DEM HIMMEL SO NAH – DER STUBAI ULTRA TRAIL 2017

Vorgeschichte

“Los, komm´ mit zum Stubai Ultra Trail, das wird geil! Wie geil ist es denn bitte, bei der Premiere einer Laufveranstaltung dabei zu sein?!” Wer unseren Blog oder auch Instagram-Account schon länger verfolgt und dementsprechend unsere Freunde kennt, weiß, dass das nur von zwei Leuten kommen kann: Susi und Dennis von Runskills. Und obwohl mir klar war, dass ich weder eine Distanz von über 60 Kilometern, noch mehr als 5.000 Höhenmeter im Aufstieg und 2.500 Höhenmeter im Abstieg laufen wollte und auch gar nicht sollte, machte ich einen folgenschweren Fehler: “Gibt´s ne Medaille?” Und schon saß ich in der Falle. “Das heißt, wenn´s ne Medaille gibt, bist du dabei??” Tja Leute, was sollte ich da noch sagen?! Ich hoffte einfach, es würde keine geben und vermied es außerdem, weiter über das Thema zu sprechen. Da hatte ich aber die Rechnung ohne die beiden gemacht, die mir kurz darauf freudestrahlend mitteilten, dass es selbstverständlich eine Medaille für alle Finisher geben würde. Ich glaube, man nennt diese Art von Menschen mittlerweile neudeutsch INFLUENCER.

Nach dem Wings for Life World Run war ich allerdings hundertprozentig sicher, dass ich das niemals schaffen würde und sagte Susi und Dennis ab. Es gab auch nur einen minikleinen Shitstorm: “Du hast gesagt, wenn´s ne Medaille gibt, bist du dabei!” Ich ließ sie reden. Das wäre einfach zu krass gewesen und außerdem hatte ich auch überhaupt keine Lust, mich so hart zu quälen. Der Rennsteig-Supermarathon im vergangenen Jahr hatte mir wirklich gereicht und der hatte im Vergleich zu Stubai ja nur kleine Babyhügel. Und dann erzählte Susi was vom Basic-Trail. Rund 28 Kilometer, nur halb so viele Höhenmeter im Aufstieg, fast keine im Abstieg. Und – ihr ahnt es- natürlich konnte ich meine Klappe nicht halten: “Ach, sooo, na, hättest du mal was gesagt, 28 Kilometer hätte ich gemacht!” (Ich wusste ja, dass Susi schon für den Ultra Trail angemeldet war und dachte nicht, dass sie sich ummelden würde. Ich Doofie!)

Die Ausrüstung

Dann warf ich vorsichtig einen Blick auf die Liste mit der Pflichtausrüstung. Okaaaay, ich hatte NICHTS davon, außer vielleicht ne halbwegs wasserdichte Jacke. Und das Verbandszeug würde ich sicher auch zusammenkriegen. Einen Trinkrucksack habe ich zwar, aber da würde ich niemals den ganzen Kram reinkriegen. Schuhe könnte ich mir kaufen, kann man dann ja auch im Winter anziehen, aber ne Uhr? Oder dann mit der Streckenkarte durch die Gegend latschen?! Nääää!

Aber auf jedes Gegenargument, weshalb ich unmöglich starten könnte, wussten Susi und Dennis eine Antwort: Stöcke? Besorgen wir! Rucksack? Haben wir! Uhr? Bekommst die von Susi, wir haben neue zum Testen bekommen. Ich kam da also nicht mehr raus und fing einfach an, mich drauf zu freuen. Nur die Klamottenfrage, die bereitete mir Kopfzerbrechen. Wir sollten ja im Tal starten, aber in 3.000 Metern Höhe ankommen. WAS ZUR HÖLLE ZIEHT MAN DA AN? Lange Rede, kurzer Sinn: Ich hab einfach den halben Kleiderschrank eingepackt: Kurz/kurz, Lang/lang, kurzärmeliges Unterhemd, langärmeliges Unterhemd, warmes Langarmshirt, nicht ganz so warmes Langarmshirt, noch ne dünne Windjacke… (Die finale Entscheidung fiel übrigens ca. eine Stunde vor dem Start, als wir mit langen Hosen und Jacke zur Startnummernausgabe liefen und in der Juli-Morgensonne dezent zerflossen.)

Wie versprochen bekam ich Uhr (TomTom Adventurer), Rucksack (von Asics, vorne wie eine Weste zu verschließen, was übrigens mega praktisch ist) und Stöcke (von LEKI, ultraleicht und zusammenklappbar) geliehen. Meine Schuhe sind die adidas Terrex Agravic GTX W (danke nochmal für die Empfehlung, Willi; auf dem Gletscher waren die wirklich Gold wert!).

Der Lauf

Irgendwann war es dann jedenfalls soweit, tausend Taschen und Tüten waren gepackt und wir machten uns auf den Weg ins Stubaital. Dennis, der in der Nacht von Freitag auf Samstag (1 Uhr) starten sollte, war schon vorausgefahren, Susi, Andi und ich kamen nach und brachten ihn dann zum Start nach Innsbruck. Dort herrschte eine richtig coole Atmosphäre, irgendwie entspannt, aber man spürte auch die Aufregung der Läufer, die förmlich mit den Hufen scharrten, um endlich loslaufen zu dürfen. Mit AC/DC und “Highway to Hell” wurden sie dann endlich auf die Strecke geschickt und kaum passierte der letzte Läufer die Startlinie, wurde der Startbogen auch schon abgebaut und wir machten uns auf dem Heimweg. So ein bisschen Schlaf schadet ja auch nicht im Vorfeld eines Laufs.

Wir starteten dann Samstagfrüh 10 Uhr in Neustift, wo uns wirklich viele Bewohner auf die Strecke schickten. Dass es bereits nach rund 500 Metern steil bergauf ging, hast du vielleicht in unserer Instastory gesehen – das konnte ja heiter werden! War dann aber gar nicht so schlimm. Es gab bis etwa Kilometer 15/16 sehr viele ebene Streckenteile oder es ging sogar bergab. Letzteres fanden wir gar nicht so gut, schließlich bedeutete es, dass es zum Ende hin seeehr steil bergauf gehen musste, um die Höhenmeter zu erreichen. Und auch wenn es anstrengend war, fühlte es sich gar nicht so schlimm an. Die wunderschöne Landschaft lenkte und wirklich total gut ab und außerdem machten wir ja mehr als genug Fotopausen. Da ging dann auch der Puls mal wieder runter. Die zweite Möglichkeit, um sich zwischendurch mal ein wenig zu erholen, waren übrigens die Verpflegungspunkte. Das fetzt bei solchen Veranstaltungen ja so richtig. Erstens gibt´s richtig geiles Essen (WASSERMELONE! Brühe, Orangenschnitze, KUCHEN! Salzstangen, Nudeln…) und zweitens kann man es da auch mal so richtig genießen und ordentlich reinhauen. Wenn man eher gemütlich unterwegs ist, braucht man schließlich keine Angst vor Magenproblemen zu haben. Und das Startgeld muss ja auch irgendwie wieder reinkommen. Ganz zu schweigen vom drohenden Kaloriendefizit, was dringend zu vermeiden ist!

Und dann liefen wir geradewegs auf die Talstation der Gondel zum Gletscher zu. Der Schnee kam also näher und wir freuten uns riesig auf die letzten Kilometer und Höhenmeter. Vor allem, weil wir dort schon ein paar Ultratrail-Finisher trafen und die Medaille anschauen konnten. Also nix wie rauf auf den Berg! Aber erst einmal essen und trinken, ganz wichtig! Den Medical Check „bestanden“ wir übrigens anstandslos, da Susi und ich so fröhlich am Schnattern waren, kam nur ein „Euch geht´s offensichtlich gut!“ vom Arzt. Also ging´s weiter Richtung Dresdner Hütte, wo wir uns dann auch lange Kleidung anziehen mussten. Kam uns aber ganz gelegen, denn erstens regnete es mittlerweile und zweitens ist es so auf 2.000 Metern Höhe auch gar nicht mal so warm. Die Dresdner Hütte war unser letzter Verpflegungspunkt und wenn nicht die Medaille gelockt hätte, würden wir wahrscheinlich immernoch bei den lieben Leuten dort oben rumhängen und abwechselnd Melone und Gewürzgurken in uns reinstopfen.

Da es auf den letzten Kilometern doch langsam richtig anstrengend wurde, fingen Susi und ich eben an zu singen. Falls man das so nennen kann. Ein Wort sangen wir, dann mussten wir erst einmal so fünf bis zehn Atemzüge machen, ehe es weiterging. Auf jeden Fall verloren wir unsere gute Laune nicht. Die wurde übrigens auch immer wieder von Wanderern, die uns entgegenkamen, noch gesteigert. Viele blieben stehen, als sie uns sahen und applaudierten so lange, bis wir um die nächste Kurve geklettert waren. Da können sich die Zuschauer des München Marathons aber mal ne Scheibe abschneiden! Ab der Dresdner Hütte lief ich übrigens mit Stöcken und diese halfen mir wirklich sehr: Der Boden wurde immer felsiger und durch Regen und Schlamm auch glitschig, da waren so „Stützbeine“ sehr hilfreich).

Zwischendurch erfuhren wir übrigens von Dennis, dass es im Ziel tatsächlich Kaiserschmarrn geben würde. Grund genug, nochmal zu beschleunigen und dann, nach einer allerletzten, fiesen Steigung, liefen wir endlich auf das Ziel zu, wo wir direkt unsere Medaille bekamen und erst einmal – richtig – Fotos machten. Dann liefen wir laut kreischend (wenn man´s gesehen hat, war es sicher tausendmal lustiger – oder verstörender) ins Restaurant ein. Mussten dann allerdings umkehren (laut kreischend), um unsere Sachen und unser Finisher-Shirt zu holen und trabten dann erneut mit lautem Getöse Richtung Verpflegung, wo auch Andi bald ankam. Nach ein bis zwei Portionen Kaiserschmarrn kam dann die Sonne nochmal raus, wir machten noch mehr Fotos und dann ging´s in einer gut klimatisierten Gondel (war saukalt!) zurück ins Tal. Wir wollten schließlich noch so richtig steil gehen. Naja, sagen wir so: Der Geist war willig, das Fleisch irgendwann schwach. Während wir abends beim Essen vorsichtig schunkelten, riss eine 72jährige Omi, die auch den Bsic Trail lief, nahezu im Alleingang den Dorfplatz ab. In der Hinsicht müssen wir also noch ein wenig trainieren.

Tipps für deinen (ersten) Traillauf

Falls du jetzt Lust hast, auch einmal einen Traillauf zu machen (es muss ja nicht gleich auf einen Gletscher gehen), habe ich hier ein paar Tipps für dich, zusammengestellt von Iris und Lena, die auf dem Gebiet wirklich sehr erfahren sind. Beide sind mit Wandern und Bergsteigen groß geworden und auch immer „irgendwie“ gelaufen. Wohnortbedingt wurde bei Lena dann aus normalem Joggen Trailrunning, da es im Inntal immer bergauf und bergab geht, wenn man schöne, abwechslungsreiche Strecken möchte. Iris bekam das Trailfieber in einem Einsteiger-Camp und lerne dann Lena kennen. Sie lieben beide das Naturerlebnis, die frische Luft, die wunderschönen Berge und meistens sind auf den Trails weniger Menschen unterwegs als beispielsweise bei einem Stadtmarathon. 

Was du dir anschaffen solltest, ist ein Paar Trailschuhe mit gutem Profil. Da gibt´s mittlerweile richtig viele Hersteller. Meine Schuhe sind übrigens wasserdicht. Auf dem Gletscher und durch die ganzen Pfützen natürlich top. Wenn´s warm ist, verglühen leider die Füße. Da musst du einfach abwägen, wann und in welchen Regionen du eher laufen gehst. Oder du holst dir einfach zwei Paar Schuhe! Wichtig ist auerdem ein gut sitzender Laufrucksack, am besten mit Trinkblase, in den du Riegel, eine Jacke und ein Erste-Hilfe-Set einpacken kannst. Iris schwört ansonsten noch auf Fruchtquetsch und Salztabletten, Lena hat immer Kokospressriegel aus der Drogerie dabei. UND: Geld, damit man auf der Hütte mal eine Schorle oder einen Kuchen kaufen kann.

Gewinne einen Startplatz für den Frankfurt Ultra

Du hast jetzt so richtig Blut geleckt und willst unbedingt einen Trail laufen? Vielleicht sogar einen Ultratrail? Aber die Berge sind zu weit weg oder vorerst zu hoch? Gar kein Problem, Ende August (25.-27.08.17) gibt´s in Frankfurt und Umgebung eine coole Veranstaltung: Beim Frankfurt Ultra wird an drei Tagen gelaufen: Eine Mainrunde über zehn Kilometer am Freitag zum Warmwerden, 67 Kilometer rund um Frankfurt am Samstag (hier kann man als Staffel starten) und am Sonntag geht´s rauf auf den Feldberg. Du willst dabei sein? Wir verlosen zwei Startplätze! Kommentiere einfach hier, warum du unbedingt mal einen Trail laufen möchtest oder (falls du schon mehr Erfahrung hast), was dich daran so fasziniert. Bis zum 15.07.17 kannst du mitmachen, die Gewinner werden dann hier informiert! Viel Glück!


5 Gedanken zu “DEM HIMMEL SO NAH – DER STUBAI ULTRA TRAIL 2017

  1. Hallo, ich würde super gerne beim Frankfurt Ultra Trail starten einfach weil ich es liebe zu laufen und vor allem auf schönen Trails mit super Aussicht. Das gute beim Trailrunning ist doch, dass man auch ruhig mal die Umgebung genießen kann, da man nicht total auf die Zielzeit fixiert ist wie bei einem Straßenlauf. Da ist natürlich der Feldberg mit dem umliegenden Schwarzwald geradezu prädestiniert:)

    Grüße Steffen

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