VON DER JUNGFRAU ZUM LEGIONÄR

Und wie komme ich jetzt wieder runter, fragte ich mich, als ich etwas bibbernd auf einem der höchsten Hindernisse beim Tough Mudder saß. Die Station nennt sich die Berliner Mauer und war für mich am Samstag gefühlt definitiv auch so hoch. Das Hindernis besteht aus einer Holzwand, die man an zwei verschiedenen Stellen hoch- und wieder herunterklettern muss. Für mich persönlich war diese Mauer eine der größten Herausforderungen, da ich unter Höhenangst leide. Die Mauer kommt nach etwa neun Kilometern und ist nur im Team überwindbar. Außer man heißt Daniel, der sich einfach die Wand rauf- und wieder runterschlängelt. Netterweise ist unser einziges männliches Teammitglied extra wieder herunter geklettert, um Julia und mir zu helfen.

Aber nicht nur an diesem Hindernis kommt es auf Teamwork an. An jeder Station steht das gegenseitige Helfen an erster Stelle. Umso glücklicher war ich, dass Team Run Munich Run neben mir aus zwei so netten und starken Teammitgliedern (Daniel und Julia) bestand. Denn nach der allerersten Schocknachricht: Isa fällt wegen ihrer Achillessehnenverletzung aus, kam ein Tag vor dem Tough Mudder die nächste schlechte Neuigkeit. Isa’s Schwester Bea, die als Ersatz mitgelaufen wäre, konnte nicht nach München kommen. Ihr Flug wurde ein Tag vor dem Hindernisslauf ohne Begründung gecancelt und so saß sie in Hamburg fest. Das ganze Team war sehr schockiert über diese Nachricht. Vor allem ich hatte sehr auf Bea gesetzt, denn sie war die einzige im Team, die schon mehrmals den Tough Mudder gelaufen ist. So gingen wir leider am nächsten Tag nur zu dritt an den Start. Isa war natürlich zur Unterstützung (und zur Entspannung 😉 ) an der Strecke dabei.

Glücklicherweise liefen wir in der Startwelle um 12 Uhr mit und so brachen wir erst um 9 Uhr aus München auf. Der Tough Mudder Süddeutschland findet im Ort Wassertrüdingen statt. Mit unserer Vermutung, dass es dort genügend freie und matschige Fläche und viel Wald gibt, lagen wir zu 100 Prozent richtig. Vor dem Lauf spazierten wir noch ein wenig durch das Tough Mudder Village, wo verschiedene Stände aufgebaut waren. Durch die unterschiedlichen Startzeiten war dort nicht so viel los und vom Check In bis hin zur Klamottenabgabe an der Garderobe ging es total fix. Genauso schnell standen Daniel, Julia und ich auf einmal im Startbereich und die Nervosität stieg langsam an. Nach einigen Warm-Up-Übungen und lauten Gelöbnissen à la „Wir schwören, dass wir Teamgeist Vorrang vor der Streckenzeit geben“, setzten wir uns schon in Bewegung.

Das allererste Hindernis „Heuschnupfen“ kam nach etwa eineinhalb Kilometern und war total einfach zu bewältigen. Wir mussten nur über Strohballen klettern. Die Stationen danach wurden schon ekliger und wir drei wurden so richtig dreckig. Daniel scherzte noch, dass er jetzt auch mal braun sei und ich fühlte mich wie in einem kratzigen Ganzkörperanzug. „Zum Glück“ kamen schon bald Wasserhindernisse und der Dreck wurde in noch dreckigerem Wasser „abgewaschen“. Zwischen den Stationen verlief die Strecke durch den Wald. Es ging fast nie geradeaus, sondern immer rauf und runter. Nach einer gefühlten Ewigkeit hatten wir endlich die zehn Kilometer Marke überschritten und liefen auf das Hindernis „King of the Swingers“ zu. Ganz euphorisch kletterten Julia und ich die etwa drei Meter hohe Rampe hoch und hatten tatsächlich vor uns über das Wasser zu schwingen. Oben angekommen, machte sich schnell unsere Angst breit und wir kletterten schnell wieder die Treppe herunter. Das Gute am Tough Mudder ist nämlich, dass Hindernisse ohne Strafen umgangen werden können. An schlimmen Stationen (bei mir waren es ganze fünf haha…) bin ich also einfach drumherum spaziert. Das Schwinghindernis über dem Wasser und das Eintauchen in das vier Grad kalte Wasser bei „Arctic Enema 2.0“ waren definitv zu schlimm für mich.

Kurz vor dem Zielbereich waren an einem Fleck mehrere Hindernisse hintereinander aufgebaut. Das ekligste hier war die „Mud Mile 2.0“, wo wir durch Matschwasser gewartet und über Matschhügel gekrochen sind. Danach waren wir wieder so richtig schön dreckig. Perfekt, dass also danach Hangeln über dem Wasser anstand. Julia und ich sprangen direkt ins Wasser, um wieder etwas sauberer zu werden. Daniel hat auch dieses Hindernis (wie alle anderen auch) perfekt gemeistert und ist dank seiner Hangel-Künste hier überhaupt nicht nass geworden. Nach diesen Stationen standen noch die Rampe, eine Flussdurchquerung und das Laufen inklusive Elektroschocks auf dem Programm. Dreimal dürft ihr raten, welches Hindernis ich auslassen musste ;-).

Drei Stunden später kamen wir endlich im Zielbereich an. Endlich deshalb, weil ich schon nach etwa eineinhalb Stunden gejammert habe, wann das „Spielen im Wald“ nun endlich ein Ende hat. Trotz viel Mimimimiiii hat der Tough Mudder auf seine Art und Weise Spaß gemacht und war mal eine total andere Erfahrung. Das Event spielt mit den Urängsten der Menschen (Höhe, Kälte und Enge). Ich habe festgestellt, dass vor allem dort das Prinzip „Augen zu und durch“ am besten funktioniert. Auf die Berliner Mauer bin ich ohne groß nachzudenken hochgeklettert, denn runter kommt man schließlich immer. Und so war es dann auch: Nach einigen Minuten auf der Mauer und vielen angstvollen Blicken nach unten, wurde ich von einem netten Helfer auf dem Boden aufgefangen. Am Ende war ich stolz, dass ich es durchgezogen habe. Aber ich bin mir trotzdem sicher, dass ich eher bei Straßenläufen bleiben werden.

Hier noch ein paar meiner Erfahrungswerte für eure kommenden Tough Mudders:

  • Lauft in Kleidung, die Schultern und Knie bedeckt. Sonst bekommt ihr garantiert noch mehr Schrammen, Kratzer und blaue Flecken.
  • Lieber alte als neue Kleidung anziehen. Der Dreck geht zwar beim Waschen wieder raus, trotzdem kann man leicht an einem Hindernis hängen bleiben und das Kleidungsstück reißt auf.
  • Lasst die Laufuhr daheim. Daniel hatte seine dabei und sein Display war leicht verkratzt danach.
  • Bindet eure Schuhe ganz fest. Ansonsten bleiben sie irgendwann ohne die Füße im Schlamm stecken.
  • Duscht danach in euren Klamotten und Schuhen. So werden sie wenigstens schon vor der Heimfahrt etwas entschlammt.
  • Lasst euch ein Bad ein, sobald ihr daheim angekommen seid. So sehr habt ihr euch sicher noch nie auf die Wanne gefreut!

Vielen Dank Tough Mudder, dass wir bei diesem tollen und einzigartigen Event dabei sein durften!


2 Gedanken zu “VON DER JUNGFRAU ZUM LEGIONÄR

  1. Hallo Mudders!

    Zu der Kleidung kann ich euch vielleicht noch einen Tipp von mir geben, da ich auch sehr lange überlegt habe, was ich anziehen werde.

    Zum Glück hatte ich noch eine kurze Neoprenhose vom Kajakfahren daheim. Darunter hab ich mir einfach eine kurze Badehose angezogen, sodass ich mich beim Duschen einfach aus der Neoprenhose auspellen muss. Der Vorteil der Neoprenhose war, dass es darunter immer warm war. Ich hatte mir auch 3 Energiegels mitgenommen und sie in die Hose gesteckt, da sie so eng war und sie festgehalten hatte (waren auch immer warm und man konnte sie schnell einnehmen). Ein anderer Vorteil, sie saugt sich nicht viel mit Wasser voll. Oft hab ich gehört „uh meine Hose ist voll schwer durch das Wasser“.
    Als Schuhe hatte ich die Reebok Nano 5, Crossfit Schuhe. Zuerst hatte ich auch da bedenken, dass es ja keine Laufschuhe waren und die 18 km kein Pappenstil sind. Aber durch den Waldboden und den ganzen Schlamm war der Untergrund sehr weich und demzufolge war es quasi wie ein Laufschuh nur mit sehr viel mehr Grip als so manch anderer, der sich bei den Schlammpassagen schwer getan hat einen Fuss vor den anderen zu setzen ohne umzuknicken oder auszurutschen.
    Als Oberteil hatte ich ein enganliegendes schwarzes Lauf-Tanktop aus Kunstfaser. Trocknet sehr schnell und flattert nicht. Hatte mir viele Blicke einheimsen müssen weil ich nach ein paar Hindernissen immernoch recht sauber aussah, weil die Klamotten einfach nicht schlabbern und den Dreck nicht berühren, solange ich mich von ihm fernhalten konnte. Ich hab kein einziges mal gefroren, auch nicht als es durch das Eiswasser ging. Die Hose hat mich immer gut gewärmt und das Oberteil hat schnell das kalte Wasser ablaufen lassen.

    Auch wurden die Klamotten recht schnell wieder sauber. Meine Schuhe schauen aus wie vorher, nachdem sie erstmal ein paar Tage getrocknet sind nach der Wäsche.

    Viele Grüße,

    Andi

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