hauptsächlich vom Laufen in der Natur, abseits befestigter Wege. Ich habe eben nochmal in meinem Bericht über den Supertrail XL an der Zugspitze im Jahr 2014 geschaut, das waren knapp 80 Kilometer mit gut 4000 Höhenmetern, das war hart. Damals  habe ich geschrieben – und das gibt ganz gut wieder, warum mich Ultratrails so reizen:

Nahezu atemlos stehe ich auf 2045 Metern Höhe. Auf den letzten zehn Kilometern habe ich knappe 1500 Höhenmeter erklommen, doch vor allem bleibt mir deshalb fast die Luft weg, weil der Ausblick hier oben einem den Atem verschlägt. Hier und immer wieder später bleibe ich stehen, schaue herum und bin mir sicher, alles richtig gemacht zu haben. Dafür lohnt sich der Aufwand, lohnt sich die Quälerei, keine Frage. Es ist das pure Glück, das ich immer wieder in diesen vielen Stunden, auf diesem langen Weg empfinde.

Es ist außerdem ein großer Reiz beim Ultra, zu sehen, zu was man mit gutem Training und mentaler Stärke in der Lage sein kann, wie sehr man Grenzen überwinden kann, wenn man etwas wirklich schaffen will. Man lernt viel über sich selbst und darüber, was man schaffen kann, und daraus ziehe ich auch immer sehr viel für mein sonstiges Leben, für meinen Beruf. Im Grunde ist doch das ganze Leben ein Ultratrail.
Ansonsten ist die Läufergemeinschaft in der Ultratrailszene einfach eine ganz andere. Hier entstehen so wunderbare Freundschaften, auf den Läufen erlebt so intensive Momente miteinander – das kenne ich aus dem Straßenlauf überhaupt nicht in dem Aumaß.

11350414_936674819724300_7074555715667620077_n
Andrea beim Zieleinlauf ihres ersten 100-Kilometer-Laufs auf Menorca. Foto: Veranstalter

4. Bereitest du dich speziell auf diese Rennen vor? Wenn ja, wie?

Vieles ähnelt meinem Marathontraining, das wichtigste sind auch hier die langen Läufe, nur dass die länger sind und immer mal wieder ein Marathon zum Trainingslauf wird. Aber so sehr viel größer sind die Umfänge bei mir dann gar nicht. Ich bin z.B. vor meinem ersten 100-km-Trail im letzten Mai auf Menorca in der Vorbereitung mehrere Marathons und einen 6-Stunden-Lauf (57 km) gelaufen. Ich versuche, je nachdem, welcher Lauf ansteht, natürlich auch geländespezifisch zu trainieren, auf unebenem Untergrund die Fußgelenke zu trainieren, Höhenmeter einzubauen, vor allem bergab laufen zu trainieren, denn das ist es, was die Oberschenkel so ermüdet. Athletiktraining ist hier auch ein wichtiger Bestandteil, die Muskulatur muss ziemlich viel leisten bei einem Ultratrail.

5. Was ist deiner Meinung nach das Wichtigste beim Ultralauf?

Das ist eine schwierige Frage, weil das in verschiedenen Phasen des Rennens wechseln kann. Der Kopf ist extrem wichtig, denn unweigerlich wirst du irgendwann müde, der Körper will nicht mehr, schreit bei jedem Schritt “Nein!” – dann musst du mental stark sein. Bei einem solchen Ultralauf kommt man unweigerlich irgendwann an seine Grenzen – und überwindet sie.  Aber, und jetzt das große “Aber”: Der Kopf kann noch so stark sein, wenn dein Körper nicht vernünftig trainiert ist, lass es lieber! Es ist eine Gratwanderung zu erkennen, welche Schmerzen noch normal sind (Schmerzen kommen beim Ultra irgendwann), welche hingegen dich und deinen Körper langfristig gefährden können, und wo ein Abbruch des Rennens die vielleicht beste und zugleich sehr mutige Entscheidung sein kann.

DSC_2218
Meer und Berge – Andrea bei einem Traillauf auf Mallorca. Dort gibt sie auch Trainings. Foto: privat

6. Dein härtestes Rennen?

Das härteste in der Summe war der Trans Alpine Run, als es mir von der ersten Etappe weg nicht gut ging, ich ständig Schmerzen hatte, trotzdem unbedingt weiter wollte, weil ich diesem Rennen fast ein ganzes Jahr lang entgegengefiebert hatte. Bereits die ersten beiden Etappen hatten jeweils knapp 50 Kilometer, es war hart, sehr hart. In der Mitte der sechsten Etappe bin ich dann verletzt ausgestiegen. Mein bisher einziges DNF. Das härteste Rennen, das ich gefinisht habe, war der Tierra Arctic Ultra im letzten August. 125 km mit 2800 Höhenmetern über dem Polarkreis, durch teilweise sehr unwegsames Gelände, komplett selbst verpflegt und ohne Streckenmarkierungen. Durch eine Verletzung meiner Freundin Sandra konnten wir die letzten 50 km nur noch gehen, waren insgesamt 32 Stunden am Stück unterwegs. Das war wirklich hart, ich war sehr an meiner Grenze, auch mental. Teilweise hatte ich Halluzinationen, habe mitten in der Wildnis plötzlich Häuser, Autos und Wohnwagen gesehen…. Aber wir haben es geschafft.

7. Hast du schonmal ans Aufgeben gedacht?

Naja, die Frage, warum ich mir das antue, kommt natürlich immer mal wieder im Laufe eines Ultralaufes. Ich finde zum Glück immer Antworten. Einmal habe ich nicht nur ans Aufgeben gedacht, sondern es tatsächlich auch getan, siehe Frage 6 – das war dann aber auch eine wirklich harte Erfahrung. Mein Trans Alpine Run-“Trauma”, das ich in diesem Jahr überwinden möchte – ich bin im September wieder am Start.

8. Dein ultimativer Durchhalte-Motivations-Tipp?

Den ultimativen Tipp habe ich leider nicht. Ganz wichtig ist es, nie an die gesamte Strecke zu denken, die noch vor einem liegt, das klingt dann so unvorstellbar viel. Auf Menorca habe ich mir letztes Jahr immer gesagt, dass ich jetzt halt zehn 10-km-Läufe laufe – so what? Mir hilft auch immer sehr, mir das Glücksgefühl beim Zieleinlauf vorzustellen, das Gefühl, es wirklich geschafft zu haben – und der Gedanke daran, wie viel länger dieses Glücksgefühl anhalten wird im Vergleich mit der relativ kurzen Dauer des Schmerzes oder der Krise jetzt in diesem Moment. Auch vergegenwärtige ich mir immer wieder in schlechten Momenten, dass es ja gleich wieder besser wird, dass diese Krisen aber zum Ultra dazugehören – sonst wäre es leicht, jeder würde es machen, und das Glücksgefühl im Ziel wäre nicht so gigantisch.

DSC00245
Das pure Glück: Andrea beim UTAT im Atlasgebirge in Marokko. Foto: privat

9. Worauf freust du dich besonders bei einem Ultralauf?

Die vielen netten Läufer und das ganze Drumherum, die Aufregung vor dem Rennen, dann die Landschaft, die Emotionen, den Körper so intensiv zu spüren, zu sehen, was ich zu leisten imstande bin, die netten Begegnungen auf der Strecke und an den Verpflegungen und dann natürlich: auf den Moment, an dem klar ist, dass ich es schaffen werde, dass ich dieses schwere Rennen finishen werde. Und dann das Bier im Ziel.

DSC00037
Ein Motivationsgrund: Die tolle Landschaft, wie hier beim Tierra Arctiv Ultra. Foto: privat

Ihr wollt mehr von Andrea lesen? Dann stöbert unbedingt mal auf Ihrem Blog! Dort berichtet sie selbstverständlich über jeden ihrer Läufer und gibt auch Tipps für Ultralauf-Einsteiger, gibt aber auch zu bedenken, wann man seine Grenzen respektieren sollte.

Als wäre das noch nicht genug, hat Andrea auch noch ein Buch geschrieben. Natürlich ebenfalls randvoll mit Tipps!


Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s