OHNE HANDY KEINE COMPETITION? – VERHALTEN IM WETTKAMPF

Die sogenannte „Off-Season“ ist vorbei und auch wir tauchen langsam wieder ins Wettkampfgeschehen ein. Vielleicht nimmst du in diesem Jahr an deinem allerersten offiziellen Lauf teil? Bist total aufgeregt? Fragst dich, wie groß wohl das Gedränge auf der Strecke ist und ob du deine Zielzeit schaffst? Machst dir Sorgen, ob das Trinken unterwegs klappt oder hast eventuell sogar Angst, einen Verpflegungspunkt zu verpassen? Willst nicht der / die Letzte sein und hoffst, dass dich nicht ALLE überholen? Solche Gedanken hatten wir auch vor unseren Wettkämpfen. Und haben sie teilweise immer noch. Damit du gut gerüstet bist, haben wir einmal ein paar „Verhaltensregeln“ für Wettkämpfe zusammengetragen. In unseren Träumen halten sich übrigens nicht nur Wettkampfneulinge daran, sondern alle Starter! (Einige dieser „Regeln“ hätte uns übrigens auch mal jemand vor dem ersten Wettkampf erklären sollen!)

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Das richtige Einordnen im Startblock

Bei jedem größeren Lauf werden die Teilnehmer je nach Zielzeit in entsprechende Startblöcke unterteilt. Häufig wird dies auch auf der Startnummer vermerkt und entsprechend am Eingang zum Startblock kontrolliert. Du möchtest den Halbmarathon gerne in 1:59:59h schaffen? Dann ordne dich bitte auch entsprechend ein. Klar, wenn du im Startblock für die angepeilte Zielzeit zwischen 1:30 und 1:45h stehst, kannst du früher loslaufen. Tendenziell behinderst du dann aber die schnelleren Läufer und glaub mir, es gibt wenig frustrierenderes, als gleich von Beginn an Schlangenlinien um langsamere Läufer zu rennen. Und dauernd überholt zu werden ist auch nicht so angenehm wie selbst zu überholen.

Tipp 1: Wenn es dein allererster Wettkampf ist und du dich gar nicht einschätzen kannst: Starte lieber etwas weiter hinten und dementsprechend langsamer. Rennst du zu schnell los, riskierst du einen Einbruch in der zweiten Hälfte des Rennens. Bei den meisten Rennen wird sowieso die Nettozeit gemessen (also die Zeitnahme startet, wenn du über die Startlinie rennst und endet, wenn du über die Ziellinie läufst), du verlierst also keine Zeit, wenn du länger auf deinen Start warten musst. (Ausnahme ist der Wings for Life World Run, aber das ist eine andere Geschichte.)

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Überholen anderer Läufer

Du merkst, dass du deutlich schneller als die Läufer vor dir bist und möchtest überholen? Nur zu! Aber schau dich vorher bitte kurz nach hinten um, ob du dann nicht jemandem vor die Füße läufst. Den Schulterblick kennst du ja bestimmt vom Autofahren – der macht sich auch bei Wettkämpfen bezahlt. Zusätzlich solltest du ein Handzeichen (je nachdem, in welche Richtung du läufst), geben. Das hilft auch, wenn du zwischen zwei Läufern durchlaufen möchtest. Somit senkst du das Risiko, dass jemand von hinten in dich hinein läuft oder du jemanden anrempelst, erheblich.

Tipp 2: Ein „Danke“ nach erfolgreichem Überholvorgang hat noch keinem geschadet. Auch eine Entschuldigung, falls man jemanden versehentlich anrempelt, sollte drin sein. Absichtliches Drängeln, Schubsen oder Rempeln geht natürlich überhaupt nicht!

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Laufen in der Gruppe

Puuuh, das ist ja so eine Sache. Klar, man möchte sich gegenseitig pushen und motivieren. Und vielleicht auch ein bisschen quatschen. Das ist natürlich absolut in Ordnung. ABER: Bitte die anderen Läufer nicht behindern. Heißt im Klartext: Rennt die komplette Gruppe in einer Reihe über die komplette Bahn verteilt, ist das ziemlich uncool. Noch schlimmer ist es, wenn die Gruppe nicht einmal läuft, sondern „nur“ gemütlich walkt. Das soll die Leistung der Walker nicht schmälern, aber bitte, bitte, bitte: Macht in einem solchen Fall einfach Platz! (Hättet ihr euch im richtigen Startblock aufgestellt, müsstet ihr jetzt übrigens nicht ständig Platz machen.) Achtet auf die anderen Läufer und lasst sie auch überholen, wenn sie schneller sind.

Tipp 3: Wenn ihr merkt, dass jemand durch die Lücke zwischen euch rennen möchte, seid so fair und macht die Lücke nicht noch enger. Hat im schlimmsten Fall nur unschöne Kollisionen zur Folge.

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Du bist völlig außer Puste und musst kurz stehenbleiben oder gehen

Das ist überhaupt keine Schande und kann wirklich JEDEM mal passieren. Worauf du aber bitte achten solltest: Bleib nicht völlig abrupt und mitten im Weg stehen. Läufer, die sich hinter dir aufhalten, könnten es zu spät bemerken und in dich hineinrennen. Unangenehm für beide. Schau dich also idealerweise kurz um und wechsle auf die rechte Seite (du kennst sicher den Rolltreppen-Spruch „Rechts stehen, links gehen“ – falls nicht, in München sind wir das sehr streng, merke es dir lieber für deinen nächsten Besuch!). Dasselbe machst du, wenn du gehen musst: Auf die rechte Seite wechseln und gehen. Läufst du gaaaaanz links und niemand ist hinter dir, kannst du natürlich auch links bleiben. Da stört der Seitenwechsel am Ende wahrscheinlich mehr, als wenn du drüben bleibst.

Deine Nase läuft ununterbrochen

Unter Belastung kann es schon mal passieren, dass der Schnodder fließt und fließt. Und was raus muss, darf natürlich auch raus. Falls du es leid bist, immer wieder ein Taschentuch hervorzukramen (was dann irgendwann total schwitzig und natürlich verrotzt ist), dann kannst du natürlich auch den Rotz so aus der Nase befördern: Ein Nasenloch zuhalten und dann volles Rohr raus“pusten“. Da niemand die Rotze einer anderen Person irgendwo hängen haben, bitte auch hier vorher umschauen und sicherstellen, dass du niemanden triffst. (Ja, das Gerotze finden sicher viele eklig, aber das Geraffel mit Taschentuch ist einfach mega umständlich.)

Tipp 4: Idealerweise testest du das Ganze nicht erst im Wettkampf, sondern hast es im Training geübt. Klappt nämlich nicht unbedingt auf Anhieb, dass der Schnodder schön in nur eine Richtung wegfliegt. Manchmal hängt auch einfach nur ein langer Schleimfaden aus der Nase. (Ok, ich hör´ ja schon auf!)

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Verpflegungsstand voraus

Zuallererst: Nutze die Verpflegungsstationen und trink wenigstens einen kleinen Schluck Wasser. Wenn es sehr heiß ist, kannst du dir auch noch einen Becher Wasser über den Kopf und/oder die Hände/Arme schütten. Pass nur auf, dass es wirklich Wasser und nicht etwa gezuckerter Tee oder Iso ist. Was du aber bitte beachtest: Bleib auch hier nicht einfach stehen, sondern versuche, am Verpflegungsstand so weit wie möglich nach vorne zu laufen. Oft bilden sich lange Schlangen, weil ALLE nach dem allerersten Becher greifen wollen. In Laufrichtung weiter vorne herrscht dann oft gähnende Leere. Sobald du deinen Becher hast, läufst (oder gehst) du am besten weiter, um nachkommenden Läufern nicht den Weg zu versperren. Klar, es gibt auch Veranstaltungen, bei denen man mal in Ruhe stehenbleiben, essen und mit den Helfern plaudern kann. Das hat man aber eher bei kleinen Veranstaltungen als beim großen Stadtmarathon. So zumindest unsere Erfahrung. Beim Rennsteiglauf im vergangenen Jahr bin ich mit meinem Papa auch stehengeblieben, um in Ruhe zu trinken. Oder in Stubai. Aber da hätten wir auch a) jede Menge Leckereien verpasst und b) waren da ja kaum Leute unterwegs, sodass wir niemanden gestört haben.

Wenn du getrunken und ggf. auch gegessen hast, wirf deinen Müll doch bitte in die vorgesehenen Behälter. Klar, es ist bequemer, einfach alles fallenzulassen, aber erstens haben die Helfer dann noch mehr Arbeit mit UNSEREM Hobby und zweitens ist es für die nachkommenden Läufer auch eher so mittel-cool, über Berge von Müll zu traben. Wer einmal fast auf der Straße festgeklebt ist, weil die Gel-Tütchen haufenweise dort rumlagen, weiß, wovon ich rede.

Tipp 5: Wenn du noch nie während des Laufens aus einem Becher getrunken hast, bleib lieber stehen. Lieber drei Sekunden verlieren, als alles über dich zu kippen und dich womöglich am Wasserschwall zu verschlucken. Kostet dann in der Regel mehr Zeit, sich dann vom Hustenanfall zu erholen.

Tipp 6: In der Regel wird schon in der Ausschreibung darauf hingewiesen, an welcher Stelle die Verpflegungsstände sind und was dort ausgegeben wird. Damit du nicht permanent panisch um dich schauen musst, wann es wieder was gibt, kannst du dir diese Punkte auf den Arm schreiben. Oder dir auch einfach merken. Falls du beispielsweise Gels zu dir nimmst, ist es natürlich sinnvoll, dies kurz vor einem Wasserstand zu tun.

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Handys weg!

OK, es ist dein erster Wettkampf und du möchtest so viel wie möglich davon mitnehmen. Und deshalb filmst du die ganze Zeit. Was denkst du, wie oft du hinterher den Kram nochmal anschaust? Wahrscheinlich ist alles verwackelt und du kannst überhaupt nichts damit anfangen. Ach so, du machst nur ein paar Instastorys für deine Follower? Klaro, nur zu. Kann ich absolut verstehen. Aber auch hier gilt: Schau, dass du niemanden behinderst. Und schau auch immer mal wieder nach vorne, damit du niemandem in die Hacken trittst. Leute, die permanent im Weg rumstehen, nerven einfach nur. Es ist immer noch ein Wettkampf. Da kann man auch mal aufs Handy verzichten. Wäre ja auch blöd, wenn man es wegen eines Remplers fallen lässt, oder?!

Ohne Musik kannst du nicht laufen?

OK, so geht es vielen. Musik wirkt motivierend und hilft einem auch über das ein oder andere Tief hinweg. Wir sind beide lange Zeit auch im Wettkampf mit Musik gelaufen und haben uns das erst nach und nach abgewöhnt. Man bekommt so nämlich viel mehr vom Rennen mit. Die Zuschauer, die an der Strecke stehen und einem zujubeln zum Beispiel. Aber auch Leute, die einen überholen wollen, hört man so viel besser. Mal davon abgesehen, dass es bei vielen Läufen offiziell verboten ist, mit Musik zu laufen (kann mit Disqualifikation bestraft werden!), ist es auch einfach nicht ungefährlich. Wenn du die Musik so richtig laut im Ohr hast, bekommst du unter Umständen nichts um dich herum mit. Beim Tegernseelauf im vergangenen Jahr hatte ich so ein Schlüsselerlebnis: Ein Krankenwagen kam von hinten und alle, wirklich ALLE Läufer rannten auf die rechte Seite, um Platz zu machen. Alle, bis auf einen. Dieser Läufer hatte die wahrscheinlich dicksten Kopfhörer auf und wahrscheinlich die lauteste Musik auf den Ohren, sodass er nichts davon mitbekam. Ein anderer Läufer rannte dann zu ihm rüber und zog ihn auf die rechte Seite. Blöd, wenn der Krankenwagen zu einem Notfall muss und somit unnötig aufgehalten wird. Auch blöd, wenn man im Musikrausch die Spur nicht hält und am Ende noch vor den Krankenwagen rennt.

Tipp 7: Wenn´s gar nicht anders geht, dann mach die Musik bitte leiser oder steck dir nur einen Stöpsel ins Ohr. Dann hast du noch ein Ohr für die Außenwelt frei.

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Das Wichtigste zum Schluss

Hab einfach Spaß am Wettkampf. Klar, auf dem Weg zur neuen Bestzeit hat man nicht immer Spaß. Aber unter Freizeitläufern sollte man den Spaß dennoch nicht vergessen. Auch wenn wir um jede Sekunde oder jede Platzierung fighten, sollten wir uns dennoch fair und rücksichtsvoll den anderen Läufern gegenüber verhalten.


10 Gedanken zu “OHNE HANDY KEINE COMPETITION? – VERHALTEN IM WETTKAMPF

  1. Was für ein wunderbarer Beitrag – die Tipps sind wirklich klasse! Ich brauche beim Laufen schon Musik, trage aber eigentlich immer nur einen Kopfhörer in einem Ohr – so kriege ich die Stimmung noch mit und habe trotzdem irgendwie den passenden Rhythmus im Ohr 🙂 Das mit dem Krankenwagen ist aber echt krass – so jemanden müsste man eigentlich schon disqualifizieren… 😦

    Liebe Grüsse
    Ariana

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  2. Heißt der Rolltreppenspruch nicht „Links gehen – Rechts stehen“? 🤔 Ich geh eigtl immer links die Rolltreppe hoch und quetsche mich an den rechten Rand, falls ich in Ausnahmefällen doch mal nicht gehen mag 😅

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  3. Hey! Danke für den tollen Artikel und vieles wird bereits umgesetzt! 🙂 Ich laufe übrigens auch nicht mehr mit Musik bei einem Wettkampf. Man bekommt wirklich kaum was mit. Ich fühl mich definitiv besser ohne und kann die Atmosphäre mehr genießen. LG aus HH, Bianca

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  4. Hey, super Artikel. Wird das überhaupt kontrolliert und führt wirklich zur Disqualifikation, wenn man mit Musik läuft? Mehr als ein „bitte ohne Kopfhörer laufen, das ist nicht erlaubt“ habe ich auf Wettkämpfen noch nicht erlebt. Und 5 Minuten später waren die Dinger wieder drin.
    Ich laufe Wettkämpfe grundsätzlich ohne Musik, allein schon der Stimmung wegen. Auch im Training laufe ich schon länger nicht mehr mit Musik. Ich muss mich nicht immer und überall abschotten und je nachdem wo ich gerade laufe, finde ich es auch einfach nur schön, die Umgebung ganz bewusst wahrzunehmen und die Geräusche zu hören.

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