36 GRAD UND ES WIRD NOCH HEIßER

„Na immerhin scheint die Sonne dieses Jahr.“ Diesen Satz hätten wir lieber nicht gehört, als wir um Punkt 12:40 Uhr im Startbereich des Wings for Life World Runs im Olympiapark stehen und schmelzen. Unter dem Glasdach staut sich die Wärme noch mehr als im restlichen Park und mein Mund ist jetzt schon staubtrocken. Voller Vorfreude und Optimismus sagte ich (Laura) noch zu meiner Laufpartnerin Mira, dass wir ja erstmal mit einer 5:30er Pace starten können und dann aber noch anziehen. Haha, das war wohl viel zu positiv gedacht.

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Denn als der Startschuss (in diesem Fall das Läuten der Kuhglocke) ertönte, merkte ich auf den ersten Kilometern ganz schnell, dass mein Ziel ganz schwer zu erreichen ist. Die ersten drei Kilometer liefen wir ca. in einem Schnitt zwischen 6 und 7min/km, da die vielen Engstellen im Olympiapark einfach nicht gemacht sind für diese Massen an Menschen. Zusätzlich merkte ich, dass das heute einfach nicht mein Lauf wird. Mir war von Anfang an viel zu warm und die vielen Läufer um mich herum gaben mir den Rest. Auf den ersten sieben Kilometern habe ich mir ernsthaft überlegt das erste Mal aus einem offiziellen Lauf auszusteigen, da mein Körper auch auf Grund meines Heuschnupfens nicht mitgespielt hat. Nach drei bis vier Bechern Wasser bei der Getränkestelle an Kilometerpunkt 10 fing ich mich wieder einigermaßen und kitzelte mir den letzten Funken Motivation aus meinem Körper. Als dann etwa bei Kilometer 12 das Herauf- und Heruntergerenne auf Schotterpisten (ich nennen den Teil gerne die Pasststraßen des Wings for Life World Runs) begann, hatte ich leider endgültig keine Lust mehr, zwang mich aber weiterzulaufen. Und dann, eeeendlich ertönte im Hintergrund ein Hupen, das das Catcher Car angekündigt hat. Nach dem obligatorischen Schlussprint, überholte mich das Catcher Car bei ca. 14,8 Kilometern. Zum Glück war am 15. Kilometerpunkt eine Getränkestation und dort standen auch die Shuttlebusse, die zurück ins Olympiastadion fuhren.

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25 Kilometer. Dieses Ziel hatte ich (Isabell) im vergangenen Jahr, direkt nach Ende des Rennens, mit Streckenchef Klaus „abgesprochen“. Also er sagte, ich solle mir für 2016 mal 25 Kilometer vornehmen und ich sagte „Joa, warum eigentlich nicht?!“ Das hab ich dann eine ganze Weile verdrängt, bis ich in meinem Profil doch mal mutig dieses Ziel eingab. Und auch immer wieder bereitwillig Auskunft gab (sei es auf Facebook oder Instagram), wenn jemand fragte. Ich war zwar unsicher, ob ich es schaffen kann, aber hey, der Mensch braucht Ziele (wie wir beim Wochenende mit Bauerfeind gelernt hatten). Sicher, dass ich es schaffen kann, war ich eine Woche vor dem Lauf, als ich die nötige Pace beim Halbmarathon im Olympiapark testete. Da war es allerdings zehn Grad kälter. Der plötzliche Sommerausbruch traf mich dann in etwa so unerwartet wie Weihnachten im Dezember. Nämlich mit voller Wucht. Ich bin überhaupt kein Hitzeläufer und habe dann immer das Gefühl, zu verdursten. Aber noch gab ich mein Ziel nicht auf, als ich mit Susi und Franzi im Startblock stand und wir uns gegenseitig Mut machten und Wasser über den Kopf schütteten.

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Unser Start lief ähnlich wie bei Laura: Stockend. Man muss ja auch unbedingt mit Kinderwagen in Block B stehen. Oder wenn man 15 Kilometer schaffen will. Liebe Läufer, auch wenn es vorrangig um die gute Sache ging: Lasst doch solch Ehrgeizlingen wie mir die Chance, das Ziel einigermaßen erreichen zu können. Meine Zielpace wäre 5:07min/km gewesen. Gestartet sind wir mit ca 6:50min/km. Das ist eher so mitteltoll.

Wir konnten uns aber ganz gut unseren Weg bahnen (nein, wir haben niemanden geschubst, aber zumindest hin und wieder geflucht) und hatten auch ein paar Kilometer unter 5min/km dabei. Durchschnittspace wurde also schneller und kurz flammte die Hoffnung auf, irgendwie das Ziel zu erreichen. Diese Hoffnung verpuffte bei Kilometer 12. Es war (für meinen Geschmack) einfach viel zu heiß, mein Mund war völlig ausgedörrt und ich kämpfte auch ein wenig mit beginnendem Heuschnupfen. Der Halbmarathon und die dort stehende Blaskapelle (die hatte mich im vergangenen Jahr so erfreut) waren nun das Ziel. Revidiert habe ich das dann bei Kilometer 16. Während Susi noch wie ein junges Wiesel etwa fünf Meter vor mir lief (Franzi hatten wir schon beim ersten Verpflegungspunkt verloren), ging mir schon langsam der Saft aus. Da half auch keine Cola. Und kein Extraschluck Wasser. Und auch kein Gel-Chip. Ich war durch. Aber noch ewig aufs Auto warten wollte ich auch nicht. Also „locker“ weiterlaufen und möglichst das 20-Kilometer-Schild frühzeitig erreichen, vielleicht ein paar Snaps posten und dieses Jahr auf jeden Fall das Selfie mit dem Auto schaffen. Das erschien mir wie ein guter Plan.

Also ging´s weiter und weiter und weiter. In Karlsfeld standen wie auch im vergangenen Jahr richtig viele Bewohner draußen (da kann sich München zum Marathon mal schön ne Scheibe abschneiden). Diesmal mit Gartenschläuchen statt Trommeln und Glocken. Ich kann gar nicht in Worte fassen, wie dankbar ich für die kleine Dusche war. Kurz vor Kilometer 20 sagte auf einmal eine Stimme „Das Auto ist nicht mehr weit!“ Also schnell weg vom Verpflegungsstand und ab zum Schild. Ein mittelschlechtes Selfie dort habe ich geschafft, allerdings fuhr in dem Moment auch das Auto an mir vorbei. Wie dumm von mir!!!

Dann traf ich noch ein paar Mädels aus unserem Team, wir machten noch ein paar schöne Fotos, quatschten, liefen zurück zum Verpflegungsstand und tranken erstmal ordentlich. Praktischerweise standen dort auch gleich Busse parat und so ging es gemütlich zurück nach München in den Olympiapark.

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In diesem Jahr fuhren die Busse bis ins Olympiastadion herein (inklusive Ehrenrunde) und als man ausstieg, fühlte man sich wie ein Held, da die schon angekommenen Läufer dort saßen und applaudierten. Das war wirklich mega cool. Nach weiteren drei bis fünf Getränkebechern ging es zur Leinwand im Startbereich, Flo musste natürlich angefeuert werden. Im Laufe der Zeit gesellten sich immer mehr unserer Teammitglieder zu uns und wir hatten ein paar lustige gemeinsame Stunden.

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Unser Team machte übrigens den Lauf dieses Jahr zu etwas ganz Besonderem für uns. Das Team Run Munich Run zählte ganze 56 Teammitglieder, die gemeinsam mit uns für den guten Zweck liefen. Bereits am Samstagabend konnten wir das Team kennenlernen und bei der Pasta Party ratschen und rätseln, wie viele Kilometer wir wohl am nächsten Tag sammeln. Schön, dass ihr alle dabei wart und DANKE an Puma für die Ausstattung unseres kompletten Teams mit Shirts.

Ein großes Highlight für uns war auch das Wiedersehen mit Flo, der nach vielen Fototerminen kurz Zeit für ein Gespräch mit uns hatte. Am Samstag wirkte er noch kein bisschen aufgeregt und das, obwohl er am nächsten Tag eine ultralange Distanz laufen wollte. Am Ende sind es bei ihm unfassbare 63,66 Kilometer geworden. Er hat damit zwar nicht die geplanten 80km erreicht, ist aber bester Deutscher und dafür, dass er während des Laufes mit Magenproblemen zu kämpfen hatte, hat er sich ganz schön durchgebissen.

Ebenfalls absolut krass ist das Ergebnis von Dennis, dem Rennwiesel von Runskills, der mit seinen 51,21 Kilometern auf den siebten Platz gekommen ist. Die Beiden können uns gerne ein bisschen Schnellgkeit abgeben 🙂

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Wir sind übrigens schon für den nächstjährigen Wings for Life World Run in München am 7. Mai 2017 registriert und freuen uns wieder über viele Mitläufer. Die ersten Gedanken zu unserem Team sind bereits in Planung, ihr dürft gespannt sein!

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9 Gedanken zu “36 GRAD UND ES WIRD NOCH HEIßER

  1. Schöner ausführlicher Bericht. Kann mich mit vielem identifizieren. Die Sonne war zwar okay für mich. Aber den langsamen Start aus Block B fand ich auch schade. Aber bei diesem Rennen stand wie ihr ja auch geschrieben habt, die sportliche Leistung nicht so im Mittelpunkt. Gute Erholung Mädels und Danke für die Orga

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  2. Na da habt ihr ja trotz Hitze gut durchgezogen! Konnte den spannenden Lauf leider nur im Stream verfolgen. Vielleicht verirren sich ja nächstes Jahr ein paar Flitzpiepen nach München.

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  3. Servus, super geschrieben (wie immer). Hab vieles genauso erlebt wie Ihr. Hab das HM-Ziel (eigentlich auch km25) schon gesehen und dann kam das Auto. Leider gubt es auch keine offiziellen Daten, da meine Startnummer nicht codiert war. Aber was solls, dabeisein ist alles und es war für einen guten Zweck. Und man muss auch mal froh&glücklich sein, dass man selber überhaupt laufen kann.
    LG Martin

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