42,195 KM – ODER: DER WEG IST DAS ZIEL

Zwei Laufblogger, aber keine kann laufen. Toll, wie kommt man dann an neuen Content? Ganz einfach, man lässt laufen. Und zwar unsere liebe Mira, die in München ihren ersten Marathon gerockt hat. Wie es ihr ging, könnt ihr jetzt nachlesen:

Erinnert ihr euch noch an unseren Bericht zur Marathon-Staffel im vergangenen Jahr? Da durfte ich ebenfalls schon meinen Teil zum Blog beitragen und über meinen Renn-Abschnitt berichten. Damals beschlossen wir: Nächstes Jahr sind wir wieder dabei! Irgendwann war mit „sanftem“ Druck der Mädels die Idee geboren: Ich versuche mich wirklich am Marathon. Isa wird mich begleiten, Laura im Training mitlaufen und Benita aus der Ferne coachen. Da kann nichts schief gehen!

Im Juni kam endlich mein Trainingsplan. Ich war geschockt: Intervalle mit Zeiten, die vielleicht Usain Bolt läuft, aber NICHT ICH. Und fünf Läufe mit 35km?! WAS?! Die Mädels reagierten ähnlich geschockt und sagten, sie seien das genau einmal vorher gelaufen!!!! Sowohl Isa als auch Laura haben mir schon damals ihr Mitleid ausgesprochen. Ich habe mich auch noch einmal beim „Autor“ rückversichert, ob der Plan nicht versehentlich für den Weltrekord oder Rio geschrieben wurde. Nein, es war meiner. Zielzeit stand auch keine dort. Die würde ich dann kurz vor dem Marathon gesagt bekommen. Danke, Motivation kann er!

Ich freute mich auch richtig, ENDLICH mit dem Trainingsplan anfangen zu DÜRFEN. Was soll ich sagen: Wen man etwas wirklich will, dann zieht man auch so ´nen Trainigsplan durch! Die Intervalle waren nicht schön, aber sie helfen (habe ich mir mantraartig bei jedem einzelnen Meter vor Augen geführt). Auch Tempodauerläufe werden nicht meine Freunde, aber wir haben uns arrangiert. Was mir wirklich nichts ausgemacht hat, waren die langen Läufe. Darauf hab ich mich richtig gefreut. Bis die Hiobsbotschaft kam: Isa kann mich nicht begleiten. Sie darf nicht laufen, nach nur drei Marathons und einem Ultramarathon innerhalb von neun Monaten machte ihre Achillessehne schlapp. Ich war so traurig weil ich mich so drauf gefreut hatte. Mit ihr gemeinsam würde ich das auf jeden Fall packen. Aber alleine!?! Was, wenn es mir schlecht geht? Was, wenn ich einbreche? Wenn dann keiner in der Nähe ist??? Aber Isa wäre nicht Isa, wenn sie nicht dennoch versprach, mich beim Training zu begleiten. UND: Sie und Laura würden mich gemeinsam anfeuern! Als eigenes Cheering-Team!!!! Ich dachte, das sei ein Spaß, doch direkt war eine Veranstaltung in Facebook erstellt. Ich lief fast rot an, weil ich das so lieb fand! Sie konnten nicht mitlaufen, aber sie wollten mich unterstützen, wo immer es ging! Und vielleicht gingen ja die letzten Kilometer zusammen, so wie letztes Jahr! Die Hoffnung war wieder da.

Laura absolvierte zwei der längeren Läufe mit mir. Doch dann stieg auch sie verletzungsbedingt aus. Lag es jetzt an mir, verschleiße ich meine Trainingskollegen?! Nicht alle, Rennwiesel Sus hat es überlebt und läuft auch noch ohne Probleme. DANKE Sus und Laura für das gemeinsame Laufen! Und ein riesiges DANKE an Isa: Wer steht bitte im Sommer früh 5:30 Uhr auf, packt sein Fahrrad in den Kofferraum und fährt mit an den Ammersee zum Training!? Wahnsinn! (Ich glaube ja, sie hat es nur wegen der versprochenen Bade-Action und Currywurst mit Pommes gemacht, aber egal.)

Kurz vor dem Marathon kam eine Mail eines Schulkollegens aus der Heimat: Er wird mein persönlicher Wingman für den Marathon! Das gab nochmal richtig Schub! Parallel haben die Mädels etwas Druck aufgebaut, versagen war also nicht mehr drin! Die beiden haben so viel geplant, jede noch so doofe Frage beantwortet und mich motiviert, auch wenn sie meinen Plan wahnsinnig fanden. Ich eigentlich auch, aber ich hab´s einfach gemacht. Das gibt’s bei mir auch selten, aber wie sagte der Autor des Plans: „Alles, was du im Training leidest, wirst du im Marathon nicht leiden!“ Und ja, ich habe im Training gelitten: Ist schon mal jemand nach nem Jungesellinenabschied und genau 3,5 Stunden Schlaf 10 Kilometer auf Vollgas gelaufen? Schlimmer konnte es ja beim Marathon gar nicht werden.

Dann war die Zeit der Vorbereitung um, der lang ersehnte 09.10.2016 war da. Als ich mit meinem Laufpartner aus der Ubahn kam strahlte die Sonne. Ich habe versucht, jeden Meter zum Start in mich aufzusaugen; die Vorfreude, das Adrenalin, die Sonne, alle gut gelaunten Menschen. Einfach alles perfekt. Endlich war es soweit, 42,195km! Verrückt, aber wahr! Und dann traf ich endlich Laura und Isa. Gefühlt waren die beiden aufgeregter als ich! Fraglich bleibt, ob sie wegen der Konfetti-Bomben so aufgeregt waren oder aus Angst, ich würde es doch nicht packen. (Wegen der Bomben, Anm. d. Redaktion.)

Noch schnell 1,53849373949 Mio. Fotos machen, Schilder hochhalten, die ich noch nicht lesen durfte und dann war es so weit: Die beiden verließen mich und machten sich auf zum ersten Cheering-Point. Und da ging mir dann doch der Arsch mal kurz auf Grundeis: Als ich die beiden zum Abschied nochmal fest gedrückt hatte, wollte ich sie am liebsten gar nicht gehen lassen. Aber dank gefühlvoller Worte wie: „Reiß´ dich zusammen!“ fiel mir der Abschied dann doch leichter.

Ab in den Startblock. Wir starteten aus Startblock A!?!?!?!“DEIN ERNST ?“ war das Einzige, was ich noch sagen konnte. Da hatte ich wohl kein Mitspracherecht, aber wenigstens bei der Marschroute. Dachte ich zumindest. Was laufen wir jetzt eigentlich?! Die Mädels haben mir oft genug gesagt, ich soll auf „sub4h“ gehen, ich war mir da nicht so sicher. Wollte ich den ersten schon so krass angehen? Ich wollte das doch einfach genießen, wenn das irgendwie möglich war! Also war der Deal: Wir starten mit einer Pace von 5:45min/km.

Kaum hatte ich die Schuhe neu gebunden und den letzten Schluck Wasser genommen, fiel der Startschuss. JAAAAAAA endlich! MEIN ERSTER MARATHON! Wie geil ist das denn bitte?! Die Sonne scheint, die Menschen jubeln, Freunde und Familie sind an der Strecke! Ich hätte da schon fast mal losweinen müssen. Aber mein Wingman Manuel holte mich in die Realität zurück. Ich soll mal langsam machen, ich bin viel zu schnell… Na toll, aber wenns doch läuft. Ok, also bissl langsamer machen. Aber eigentlich geht doch schneller… Aber ok, wenn es mir dann nachher schlecht geht… Ne doch lieber langsamer. Aber wir können ja die ganze Zeit reden! Dann geht’s noch schneller!

Die ersten fünf Kilometer verflogen. Ich wusste, Isa und Laura warteten dort irgendwo neben den Adidas Runners. Schnell hatte ich sie entdeckt, aber was machten die beiden???!!! Die schauten gar nicht! Ich musste winken und schreien aber sie waren nicht darauf vorbereitet, dass ich schon da bin! Vor lauter Lachen musste ich fast stehen bleiben! Diese überraschten Gesichter waren zu komisch! Aber zum Schütteln der pinken PomPoms hat es dann doch gereicht.

Schon bogen wir Richtung Englischer Garten ab. Letztes Jahr waren das die knapp 15 km, die ich in der Staffel laufen durfte. Und das waren die trostlosesten Kilometer der Welt. Damals war es nass und kalt, kein Mensch an der Strecke. Ich dachte immer, irgendwann rollt jetzt auch so ein Dornenball über die Straßen wie in den alten Western Filmen. Und dieses Jahr: Menschen, Bands, Stimmung überall! Es war ein Traum! Und selbst der Anstieg nach dem Englischen Garten war kaum spürbar vor lauter Händeabklatschen und Euphorie! Ich hab es richtig genossen und meinen Frieden mit diesem Teil der Strecke geschlossen .

Dann konnte ich es schon hören: Die 21-Kilometer-Marke inklusive Sprecher war nicht mehr weit. Und noch wichtiger: Isa und Laura warteten dort auf mich. Und dieses Mal waren sie sowas von vorbereitet: Ich wurde mit einer Konfetti-Bombe „abgeschossen“ (die Läufer um mich herum wären fast vor Schreck gestorben), Wasser und Gel wurden mir gereicht, Puschel geschüttelt und hysterisch gejubelt. Wahnsinn, was sowas ausmacht! Da merkt man vor lauter Freude gar nicht, dass man läuft! Manuel sagte mir nochmal, wie wahnsinnig geil es ist, was meine Familie und Freunde, aber vor allem die beiden hier für mich machen! Und ja, das war es! Ohne euch wäre es nicht sooo geil gewesen. Besser geht es nicht!

Weiter ging es, die Kilometer flogen nur an uns vorbei und ich hatte keine Schmerzen. Nur ein breites Grinsen auf dem Gesicht. Da kam auch schon der Ostbahnhof. Eltern und Freunde warteten dort auf uns. Wieder großes Geschrei, Fotos, Energie tanken und weiter ging es.

Wir liefen weiter wie im Rausch und schon tauchte das Rathaus vor uns auf. Ein wahnsinniges Bild, das sich uns bot: Strahlend blauer Himmel, das Rathaus, viele Leute zum Anfeuern und richtig geile Stimmung. Also ab an den Rand und einfach alle Hände abklatschen. Aufsaugen was geht, denn das gehasste Stück stand kurz bevor: Die Schleife Richtung Königsplatz. Erstens mental kacke, weil man ewig in eine Richtung läuft und dann auch noch komplett zurücklaufen muss und zweitens, weil da Kilometer 35 wartete. Mehr als diese 35 Kilometer bin ich noch nie gelaufen. Aber der Körper fühlte sich gut an, keine Schmerzen! Also ab in die gehasste Runde. Isa und Laura warteten direkt am Beginn. Sie hatten mich unterwegs nicht mehr anfeuern können, weil sie eine Bahn verpasst hatten. Ich musste lachen und mich innerlich weiter freuen, so liebe Mädels als Freundinnen zu haben!

Beim Kilometer 33 hab ich dann gedacht, die Energie schwindet. Zumindest fühlte es sich so an. Ich hatte keine Lust mehr auf Reden. Und wer mich kennt, weiß, das passiert sehr selten. Aber Manuel versicherte mir, die Zeiten seien weiterhin konstant. Ok, also Kopf wieder aus, Beine an. Und dann erreichten wir auch schon den nächsten Anfeuerungs-Trupp. Auf dieser Schleife hatten sich so viele Supporter verteilt, das war der Hammer. Immer wieder neue Leute! Ich vergaß vollkommen zu überlegen, ob es mir schlecht ging und lief einfach.

Irgendwann waren wir aus dieser Schleife raus. Vom Getöse und Geschrei der Adidas Runners um Kilometer 37 angefeuert, war ich mir sicher: Ich werde diesen Marathon durchlaufen! Auch wenn dieser ominöse Mann mit dem Hammer kommt, ich beiß mich da jetzt durch! Oder hatte er mich aufgrund der geringen Körpergröße meinerseits vielleicht übersehen!? Isa und Laura standen nochmals am Rand und versicherten, dass alles gut aussieht und ich das locker packe! Ich war mir auch sicher und lief einfach weiter. Schon waren wir am Olympiagelände. Ab da fühlte es sich an wie fliegen! Durch den Park, dem Marathontor entgegen! Die Lichter, Musik, die Stimmung, die von innen kam, Wahnsinn. Ich hatte Gänsehaut. Wir flogen richtig in das Stadion. Wie im Film war die letzte Runde. Ich schaute mich um, genoss das Gefühl und hätte es am liebsten angehalten und für immer konserviert! Die letzte Kurve und dann Hand in Hand dem Ziel entgegen. Wahnsinn, ich hatte es wirklich geschafft! Ohne Schmerzen, ohne Probleme, purer Genuss! Diese Medaille zu bekommen, ein überragendes Gefühl. Auf einmal war sie da, die kleine Freudenträne!

Nach ein paar Minuten waren auch Isa und Laura im Zielbereich. In die Arme fallen, rumspringen (Ja, das ging auch noch!), Fotos machen und einfach nur das Gefühl genießen, standen auf dem Programm. Und: Es musste gefeiert werden! Nicht mit Wasser, nein, sie hatten Bellini dabei! Wir konnten alle nicht glauben, dass es so „locker“ war. Ich hatte vorher immer Angst, es kämen Schmerzen. Auch die Tage darauf war nichts zu spüren, was mir den Hass und Neid einiger weniger einbrachte. Aber es bewahrheitete sich der Spruch meines „Trainers“: „Alles was du im Training leidest, leidest du nicht im Marathon“.

Und heute kann ich sagen: Wenn ihr drüber nachdenkt, ob ihr es machen sollt oder nicht, werft die Bedenken über Board! Wenn ihr es wirklich wollt und gut trainiert, schafft ihr das! Klar ist schmerzfrei nicht normal, aber das lag einfach am konsequenten Training! Für mich war es der bisher beste Lauf meines Lebens und jedes Schinden hat sich gelohnt!


7 Gedanken zu “42,195 KM – ODER: DER WEG IST DAS ZIEL

    1. Das ist lieb! Ist aber auch einfach schön wenn man mit solch lieben Menschen so etwas erlebt! Und wenn sich das Ganze Training so lohnt, was will man mehr?! Ich glaube nur ich wurde mit den Marathon-Virus infiziert 😉

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  1. Ach du! Wie schön du deinen Bericht geschrieben hast 😍
    Ich habe auf Instagram ja immer schon dein Training verfolgt und war immer beeindruckt, wie konsequent und gut du es durchgezogen hast und dieser perfekte 1. Marathon ist wohl das Ergebnis von ganz viel Fleiß im Training, aber auch purer Spaß am Laufen und die positive Energie, die du dabei immer zu haben scheinst!
    Schöner Bericht und eine fette Umarmung und Glückwünsche zu diesem tollen Marathon!

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    1. Das ist lieb 😊 Ja hatte aber auch richtig Bock und die beste Unterstützung, die man sich wünschen kann! Hab schon gemeint ich muss direkt in Marathon-Rente weil besser kann es ja kaum werden 😉

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  2. Hallo Mira,
    danke für den schönen Bericht!
    Darf ich fragen woher du deinen Trainingsplan hattest ? Ich möchte im nächsten ja gerne einen Halbmarathon laufen und hätte auch gerne einen Trainingsplan.

    Liebe Grüße Laura

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    1. Mira hatte einen Plan von einem Freund. Der war individuell auf sie abgestimmt. Falls du an sowas Interesse hast und auch Geld in die Hand nimmst, können wir dir unsere Freundin ANNIKA HOFFMANN empfehlen. Die hat den Plan für HH geschrieben.

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    2. Hallo Laura,

      meinen hat wirklich ein Freund geschrieben, der selbst erfolgreicher Triathlet und Läufer ist. Ich kann ihn gerne mal fragen, ob er auf für andere einen Plan zusammenstellt 🙂 Ansonsten ist Annika ne super Adresse! Die kennt sich auch Bestens aus! Und kann einen ordentlich Gas geben 🙂

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