BERLIN MARATHON INLINESKATING – SO ROLLT ES SICH 42,195 KM

Dieser Beitrag entstand in sportlicher Kooperation mit Rollerblade.

„Meine Füße tun jetzt schon weh“. Oh je, das geht schon wieder gut los. Zusammen mit Svenja und Marc stehen wir im Startbereich des Berlin Marathon Inlineskating und schauen gebannt auf die Leinwand. Dort geht gerade die Skate-Spitze an den Start. Der Pistolenschuss ertönt und zack! rennen die Skater im wahrsten Sinne des Wortes los. Habt ihr schonmal ein Eishockeyspiel gesehen? Der Sprint zum Puck erinnert an die ersten hundert Meter der Spitzenläufer. Die Rollen der Skates hacken sich förmlich rechts und links in den Boden und die ersten Gruppe formiert sich in einer langen Schlange. Öhm ja, so in etwa sah das bei uns auch aus…aber von Anfang an.

Unsere oder besser meine (=Laura) Aufregung stiegt den ganzen Samstagvormittag immer mehr an. Aber als Isa und ich am Brandenburger Tor mittags ankamen, legte sich das zum Glück langsam und die Vorfreude stieg. Vor allem, als wir gesehen hatten, dass die Skater auch ihre letzten Meter durchs Brandenburger Tor zurücklegen dürfen. Kurze Bedenken hatte ich dann noch, als ich den Straßenbelag vor dem Berliner Wahrzeichen gesehen habe. Aber ein kurzer Check mit den Inline-Skates von Rollerblade von Isa ergab, dass die flachen Pflastersteine kein Problem sein sollten. Vor der Kleiderabgabe hatten wir noch die Ehre direkt vor dem Brandenburger Tor Fotos zu machen. Normalerweise darf niemand in den abgesperrten Bereich hinein, aber die Presse-Verantwortliche des Berlin Marathon Inlineskating hatte uns zuvor kontaktiert und gefragt, ob wir Lust auf eine kurze Fotosession mit dem Presse-Fotograf haben. Dazu sagen wir natürlich nie nein. Und die Bilder können sich auch wirklich sehen lassen, oder 😉 ?

Fotos: Achim Kindler

Schon beim Anziehen der Inline-Skates kamen wir ordentlich ins Schwitzen. Rechter Schuh und Socken aus, auf einem Bein balancieren, rechter Skate-Socken und Inlineskate an, schnell festhalten, bevor man umkippt und das gleiche mit dem linken Fuß. Dann den ganzen Kram im Kleidersack verstauen, Trinkrucksack rausholen und zu guter Letzt Helm und Handgelenksschoner an. Obwohl wir daheim noch Knie- und Ellbogenschoner hatten, entschlossen wir uns vor Berlin nur für die Schoner um die Handgelenke. Aus unserer Sicht stützt man sich beim Fallen zuerst auf den Händen auf. Außerdem (ganz wichtiges Argument für mich „Empfindling“) habe ich in München fast nie mit Knieschonern trainiert und hatte daher Angst, dass diese mir Blasen oder offene Stellen reiben könnten.

Beim Laufen ist das Anziehen irgendwie einfacher und geht schneller haha… Und auch die letzten Meter zur Kleiderabgabe wurden zum Hindernisparcours. Bloß immer auf den Boden schauen und aufpassen, dass man über keine krasse Bodenwelle fährt oder schon vor dem Start stolpert und hinfällt. Von anderen Skatern, die sich noch schlechter koordinieren konnten, mal ganz abgesehen.

Und wie so oft musste ich auch vor dem Skate-Marathon auf die Toilette. Tja, gar nicht so einfach, wenn alles plötzlich unter einem rollt. Also entweder wie die erfahrenen Skater zum Dixie stakseln oder wieder die ganze Umzieh-Prozedur in Kauf nehmen. Ich entschied mich für die zweite Alternative, da wir noch viel Zeit hatten. Auf dem Weg zur Kleiderabgabe hatten wir gleich mit weiteren Herausforderungen zu kämpfen und es zeigte sich schnell, dass Skater ihr eigenes Völkchen sind. Im Gemenge kommt es schonmal vor, dass sich Skater zum Abbremsen an deinem Rücken festhalten oder sich am Trinkrucksack festkrallen. „Achtung, oh, tschuldigung“ und ich erlebte vor dem Start einige Aggro-Momente und dachte herrje, wenn das beim Fahren so weitergeht.

Auf der Fahr Richtung Startblock rollten wir uns etwas ein und ich konnte meine Inline-Skates nochmal nachjustieren. Anfangs habe ich sie wohl zu eng geschnürt, denn meine Füße schliefen ein. Also lockerte ich die Schnürsenkel und den Klettverschluss etwas, damit ich ausreichend Platz hatte. Auch hier gilt (wie beim Laufen) für mich: Lieber zu locker als zu eng, denn meine Füße schlafen gerne schnell ein. Angekommen im Startblock jammerten wir alle vor uns hin und wollten einfach auf die Strecke gehen. Wir starteten aus Startblock E, also im vorletzten Block. Dort war es angenehm leer und nicht vergleichbar mit dem Gedränge bei der Kleiderabgabe. Alles entspannt also!

Isa und mein Plan war so lang gemeinsam zu fahren, wie es für beide angenehm ist. Da sie die erfahrenere Skaterin ist und durch ihre größeren Rollen (sie trug die Macroblade 100 W) schneller vorankam, war absehbar, dass wir nicht lang zusammen fahren würden. Immerhin blieben wir für gemeinsame Fotos am „Fan-Eck Mira und Stefan“ zusammen und genossen die ersten Kilometer durch Berlin.

Es fühlte sich wahnsinnig cool an, rollend auf der Marathonstrecke durch Berlin zu fahren. Eine weitere Besonderheit für uns war, dass wir endlich ungestört (ohne Ampeln, Fußgänger, Radfahrer, Kopfsteinpflaster, schwierige Übergänge…) auf den Skates rollen konnten. Keinerlei Unterbrechungen und 42,195 km ganz für uns Skater! Auf Grund der Handgelenkschoner konnten wir keine Uhren zum Skaten anziehen und rollten einfach nach Gefühl durch die Straßen. Anfangs ein sehr seltsames Gefühl, da man beim Laufen meist ständig auf die Uhr schaut und oft gar nicht mehr ohne kann. Zu Beginn wurden wir (später dann nur noch ich) die ganze Zeit überholt. Irgendwann hatte ich Angst, dass ich ultra langsam bin und es nicht rechtzeitig ins Ziel schaffe. Kompletter Blödsinn natürlich, denn dank Sebastians Techniktraining im Sommer wusste ich genau, wie ich kraftsparend und trotzdem flott vorankomme. Das hat in meinen Inline-Skates von Rollerblade (ich hatte die Macroblade 84 ABT W an) auch super funktioniert, aber leider waren viele andere trotzdem schneller als ich. Egal, dachte ich mir, Hauptsache ankommen.

Die ersten zehn Kilometer verflogen super schnell. Im Gegensatz zum „normalen“ Marathon wird beim Berlin Marathon Inlineskating nicht jeder Kilometer am Straßenrand gezeigt, sondern anfangs nur alle fünf, ab Kilometer 30 schließlich jeder einzelne. Während der ersten fünf Kilometer verlief bei mir noch alles schmerzfrei, leider machte sich dann mein Rücken bemerkbar. Schon während des Trainings hatte ich meistens Probleme bei längeren Skate-Einheiten. Durch die leicht nach vorne geneigte Haltung beim Skaten (fährt man kerzengerade, kippt man schnell nach hinten um) wird der untere Rücken stärker belastet. Vielleicht kennt es jemand vom Schlittschuhlaufen oder Skilanglaufen im Winter. Zusätzlich dazu verspannen sich meine Schultern ganz gerne und durch den Trinkrucksack wurde alles nur noch schlimmer. Aber gut, das half in dieser Situation alles nix, da musste ich jetzt durch. Also sagte ich mir immer wieder, dass ich mich einfach auf die Strecke und Stimmung am Straßenrand und die vorbeifliegenden Kilometer konzentrieren sollte. Das hat zum Glück auch super geklappt.

Zwischen Kilometer 25 und 30 sauste eine nette Followerin von uns vorbei und wir quatschen ein bisschen. Während des Skatens allerdings nicht so einfach, da man wegen der Skates mehr Abstand halten muss, um sich nicht gegenseitig in die Quere zu kommen. Dies war allerdings in dem Bereich, wo ich skatete, nie ein Problem, oftmals hatte ich 50-100 Meter vor und hinter mir niemanden. Bei Stürzen, Schienen oder Kurven machen die Skater mit Armzeichen auf die jeweilige Situation aufmerksam. Das hat super geklappt, denn ich habe immer 100 Meter vorher gesehen, auf was man gleich Acht geben muss. Gewöhnungsbedürftig waren die Gummi-Zeit-Matten bei Kilometer 21 und im Ziel, über die man als Skater natürlicher drüber fahren muss, um eine Zeitmessung zu erhalten. Ich kleiner Schisshase habe natürlich davor abgebremst und mich ordentlich nach Vorne gebeugt, um nicht hinzufallen. Das hat zum Glück super geklappt und nach 2:07 Stunden rollte ich stolz durchs Ziel. Auf den letzten Kilometern habe ich trotz echt fieser Rückenschmerzen ordentlich Gas gegeben, weil sich der Himmel über Berlin zugezogen hat. Und da mein zweiter Angstfaktor (neben Stürzen) Regen während des Marathons war, wollte ich unbedingt vor dem ersten Tropfen durchs Ziel. Auch das habe ich geschafft. Exakt fünf Minuten danach hat es wie aus Eimer angefangen zu regnen. Isa und ich wollten unbedingt noch ein gemeinsames Finisherfoto machen. Leider hat das in voller Skate-Montur nicht mehr geklappt, aber immerhin mit Medaille.

Ein kurzes Statement möchte ich (Isabell) an dieser Stelle auch noch abgeben: Wie du ja sicherlich weißt, hatte ich mir das „Double“ für das Wochenende vorgenommen. Dementsprechend schlugen zwei Herzen in meiner Brust. Beziehungsweise saßen sich Engelchen und Teufelchen auf meinen Schultern gegenüber. Eins sagte fortwährend „Mach nicht zu wild, du musst morgen wieder ran!“ und das andere flüsterte „Je schneller du bist, desto mehr Zeit zum Regenerieren bleibt!“ Daher war es gut, dass ich keine Uhr hatte und wie Laura nach Gefühl fuhr. Sonst hätte ich doch nur versucht, die Zeit zu drücken.

Stattdessen genoss ich die Stimmung (ich fand es unglaublich, wie viele Menschen schon am Straßenrand standen) und prägte mir die Strecke ein. Auch für mich war das Rollen durch das Brandenburger Tor das absolute Highlight und die Medaille nahm ich genauso stolz wie nach einem Lauf entgegen. Denn auch wenn es sich körperlich für mich nicht nach Marathon anfühlte (keine Schmerzen!), hatte ich schließlich gerade 42,195 Kilometer zurückgelegt. Am Ende standen 1:54:02 Stunden auf der Uhr. Für den ersten Marathon doch ganz okay, oder?!

Danke an dieser Stelle an Hansmann PR und Rollerblade, ohne die wir wohl niemals den Berlin Marathon Inlineskate gefahren wären. Es war eine tolle Erfahrung und die 42,195 km sind auf den Rollen wir im Flug vergangen. Isas (zum Glück) und meinen Beinen ging es am Tag danach super und auch die Fußschmerzen vom Anfang waren verflogen.


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