WO EIN WILLE IST…

“Wie schafft ihr das bloß, immer so früh aufzustehen?” “Ich würde auch gerne so früh laufen, aber…” “Ich wünschte, ich wäre auch so motiviert…” Solche Sätze lesen wir immer wieder. Und hören sie auch in Gesprächen mit Freunden. Jaja, wir haben schon Glück, dass wir eine Extra-Portion Motivation in unserer DNA haben… Nein, mal im Ernst, es ist eigentlich ganz einfach. Man muss es nur WOLLEN. Wer also vor der Arbeit laufen gehen WILL, der schafft das auch.

Das heißt natürlich nicht, dass es immer total leicht ist. Denkst du etwa, ich stehe im Winter bei Schneeregen und völliger Dunkelheit fröhlich pfeifend 5:15 Uhr auf, weil 6:30 Uhr Intervalle oder ein Tempolauf anstehen? Ich bitte dich! Da wird natürlich auch genörgelt und ins Kissen gebissen vor Wut und Trauer, dass die Nacht vorbei ist. Und wenn ich mich dann mit Mira oder Simone treffe, ist es auch nicht so, dass wir uns freudestrahlend in die Arme fallen und laut “juhu” schreien. Eher klopfen wir uns müde auf die Schultern und nuscheln sowas wie “Warum tun wir uns das eigentlich an?” Ja, WARUM eigentlich? Dann schnauben wir meist noch einmal und dann sagt eine (fast) immer “Weil wir das so wollen!” Und so ist es. Wir wollen das so. Wobei ich fairerweise sagen muss, dass ich ganz sicher keine Tempoläufe oder Intervalle laufen will.

Start

Aber weißt du, was ich will? Ich will an meine Grenzen gehen, immer und immer wieder. Und diese Grenzen sollen immer weiter nach oben verschoben werden und ich selbst immer schneller. Natürlich laufe ich auch gerne einfach so vor mich hin. Aber nicht, sobald ich für irgendeinen Wettkampf trainiere. Da ist immer Quälerei angesagt. Ich sag´s dir aber ganz ehrlich: Spaß macht mir das dann nur selten. Und eigentlich auch nur, wenn es vorbei ist.

Ich liebe es wirklich, zu laufen, aber sobald am Ende ein Wettkampf steht, hört der Spaß auf. Was für mich ok ist, denn allerspätestens im Ziel weiß ich, wofür ich mich gequält habe. Ich liebe Wettkämpfe, auch wenn man mir das am Start oft nicht ansieht. Keine Ahnung, wie oft ich schon den Tränen nahe am Start gestanden und überlegt habe, was der Quatsch schon wieder soll. Aber sobald der Startschuss fällt, wird nicht mehr groß nachgedacht, sondern einfach gelaufen. (Das kann sich in bestimmten Rennen auch aufgrund verschiedener Faktoren ändern, aber ich behaupte mal, dass ich immer das jeweils Bestmögliche gegeben habe.)

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Das war übrigens nicht immer so: Als ich vor ca. zehn Jahren mit dem Laufen (so richtig) angefangen habe, ging es mir ausschließlich darum, mehr essen zu können. Der Ehrgeiz, weitere Strecken und diese dann auch schneller zu laufen, kam erst später. Und zwar, als ich mich für meinen ersten richtigen Wettkampf (das war der Nikolauslauf in München, 2011) angemeldet hatte. Die zehn Kilometer wollte ich unbedingt unter 60 Minuten laufen. Ich hatte zwar keine Ahnung, wie ich dafür am besten trainieren sollte, aber auf jeden Fall habe ich angefangen, a) regelmäßig zu trainieren und b) an meine Grenzen zu gehen. Schluss mit Easypeasy Pimmellauf, hallo Kotzgrenze!

Was mich also motiviert hat, bei jedem Wetter laufen zu gehen, war ein ZIEL! Den Lauf habe ich dann in knapp 55 Minuten gefinisht (und konnte mich danach etwa eine Woche kaum bewegen, aber das ist eine andere Geschichte!). Und von da an hatte ich Blut geleckt. Ich wollte mehr Wettkämpfe laufen, schneller werden und auch längere Distanzen schaffen. Seitdem habe ich so an die zehn Halbmarathons, vier Marathons und sogar einen Supermarathon absolviert.

Immer weitere Distanzen will ich jetzt nicht mehr schaffen. Der Ehrgeiz, immer schneller zu werden, ist allerdings weiterhin da. Wenn ich irgendwo an den Start gehen will, dann hab ich immer ein Ziel im Hinterkopf. Das muss nicht immer eine PB sein, aber nur aus Spaß an der Freude zahle ich keine Startgelder. Sorry, aber für “Ankommen ist alles” wäre mir das zu teuer. Was ich dann übrigens hasse (wäre auch mal ein gutes Thema für den “Mittelfingermittwoch” auf Instagram, wenn Leute im falschen Startblock stehen. Ganz ehrlich, wenn Karl-Heinz den Halbmarathon maximal in 2:20h schafft, hat er bei den Leuten für 1:50h einfach nichts verloren. Sowas macht mich unfassbar wütend und ich finde das mindestens genauso unsportlich wie das Wegschubsen anderer Läufer oder das Anpöbeln der Helfer, wenn es zu wenig Wasser gibt (mache ich nicht, ich schwör´s!). Für mich ist ein Wettkampf immer ein Wettkampf (Hallo? Steckt doch schon im Wort!) und da flippe ich auch gerne mal aus. Weil ich mich ehrlich gesagt betrogen fühle. Betrogen um meine angepeilte Zeit (es kostet einfach Kraft, permanent Läufer überholen zu müssen) und auch betrogen um die ganze Zeit, die ich ins Training stecke.

Solche Sprüche wie “Hier geht es doch aber vor allem um die gute Sache!” “Dabeisein ist alles!” “Du bist immernoch schneller als alle auf der Couch!” möchte ich dann übrigens auch nicht hören, sowas kann man gepflegt stecken lassen oder denjenigen erzählen, die es interessieren. Ich will nicht schneller sein als die Schnarchnasen auf der Couch. Ich will schneller sein als diejenigen, die gemeinsam mit mir von der Couch aufstehen!

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Was ich dir aber eigentlich sagen möchte: Motivation ist nichts, dass man entweder hat oder nicht. Man kann durchaus daran arbeiten. Dazu brauchst du eigentlich nur zwei Dinge: Ein Ziel und, ganz wichtig: unbedingten Willen! Falls dich interessiert, was ich dieses Jahr noch schaffen will: (Mindestens) 25 Kilometer beim Wings for Life World Run schaffen (hier solltest du dich übrigens unbedingt unserem Team anschließen), einen Halbmarathon in 1:44:59h finishen und meine PB über 10 Kilometer (aktuell: 47:46min) verbessern. Möglichst dieses Jahr will ich die 45 Minuten noch knacken. Wäre aber auch nächstes Jahr ok. 

Welches Ziel setzt du dir (als nächstes)? Mach dir vorher auch bitte Folgendes klar: Ein Ziel sollte immer SMART sein:

  • Spezifisch: So konkret formuliert wie möglich.
  • Messbar: Im Laufsport sind das dann Kilometer- und/oder Zeitangaben.
  • Akzeptiert: Du musst darauf achten, dass die formulierten Ziele attraktiv und angemessen sind. Das Zeil sollte daher machbar, aber durchaus anspruchsvoll sein.
  • Realistisch: Unrealistische Ziele führen sonst zu Frustration.
  • Terminiert: “Irgendwann” ist zu unkonkret. Für Läufer bietet sich natürlich ein Wettkampf an, der ist schließlich schon terminiert. (Mein 10-Kilometer-Ziel ist also noch nicht so wirklich smart!)

Um meinen Zielen näherzukommen, stehen in den kommenden Wochen jede Menge fantastischer Tempoläufe, Intervalle und Fahrtspiele an. Aber Qualität kommt ja bekanntlich von Qual. 😉

 

 


9 Gedanken zu “WO EIN WILLE IST…

  1. Ja, du sprichst mir aus der Seele. Ich finde diese „dabei sein ist alles“ Leute, die am besten jedes Wochenende ein Wettkampf machen, auch so furchtbar. Wozu sonst sollte ich mich zu einem Wettkampf anmelden, Geld dafür bezahlen, wenn ich dann nur vor mich hin laufe und Spaß habe. Wie soll mein Körper jedes WE Bestleistung Erziehern. Ich will mich halt mit anderen messen und PB laufen. Dafür zahle ich dann auch gerne Startgebühren.

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  2. Super Blogbeitrag! 👏🏻👏🏻👏🏻 Das gibt einem einen richtigen Denkanstoß👍🏻 Und ja ein Ziel muss dieses Jahr definitiv geknackt werden, die 25km beim Wings for Life Worldrun werden wir definitiv zusammen im Duracell-Wiesel Team schaffen💪🏻🏃🏼‍♀️🏃🏼💨

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