OHNE DRUCK KANN ICH NICHT ARBEITEN

Soll ich dir mal verraten, wie meine Renntaktik für meinen allerersten Wettkampf aussah? Es war ein 10-Kilometer-Lauf, genauer gesagt, der Nikolauslauf im Münchner Olympiapark. Ich wollte unter einer Stunde bleiben und ehrlich gesagt hatte ich überhaupt keine Ahnung, wie schnell ich dafür laufen müsste. Ich hatte mir null Gedanken über Pace, Zwischenzeiten oder Ähnliches gemacht. (Mittlerweile ist der Pace-Rechner mein bester Freund.) Ich lief also vogelwild los, einfach den anderen her. Die ersten fünf Kilometer schaffte ich auf jeden Fall deutlich unter 30 Minuten, also musste ich ja einfach nur so weiterlaufen, oder? Dummerweise wurde ich irgendwann müde und musste mich zusätzlich motivieren. Und weißt du, was ich gemacht habe? Ich habe mir vorgenommen, so viele Läufer mit Kompressionssocken zu überholen, wie nur möglich. Warum? Weil ich die Dinger albern fand! Und gleichzeitig der Meinung war, dass das Überholen dieser Läufer “doppelt wertvoll” sei. Verrückt, oder?

muam6017-20x30-2

20150412_083230

mudv5731-20x30

Wenn du uns schon länger folgst, denkst du jetzt sicher: “Hä, sie hat doch auf fast allen Bildern lange Socken an?!” Völlig richtig! Mittlerweile laufe ich alle Wettkämpfe, aber auch intensive Trainingseinheiten (Intervalle, Tempoläufe) und lange Läufe nur noch mit Kompression. Wie es zu dem Sinneswandel kam? Ich hab es einfach ausprobiert. Nachdem meine Schwester durch Kompressionssocken ihre permanenten Wadenkrämpfe in den Griff bekam, wurde ich neugierig und dachte, dass sowas für die Vorbereitung auf meinen ersten Marathon sicher eine gute Investition sei. Ich hatte zwar nie Probleme, aber ich dachte “Vorbeugen ist besser als heilen.” Und Sportklamotten bzw. -zubehör shoppe ich eh am liebsten. Also hab ich mir meine ersten richtigen Kompressionssocken von CEP oder besser -sleeves (ich wollte keine Socken) gekauft. Vorher hatte ich schon so Billigteile aus dem Discounter. Die haben aber hauptsächlich die Waden im Winter warm gehalten, sonst nix.

20150503_151446

Getestet hab ich dann während eines Halbmarathons. Ob es nun sinnvoll ist, so etwas im Wettkampf zu tun, sei mal dahingestellt. Allein das Anziehen war schon ein Highlight! Die Dinger sind ja doch ganz schön eng und es war schon fast eine Art Warm-Up, meine “Killerwaden” da reinzustopfen. Während des Laufs fühlte sich aber alles wirklich richtig gut an. Vor allem im Vergleich zu meinen Oberschenkeln, die auf den letzten Kilometern echt weh taten, waren die Waden noch frisch. Das Versprechen des Herstellers, nämlich eine Entspannung der Muskulatur durch einen erhöhten Druck auf das Gewebe (“Kompression” wird vom lateinischen Wort comprimere – „zusammendrücken“ abgeleitet), wurde also gehalten. Im “Inneren” sieht das dann so aus, dass der Rückstrom des Blutes zum Herzen verbessert wird, wenn die Muskulatur entspannt. Außerdem weiten sich die Arterien und lassen dementsprechend mehr Blut zum Muskel durch. Mehr Blut heißt immer auch “mehr Sauerstoff” im Muskel, der dadurch mehr Energie erzeugen kann. Und die können wir beim Laufen ja nun wirklich gebrauchen!

Die Sleeves kamen danach vorerst bei weiteren Wettkämpfen zum Einsatz. Unter anderem während eines Halbmarathons und dann zum ersten Marathon. In der Vorbereitung trug ich die Dinger damals (wir sprechen von 2014) übrigens nie. Das lag vor allem daran, dass es immer sehr heiß war und ich das Gefühl hatte, meine Beine würden ersticken, wenn die so warm eingepackt sind.

laufsport_augsburg__42a7439

tegernseelauf3

Geändert hat sich das dann im Sommer 2015, als wir für den Berlin Marathon trainiert haben und ich die Sports Compression Socks Run and Walk von Bauerfeind testen durfte. Um es mal vorwegzunehmen: Mein absoluter Lieblingsstrumpf! Diese Socken sind viel, viel dünner als die anderer Hersteller. Du kannst dir das Material so ähnlich wie bei einer Strumpfhose vorstellen. Und das Anziehen ist auch nicht so ein Kampf, sondern geht relativ easy. Diese Socken habe ich übrigens während eines 30-Kilometer-Laufs “getestet”. Obwohl es an dem Tag unfassbar heiß war, hatte ich wirklich ein gutes Gefühl an den Beinen. Die Strümpfe haben einen angenehmen Druck ausgeübt, aber mir nicht die Beine “abgeschnürt”. Und obwohl es an dem Tag wirklich unglaublich heiß war, fühlten sich die Beine auch angenehm kühl an. Also, verhältnismäßig kühl. So kühl, wie man sich halt bei 30 Grad Celsius fühlen kann.

foto-27-09-15-14-33-33

Danach hatte ich die Socken zu jedem langen Vorbereitungslauf und auch zu ein paar Wettkämpfen an. Und dann selbstverständlich auch zum Marathon. Mittlerweile habe ich drei Paar davon und ziehe diese zu Intervall- und Tempoläufen sowie zu den meisten Wettkämpfen an. Ich mag die Socken so gerne, weil sie für den Sommer angenehm leicht sind und im Winter auch locker unter die langen Tights passen und die “Doppelbekleidung” kaum auffällt. Wenn ich dickere Kompressionssocken unter lange Tights ziehe, quetscht mich das alles irgendwie ein. Positiver Nebeneffekt zusätzlich speziell für mich: Da meine “schnellen Schuhe” (ich trage dann meist Laufschuhe aus der adidas adizero Kollektion) relativ eng geschnitten sind, sind die dünnen Socken auch an den Füßen für mich perfekt. Mit anderen Socken fehlt mir immer ein bisschen Gefühl im Fuß, falls du verstehst, was ich meine.

img_4881

img_5384

img_4885

Durch den Blog hatte ich noch mehrmals die Möglichkeit, Socken oder Sleeves zu testen. Zum Beispiel Sleeves von Gococo . Diese sind nicht ganz so “eng” wie die CEPs, aber dafür merke ich da auch relativ wenig von der Kompression. Ich ziehe sie meist NACH einem anstrengenden Lauf zur Unterstützung der Regeneration an. Und dann habe ich noch Socken von Strammer Max getestet. Die waren total angenehm zu tragen und haben auch “ordentlich Druck gemacht”. Meine Waden haben sich während der Testläufe und auch im Anschluss sehr leicht angefühlt. Was mir hier nur nicht so gut gefallen hat: Die Socken sind auch am Fuß sehr eng und ich hatte leider immer das Gefühl, mir schlafen die Füße ein. Dann trage ich doch lieber Sleeves und dazu ganz normale Socken (da kaufe ich übrigens die “Hausmarke” von Runners Point).

Was mich immer so ein bisschen stört mit der ganzen Kompression: Während sich die Unterschenkel echt immer gut “gestützt” und vor allem unterstützt anfühlen, schlackern die Oberschenkel gefühlt noch mehr rum. Natürlich gibt es mittlerweile auch Tights in verschiedenen Längen, um dieses Problem in den Griff zu kriegen. Ausprobiert haben Laura und ich jede eine Hose von SKINS, den Testbericht findest du übrigens hier. 

img_5280

img_5316

Im Sommer mag ich allerdings nicht so gerne lange Hosen anziehen. Und da hat Bauerfeind noch was Cooles entwickelt: Die Sports Compression Sleeves Upper Leg . Die sind, genau wie das Pendant für die Unterschenkel deutlich dichter gestrickt als die dünnen Socken von Bauerfeind. Dadurch können sie natürlich mehr Druck auf die Muskulatur ausüben, die somit besser durchblutet und mit Sauerstoff versorgt wird. Eine erhöhte Blutzirkulation bewirkt auch eine schnellere Erwärmung der Muskulatur. Das schützt gleichzeitig besser vor Verletzungen. Die Sleeves für den Oberschenkel ziehe ich immer unter eine kurze Hose und ich kann dir sagen, ehe ich meine Oberschenkel komplett “drin” habe, bin ich tatsächlich gut aufgewärmt, haha. Und ja, man merkt dann schon einen großen Unterschied, wenn man mit oder ohne Kompression läuft. Die Oberschenkel sind gut gestützt (die Kompression bewirkt eine Verringerung der Muskelvibration) und ich persönlich finde es sehr angenehm, damit zu laufen. Außerdem verhindern die Sleeves ein Aneinanderreiben der Oberschenkel. Und wer schon einmal im Sommer in kurzen Hosen eine längere Strecke gelaufen ist, kennt möglicherwiese das Problem, “sich einen Wolf zu laufen”. Nein, sowas wollen wir nicht!

foto-23-04-16-15-46-35

Ausgiebig getestet haben wir die Sleeves übrigens während eines richtig tollen Wochenendes am Starnberger See, wo es über die Trails, aber auch durch einen Schneesturm ging. Wenn du magst, kannst du unseren Bericht dazu hier nochmal nachlesen. Wenn du uns schon länger folgst, hast du bestimmt auch mitbekommen, dass ich 2016 den Rennsteiglauf-Supermarathon gelaufen bin. Dabei hatte ich die Compression Sleeves für die Unterschenkel an. Und wenn mir auch sonst nahezu alles weh tat – die Waden sind verhältnismäßig entspannt “davongekommen”.

20160521_152448

Ich persönlich bin also wirklich absoluter Fan von Kompressionssocken und möchte nie mehr auf die bunten Strümpfe verzichten. Gerade jetzt im Winter halten sie außerdem die Waden schön warm, hehe. Ob es was für DICH ist, wirst du allerdings selbst ausprobieren müssen. Laura zum Beispiel bemerkt kaum eine Veränderung und verzichtet daher darauf. Nach ihrem ersten Lauf mit Kompressionssocken hatte sie sogar den Muskelkater ihres Lebens.

Läufst du “schon” mit Kompressionssocken? Oder Kompressionswäsche? Wie sind deine Erfahrungen damit? Lass mal hören, ich bin neugierig!

Die meisten der genannten Produkte (bis auf die Socken von CEP) wurden mir von den jeweiligen Herstellern kostenlos zur Verfügung gestellt. Vielen Dank an Bauerfeind, Strammer Max, Gococo und Skins.


3 Gedanken zu “OHNE DRUCK KANN ICH NICHT ARBEITEN

  1. Ich liebe sowohl Kompressionsstrümpfe (diese aber nur unter der Hose, komme mir sonst immer vor wie so ein Fußballer mit moppeligen Waden,…) und ich liebe Kompressionstights. Damit könnte ich den ganzen Tag umherlaufen, sowohl beim Sport als auch sonst so.

    Gefällt mir

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s