DER FRÜHE VOGEL KANN AUCH MICH (MANCH)MAL: MEIN LEBEN ALS „EARLYBIRD“

„Respekt, was ihr zur Zeit für Zeiten und Umfänge raushaut.“ Ja, solche und ähnliche („ICH könnte das nicht!“) Nachrichten  bekommen wir derzeit wieder häufiger. Klar, im Sommer kann sich doch noch eher der ein oder andere zum Laufen in der Früh aufraffen und umso faszinierender scheint es, dass wir schon vor der Arbeit unsere Kilometer abspulen. Ich sag´s ganz ehrlich: Ich freu mich über solche Nachrichten. Denn wäre es mir egal, würde ich ja keine Story machen, wenn ich losgehe und später die Meldung, dass ich fertig bin, noch abschicken. Und ein kleines Bisschen tragen solche Nachrichten auch dazu bei, dass ich mich morgens zu mittlerweile wirklich unchristlichen Zeiten (zwischen 4:45 und 5:30 Uhr) aus dem Bett quäle.

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Es gibt verschiedene Faktoren, die mich zum Aufstehen bewegen. Einer ist mein Trainingsplan für Hamburg, denn der muss befolgt werden. Und das antworte ich dann auch in der Regel auf solche Nachrichten: Ich habe keine andere Wahl. Wenn ich morgens mal wirklich keine Lust habe (kommt oft genug vor, ganz ehrlich; draußen ist es dunkel, kalt, oft auch nass), dann hilft es ungemein, dass mir nichts anderes übrig bleibt. Eine Einheit, die ich morgens nicht mache, müsste ich dann entweder abends nachholen oder am nächsten Tag. Bei vier Laufeinheiten und nur sieben Tagen pro Woche ist das aber gar nicht so einfach. Der Körper soll sich zwischendurch schließlich auch von all der Lauferei mal erholen. Abends laufen ist für mich mittlerweile auch keine Option mehr (zumindest nicht, wenn ich nach Plan trainiere; eine lockere Joggingrunde geht schon klar). Denn egal, wie gerne ich laufe, sobald da ein Trainingsplan ist, bin ich immer etwas „unter Druck“, das Ding durchzuziehen. Und dann will ich es auch einfach so schnell (bzw. früh) wie möglich hinter mich bringen. Wenn ich den ganzen Tag im Hinterkopf habe, dass ich abends noch Fahrtspiel machen oder 14 Kilometer runterreißen muss, denke ich an fast nichts anderes mehr. Kommt jetzt auch nicht so gut im Büro, wenn man dann unkonzentriert ist. Außerdem wird es im Büro abends auch gerne mal etwas später (den ganzen Tag gehen die Kunden nicht ans Telefon und ab 15:30 Uhr werden sie plötzlich wach und haben Fragen oder wollen was kaufen!). Da bin ich dann halt auch einfach nicht mehr sonderlich leistungsfähig. Jetzt bin ich selbst zwar auch eher Typ Faultier oder Koala (also ich springe sicher nicht immer wie ein Flummi aus dem Bett), aber morgens kann ich mich echt leichter aufraffen. Und mit dem Gedanken, schon vor der Arbeit meinen Lauf hinter mir zu haben, geht´s auch wirklich leichter.

Weil (wirklich!) oft die Frage kommt, wie wir das nur schaffen und auch immer wieder Gegenargumente angebracht werden, warum man auf gar keinen Fall auch so früh laufen könne, bespreche ich nachfolgend einmal die am häufigsten genannten Fragen und „Ausreden“. Denn grundsätzlich kann (meiner Meinung nach) jeder als „Earlybird“ durch die Gegend flattern. Man muss es nur a) wirklich wollen (du weißt sicherlich, dass man dann ALLES schaffen kann, oder?!) und b) einen kooperierenden Kreislauf haben (wenn dir IMMER schlecht wird, ist es möglicherweise wirklich nichts für dich).

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„ICH KANN NICHT VOR 6 UHR AUFSTEHEN!“

Man kann das frühe Aufstehen trainieren und dementsprechend auch das Laufen zu nachtschlafener Zeit. Ich hab natürlich nicht direkt so angefangen, dass ich 4:45 Uhr aufgestanden bin und 15 Kilometer abgespult habe. Sondern ich habe im Sommer vor vier Jahren (in der Vorbereitung auf meinen ersten Marathon) festgestellt, dass es mir abends einfach zu heiß zum Laufen ist und / oder ich auch gerne noch was Freunden unternehmen wollte. Also klingelte der Wecker mal eine halbe Stunde früher als gewöhnlich und ich bin zunächst eine kleine Runde vor der Arbeit gelaufen. Das habe ich dann nach und nach gesteigert. Und zwar nicht nur die Distanz, sondern dann eben auch die Zeit „zurückgedreht“, zu der der Wecker klingeln sollte. (Wenn 18 Kilometer im Plan stehen und du nicht erst 10 Uhr im Büro aufschlagen willst bzw. kannst, dann musst du eben früher aufstehen.)

„ICH KANN MICH NICHT MOTIVIEREN!“

Ja gut, dann ist das Thema „Earlybird“ vielleicht generell nichts für dich. Wenn du aber nur ein paar „Startschwierigkeiten“ hast, dann helfen dir vielleicht Verabredungen. Denn ganz ehrlich: Wer ist so gemein und lässt den Laufpartner früh aufstehen, um ihm dann noch abzusagen? Da schwingt man sich doch lieber selbst aus den Federn und zieht das Ding gemeinsam durch. Und ja, ich bin sehr froh, dass ich mittlerweile einen „Pool“ an „Earlybird“-Gefährten (aka „Early Unicorns“) habe, die mit mir laufen gehen. Es ist aber auch nicht schlimm, wenn ich alleine laufen muss. Selbst die doch sehr  anstrengenden Fahrtspiele oder die 14-18 Kilometer, die ich jetzt unter der Woche laufen soll, gehen mittlerweile auch gut alleine. Musik auf´s Ohr und los geht´s! Im Wettkampf muss ich ja auch alleine laufen. Warum also nicht schon im Training üben, auf mich allein gestellt zu sein?

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„WIE MACHST DU DAS MIT DEM ESSEN?“

Ich habe glücklicherweise kein Problem damit, nüchtern zu laufen. Aufstehen, Wasser trinken und dann kann es eigentlich schon los gehen. Auch das solltest du aber langsam und vorsichtig trainieren. Starte zunächst mal mit fünf Kilometern und dann kannst du die Distanz ausweiten. Ich selbst esse bis zu einer Distanz von 20 Kilometern (ausgenommen Wettkampf) morgens nichts und ich komme gut damit klar. Damit du nicht komplett auf leerem Magen laufen musst, kannst du es ja auch damit versuchen, abends ordentlich zu essen. Vor Tempo- oder längeren Morgenläufen tanke ich abends Energie mit einer schönen Portion Nudeln. Die machen dann auch nicht fett. Auch das Gegenteil vom Essen (sprich: Kacken – ich hoffe, du kippst grad nicht ohnmächtig vom Stuhl!) solltest du trainieren. Ich glaub, es gibt nichts Schlimmeres, als während des Laufens Bauchschmerzen zu bekommen. Deshalb auch hier den Körper nach und nach daran gewöhnen, dass er schon sehr zeitig kacken können muss. Und bis dahin solche Strecken laufen, wo du notfalls auf Toilette gehen kannst. Um Toilettenpausen zu vermeiden, empfehle ich den Verzicht auf ballaststoffreiche Lebensmittel am Abend zuvor. Salat oder rohes Gemüse, aber auch Hülsenfrüchte beschäftigen den Magen-Darm-Trakt ziemlich lange, sodass die Verdauung morgens möglicherweise noch nicht abgeschlossen ist.

THEMA SICHERHEIT

Wichtig: Pass bitte auf dich auf! Such dir beleuchtete Wege und Straßen, schaff dir eine Stirnlampe an und mach dich mit Reflektoren sichtbar. Und nimm dein Handy mit! Falls du Angst im Dunkeln hast und es niemanden gibt, der gemeinsam mit dir laufen könnte, dann lass es lieber sein. Laufen soll ja auch entspannen und mit der Angst im Nacken klappt das garantiert nicht. Ich selbst habe das Glück, dass ich mich in München und speziell im Olympiapark sehr sicher fühle.

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„DANN MÜSSTE ICH JA NOCH FRÜHER AUFSTEHEN!“

Okay, wenn du Krankenschwester im Schichtdienst bist oder bei BMW (oder wo auch immer) am Band stehst und dein Arbeitstag 6 Uhr beginnt, dann bin ich ganz bei dir.  Oder wenn du als Lehrerin schon 7:30 Uhr in der Schule sein musst. Oder als Arzt frühmorgens gleich eine komplizierte Gehirn- oder Wirbelsäulen-OP auf der Agenda stehen hast. Noch früher aufstehen wäre dann irgendwann kurz nach Mitternacht. Alle anderen, die einen ganz normalen Bürojob haben und nicht täglich zwei Stunden pendeln, könnten es durchaus schaffen. Wenn sie, wie gesagt, wollen. Ich hab den Vorteil, dass wir im Büro Gleitzeit haben und meine Vorgesetzten auch wissen, dass ich meinen Kram schon mache. Da ich selbst nicht bis abends 19 Uhr im Büro hocken will, steh ich dann morgens halt lieber noch ne halbe Stunde früher auf.

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„ICH BRAUCHE MEINEN SCHLAF!“

Tja. Was willst du hören? Dann musst du halt abends früher ins Bett gehen! Ich kann nur aus Erfahrung sprechen, dass sich der Körper auch daran gewöhnt und man irgendwann nicht mehr 21:30 Uhr ins Bett gehen muss, sondern mit weniger Schlaf auskommt. [Edit: Wenn ich 21:30 Uhr schon müde bin, gehe ich natürlich ins Bett. Der Körper holt sich schon, was er braucht. Aber in der Regel halte ich schon bis 22:30 / 23 Uhr durch.] Mittlerweile fühlt es sich für mich wie Ausschlafen an, wenn ich mal erst 7 Uhr aufstehen muss. Deshalb laufe ich auch gerne am Wochenende so früh wie möglich. Wach bin ich eh und was gemacht ist, ist gemacht. Wenn ich dann mit Susi und / oder Mira (Laura gehört am Wochenende eher zum Team Langschläfer) eine Zeit ausmache für einen Longrun, schlägt eine in der Regel 8 Uhr vor und fragt, ob das für alle ok ist. Da ist es nicht sooo unwahrscheinlich, dass eine sagt „Wegen mir können wir auch 7 Uhr schon los!“ Machen wir dann auch manchmal. Und es gibt für mich nichts Geileres, als den Longrun schon vormittags abgehakt zu haben und beruhigt ein Mittagsschläfchen machen zu können.

Du siehst, dieses „Earlybird“-Gedöns ist kein Hexenwerk. Man kann sich da ganz langsam rantasten. Man muss es aber nicht. Das Wichtigste ist doch, dass wir überhaupt laufen! Einen weiteren Beitrag zum Thema („Earlybird“-)Motivation kannst du übrigens hier nachlesen.

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11 Gedanken zu “DER FRÜHE VOGEL KANN AUCH MICH (MANCH)MAL: MEIN LEBEN ALS „EARLYBIRD“

  1. Toller Beitrag und witzige Anekdoten dazu, ich bin nicht vom Stuhl gefallen 😂. Vielen Fank dafür 🙂

  2. Bei mir kommt mit entsprechendem Ziel auch die nötige Motivation, mich aus dem Bett zu wühlen. Ich bin zwar eher Team Early Bird, aber oft genug ist es dennoch eine Qual. Aber ich trainiere auch lieber morgens in Ruhe, als abends im Stress oder erschöpft,…

  3. Sehr schöner Beitrag!
    Also ich habe mit Sport am Morgen ja echt keine Probleme, so gehe ich Earlybird-Schwimmen und mache auch Earlybird-Krafttraining aber laufen mag ich dann doch lieber erst nach der Arbeit, da hat man wenigstens was, worauf man sich tagsüber freuen kann 😀
    Aber die Geschmäcker sind ja bekanntlich verschieden 😉
    LG

  4. Suuuper Beitrag. Amüsant und wissentlich zugleich 😂 och bin eigentlich auch Team Early Bird und das tut mir ziemlich gut. Nur hab ich im Moment das Problem mit der Sicherheit allein im Dunkeln in der früh. Meine laufstrecke liegt etwas abseitsgelegen von der Stadt und früh ist da auch nie was los. Deswegen hoffe ich das es bald wieder eher heller wird famit ich auch wieder ein Early Bird sein kann 😊

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