DAS ZAHME BIEST

Persönlicher Pacemaker zum Berlin Marathon, Laufen mit Sabrina Mockenhaupt, ein Treffen mit Lena Gehrke und sogar ein ganzes Wochenende mit Florian Neuschwander und den Hahnertwins – dieses Bloggerding hat uns mittlerweile schon richtig viele coole Momente beschert und wir sind unglaublich dankbar, das alles erleben zu dürfen.

Moin! Bist du am Mittwoch, 11. Mai in der Stadt? Evtl. hast du Interesse. Auch wenn es ein bisschen früh sein könnte. Es gibt die Möglichkeit, am Mittwoch ab 17.15 Uhr an einem Meet & Great mit einem jamaikanischen Spitzen-Sprinter, zweimaligen Olympiazweiten, Top-Favoriten auf die 100m und 200m in Rio, in der kommenden Woche teilzunehmen. Sag´ mir einfach Bescheid wenn du Lust hast und es zeitlich bei dir klappt.” Als mir Martin, einer der Käptns der adidas Runners Munich diese Nachricht schickte, musste ich nicht lange nachdenken. “Klar, ich block mir das!”, schrieb ich und dachte nur “Oar geil, da kann ich gleich einen Blogbeitrag drüber schreiben” und fantasierte von schicken Fotos von mir und dem großen, muskulösen Sprinter, neben dem ich ganz klein und zierlich wirken würde. Dachte ich zumindest.

Zwei Tage später traf ich Verena, sie ist City Manager für adidas in München und hat das ganze Treffen organisiert. Bei einem Gläschen Prosecco haben wir schon ein wenig rumgesponnen, welche Fragen ich Yohan Blake stellen könnte und auf einmal fiel mir ein, dass ich ja Englisch reden müsste! Haha, na das konnte was werden. Zur Vorfreude gesellte sich dann auch gleich ein bisschen Aufregung.

Anhang 2 (2)

Über unseren Instagram-Account kamen einige sehr spannende Fragen zusammen und gleichzeitig wurde ich auch angemahnt, bloß nicht zu fragen, ob es sich überhaupt lohne, für die paar Meter die Schuhe anzuziehen. Da hatte wohl jemand Angst, ich würde die Gruppe komplett blamieren. Wer also glaubt, er würde gleich ein paar knallharte Fakten serviert bekommen, wie man selbst Richtung Weltrekord trainieren könnte, den muss ich leider enttäuschen. Meine Sprint-Erfahrungen reduzieren sich nahezu auf 14,8sec über 100m im Eignungstest für mein Sportstudium (damals, im Jahr 2004) sowie einen dreitägigen Muskelkater im Hüftbeuger, nachdem wir mit unserer Trainerin Annika mal 10x100m im Training rannten. Ich war quasi mehr für die “Human-Touch”- aka “Lifestyle”-Themen vor Ort.

Dank vorübersetzter Fragen (Danke nochmal, liebe Mira!) machte ich mich bestens vorbereitet auf den Weg zum adidas Store München und war voller Hoffnung, superviele tolle Fotos schießen und auch ein paar Snaps machen zu können. Gemeinsam mit einigen anderen adidas Runners, die ebenfalls eingeladen waren, warteten wir dort in einem abgetrennten Bereich auf Yohan Blake und mir wurde freundlicherweise nochmal eingeschärft, DIESE EINE FRAGE nicht zu stellen. Wobei Martin eigentlich ziemlich relaxt war und meinte, ich solle ruhig machen. Da hatte mich der Mut aber schon längst verlassen, weil auf einmal Yohan vor uns stand. Mega-höflich, fast schon etwas schüchtern begrüßte er uns, nahm unsere Hand in beide Hände, sah uns direkt in die Augen und ich schmolz sofort dahin. Ach, war der süüüß. “The Beast” hatte ich mir irgendwie anders vorgestellt. (Aber er möchte ja auch nicht mehr so genannt werden. Als er auf diesen Spitznamen, den er von Usain Bolt wegen seines unfassbaren Trainingsfleißes bekam, angesprochen wurde, lächelte er ziemlich gequält.)  Ich musste mich dann erst einmal selbst erinnern, dass ich hier einen Auftrag hatte und nicht nur zum Anschmachten des Sprinters da war.

Anhang 4 (1)

Wir setzten uns und irgendjemand stellte die erste Frage. Ich hörte nur “klickklickklick”, denn die Fotografen standen direkt hinter uns. Gleichzeitig sprach Yohan auch furchtbar leise und ich musste mich echt konzentrieren, überhaupt etwas zu verstehen. Snappen fiel damit schonmal aus. Und Fotos auch, weil das Licht so schrecklich war; da kam auch mein supertolles iPhone nicht gegen an.

Die Frage, ob er auch längere Strecken laufe, hatte neben mir auch ein anderes Mitglied unserer Runde. Als die Antwort “Ja, 600m” kam, entfloh mir tatsächlich ein hysterisches Glucksen und ich kann auch jetzt nur nochmal sorry sagen. Aber das platzte in dem Moment einfach so aus mir raus. Er mag einfach nicht lange laufen und solche Strecken wie 10 Kilometer stehen für ihn überhaupt nicht zur Debatte. Aber gut, es bringt ihm für seinen eigenen Sport auch leider gar nichts. Was er aber gerne tut, ist langsames Gehen. Die Frage, ob er überhaupt in der Lage dazu sei, kam nämlich von mir bzw. von einer unserer Follower. Für ihn liegt es sogar auf der Hand, im Alltag langsam zu gehen. Schließlich muss er ja im Sport schon Vollgas geben. Tja, liebe Christina, dann haben wir wahrscheinlich umgekehrt auch gleich den Grund gefunden, warum wir im Alltag so rumdrängeln – wir sind ansonsten halt ziemlich langsam unterwegs.

Als ich dann fragte, ob er immernoch aufgeregt vor Wettkämpfen sei, fingen seine Augen an zu leuchten und man konnte förmlich spüren, wie sehr er seinen Sport liebt. Ja, auf jeden Fall sei er bei jedem Wettkampf noch aufgeregt, meinte er. Er liebt es förmlich aufgeregt zu sein und freut sich darauf, endlich zu starten. Als ich meinte, dass ich oft am Start kurz vorm Heulen sei, traf mich ein mitleidiger Blick. Möglicherweise dachte er “Was läuft sie auch so lange Strecken, selbst Schuld!”

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Zwischendurch fragte jemand, wie viele Schritte er für die 100m brauchte. Ich war in dem Moment so sehr in dem Gedanken “Oha, was man alles fragen kann!” gefangen, dass ich leider die Antwort vergessen habe. Dafür hab ich aber mitbekommen, dass sein Körperfettanteil bei 6-8% liegt, er zweimal am Tag trainiert und superschnell regeneriert.

Danach setzte ich zu meiner nächsten Frage an. Als ich mit “meine Lieblingsfrage unserer Follower…” startete, merkte ich förmlich, wie Eugen (der, der mir schon via Instagram “verboten” hatte, die oben angedeutete Frage zu stellen) die Luft anhielt. Mit einem “nein, keine Sorge, nicht DIE Frage” konnte ich ihn beruhigen und hatte nun die Gelegenheit, eine andere komische Frage zu stellen. Jemand wollte schließlich wissen, was seine Mutti früher gekocht hat, damit er so schnell werden konnte. Erst schaut Yohan etwas irritiert (vielleicht ist diese Frage auf Englisch auch einfach nicht so charmant oder aber er fragte sich langsam, warum ICH eigentlich da war). Dann schaute er mir in die Augen, sagte “Schreib auf!”, machte eine dramatische Pause und sagte “Hühnchen”. Das habe ich zumindest verstanden, ich musste ihn in dem Moment leider nochmal ein bisschen anhimmeln. Sorry Leute, für knallharte Interviews bin ich wohl eher nicht gemacht. Das Thema Ernährung ließ aber auch die Herren der Runde nicht kalt – jemand wollte wissen, ob er während seines Besuchs in München auch mal einen Biergarten besuchen wolle. Doch daran hatte Yohan so gar kein Interesse. Er trinkt nämlich niemals Alkohol und setzte noch ein “Ich bin sehr diszipliniert” hinterher, was ein leichtes Seuzfen bei den Jungs auslöste. Vielleicht hatte der ein oder andere auf eine kleine Sause gemeinsam mit dem Sprint-Star gehofft.

Yohan liebt es übrigens, Menschen zu motivieren (da dachte ich kurz, dass wir doch was gemeinsam haben, hihi). Aber eine Karriere als Trainer nach seiner aktiven Karriere hält er für ausgeschlossen. “Zu anstrengend”, meinte er. Auch im jamaikanischen Bobteam (wir sprachen über den Film “Cool Runnings”) sieht er sich eher nicht. Er hat´s nicht so mit der Kälte. Sommer, Sonne und Strand sagen ihm da mehr zu.

Anhang 5 (1)

Einen Ausblick auf die Olympischen Spiele gab er uns noch zum Schluss: Er wird Usain Bolt auf jeden Fall schlagen und Gold gewinnen. Die beiden bleiben aber dennoch Freunde, sagte er mit einem Lächeln: “What happens on the track, stays on the track!” Und auch eine Prognose für den nächsten Weltrekord über 100m ließ er durchblicken. “9,4sec” sagte er ohne zu zögern. Und wenn ich das mal sehr frei übersetzen und interpretieren darf, liegt es nicht nur daran, richtig hart dafür zu trainieren, sondern auch daran, dass adidas richtig gute Schuhe entwickelt. Somit wissen wir auch, dass Usain Bolt diesen Rekord nicht laufen wird, der hat ja einen anderen Ausrüster. 😉

Zum Abschluss der Session machten wir noch ein paar Fotos (ganz spontan ein bisschen Stimmung machen, ihr kennt das), dann gab es noch eine Autogrammstunde und Yohan Blake begleitete die adidas Runners noch ein Stück auf ihrer Mittwochsrunde. Vielen lieben Dank nochmal an Verena, Martin und adidas Runners DE/AT/CH für dieses tolle Erlebnis und danke Yohan Blake für deine Zeit. Auf Instagram findet ihr ihn übrigens hier.
PHOTOCREDIT: Markus Kehl Photography


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