SPEED SUNDAY MIT LAUFPROFI CHRISTINA HERING

Schneller wird man nur, wenn man sich auch quält. Isa hat vor kurzem erst in ihrem Artikel Tipps erklärt, die euch garantiert antreiben. In der Theorie hört sich das immer leicht und gut an, bloß in der Umsetzung haperts noch? Keine Angst, auch wir kennen das Problem. Umso besser und motivierender, als die Einladung von Keller Sports eintrudelte, ob wir beim „Just Do It Sunday Run“ mit Leichathletik Profi Christina Hering teilnehmen möchten. Leider hatte Isa keine Zeit und so verbrachte ich den Sonntag zusammen mit Keller Sports Pro Chrissy und vielen anderen Läufern vom Isar Run beim Intervalltraining.

Eine Speed Einheit stand auf dem Programm und eigentlich wollten wir dafür ins nah gelegene Schyrenstadion gehen, um dort fünf schnelle Runde à 333 Meter zu laufen. Eigentlich deshalb, weil das Stadion an diesem Tag geschlossen hatte. Außerdem machte uns das Wetter mit Regengüssen einen Strich durch die Rechnung und die Tartanbahn wäre wohl ziemlich rutschig gewesen. Deshalb liefen wir zum Warm Up in zwei Gruppen, die eine etwas langsamer mit einer Pace von etwa 6 Minuten pro Kilometer und die andere mit 5 /5:30 Minuten pro Kilometer. Chrissy und ich liefen die drei Kilometer Einlaufrunde bei der schnelleren Truppe mit und ich kam bei der Pace von 5 Minuten pro Kilometer schon etwas ins Schwitzen. Ein lockeres Aufwärmen wären bei mir eher 5:40 Minuten pro Kilometer gewesen, aber na ja, wir waren nicht zum Spaß dort. Da Christina Hering am Abend noch ihre allerletzte Trainingseinheit vor ihrem WM-Wettkampf am Donnerstagabend in London absolvieren musste, wartete sie auf die Laufgruppen am „Speed-Trainingsplatz“. Bevor es mit den schnellen Einheiten losging, zeigte sie uns einige Lauf ABC-Übungen, wie Anfersen, Kniehebellauf und Skippings. Solche Übungen sind nach einer Aufwärmrunde und vor schnellen Einheiten durchaus empfehlenswert. Als ich vor einem Jahr nach Laufcoach Annikas Plan trainierte, waren ebenfalls solche Einheiten in die Intervalltrainings integriert.

Danach ging es ans Eingemachte: Zehn Minuten lang haben wir in 50, 100 und 200 Meter Sprints alles gegeben. Nach dem 50 Meter Sprint, ging es locker zurück zum Startpunkt, dann waren die 100 dran. Waren die absolviert, trabten wir wieder locker an den Start und sprinteten 200 Meter den markierten Abschnitt entlang. Jeder Teilnehmer rannte in zehn Minuten so viele Sprints, wie er oder sie konnte. Dieses Pyramidentraining ist im Gegensatz zu normalen Intervalltrainings mit gleichen Streckenabschnitte abwechslungsreicher. Nicht nur für den Kopf, sondern auch für den Körper, denn es wechseln sich extensive mit intensiven Einheiten ab. Die längeren Abschnitte werden zügig und die kurzen extrem schnell gelaufen. Durch den treppenförmigen Anstieg und die anschließende Reduktion geht die Zeit schnell rum (ich finde schneller als beim normalen Intervalltraining). Besonders motivierend waren dabei Julia von Nike und Christina, die beide schreiend am Straßenrand standen und alle Läufer richtig antrieben. Nach zehn (endlos erscheinenden Minuten) liefen wir locker zum Keller Sports Store zurück und dehnten uns etwas. Leider habe ich die Sprints am nächsten Tag natürlich in den Beinen und sogar im Bauch gespürt, was aber für ein effektives Training spricht.

Und endlich kamen wir zu meinem persönlichen Highlight an diesem Tag: Die Gesprächsrunde mit Christina Hering. Da sie bei der Leichtathletik WM über die 800 Meter startet, waren alle besonders gespannt, was sie zum Thema Wettkampfrituale und Nervosität vor so einem großen Event sagt. Zu ihrer Frisur am Donnerstagabend konnte sie noch keine Aussage machen. Denn, während gerade viele Sportlerinnen immer dieselbe Friseur beim Wettkampf tragen, war sie sich noch unsicher. Normalerweise sei sie immer mit einer Flechtfrisur gestartet. Aber gerade bei dem Rennen, als sie die entscheidende Norm für die WM-Teilnahme knackte, hatte sie die Haare nicht geflochten. Es bleibt also spannend. Nervosität vor dem Wettkampf versucht sie immer sofort zu verdrängen beziehungsweise sich andere Gedanken zu machen. Da sie eher der Typ ist, der schnell extrem nervös wird, zwingt sie sich oft die Gedanken gar nicht aufkommen zu lassen. Ihr Wettkampf in London findet erst abends statt und ihre letzte Mahlzeit nimmt sie normalerweise vier bis fünf Stunden zuvor ein. Also wird sie versuchen an diesem Tag entspannt auszuschlafen, zu frühstücken, dann ein spätes Mittagessen (Nudeln mit Tomatensauce verträgt sie am besten) einnehmen und eventuell dann noch eine Kleinigkeit zu essen. Am wichtigsten ist, dass mehrere Stunden zwischen Essen und Rennen liegen.

Christina berichtet außerdem, dass sie es selbst gut findet, dass sie erst zwei Tage vor ihrem WM Start nach London fliegt. Vor Ort steigert sich die Nervosität enorm und das muss sie noch etwas unterdrücken. Nach der WM startet die Leichtathletin noch bei den internationalen Studentenmeisterschaften, sodass ihre Wettkampfsaison erst im September zu Ende geht. Dann macht sie drei Wochen rein gar nichts, oder genießt andere Sportarten. Neben dem Laufen spielt sie sehr gerne auch Tennis oder Volleyball. Wenn es das intensive Training zulässt, geht sie auch gerne Skifahren im Winter. Allerdings ist dann auch der Höhepunkt, was das Lauftraining angeht. Bis zu zehn Mal pro Woche, also oft zweimal am Tag trainiert sie. Logischerweise bleibt dann keine Zeit und Kraft für andere Sportarten. Neben Sprint-Trainings absolviert sie auch einmal pro Woche einen lockeren Dauerlauf. Der dauert etwa eine halbe Stunde und ist, wie sie selbst behauptet „nicht schnell“, also etwa fünf Minuten pro Kilometer. Da könnte ich sogar auch mithalten, also falls du mal eine Trainingspartnerin für deinen Dauerlauf suchst, Christina.

Glücklicherweise hat sie sich bisher während ihrer Laufkarriere noch nie ernsthaft verletzt. Für sie ist das A und O, wenn sich eine Verletzung ankündigt, sofort Pause zu machen. Weiter trainieren, mache oft nur alles schlimmer. Übrigens kennt auch sie als Profi den inneren Schweinehund, aber auch wie bei uns, ist ein klares Ziel vor Augen oft das Beste. Vielleicht läuft es mit diesen Worten auch beim nächsten Intervalltraining bei dem ein oder anderen von uns schneller.


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