DEN RENNSTEIG(LAUF) GIBT´S JA NUR EINMAL…

„Diesen Weg auf den Höhn bin ich oft gegangen, Vöglein sangen Lieder.
Bin ich weit in der Welt habe ich Verlangen, Thüringer Wald nur nach dir.“

(Herbert Roth, 1951)

Tja, was soll ich sagen: Er hat verdammt nochmal Recht! Seit acht Jahren lebe ich nun schon in München, aber Heimat ist Heimat und der Rennsteiglauf ist eben der Rennsteiglauf. Mit dem schönsten Ziel der Welt in Schmiedefeld. Punkt. Mehr gibt´s dazu zwar nicht zu sagen, aber das wäre dann doch ein sehr kurzer Blogpost.

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Eigentlich war dieses Jahr ein Family-Run mit meinem Papa und meiner Schwester geplant. Nachdem die beiden vor zwei Jahren alleine liefen, weil ich mir den Supermarathon gegeben hab und ich im vergangenen Jahr allein mit meinem Papa lief (Bea war verletzt), kam das Läufer-Aus für Papa. Also liefen Bea und ich alleine. Ziel war, gemütlich zu laufen und nach dem Desaster in Hamburg (wir haben beide verkackt!) wieder einen Lauf so richtig zu genießen.

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Mit dem Genuss ist es jedoch so eine Sache, wenn der Wecker 5 Uhr klingelt, weil man 6 Uhr Richtung Oberhof fahren muss. Start war 7:30 Uhr. Und auch wenn wir uns keinerlei Druck gemacht haben, war der Hunger nicht sonderlich groß. Lag aber wahrscheinlich nur an der doch eher unmenschlichen Uhrzeit. Diverse Earlybird-Läufe bei Wind und Wetter helfen da übrigens. Als wir dann in Oberhof ankamen und zum Start liefen, schwappte dann doch langsam ein bisschen Aufregung auf uns über. Wurde aber erfolgreich mit dem Schneewalzer weggeschunkelt und mit dem Rennsteiglied weggesungen. Ich weiß, es klingt furchtbar kitschig und wie ein schlimmer Werbepost, aber ich kriege jedes Mal Gänsehaut, wenn mehrere tausend Menschen gemeinsam singen.

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Und dann ging´s auch schon los. Etwa einen Kilometer ganz sanft bergauf und dann in den Wald. Dort dann eher so steil bergauf. Einen Kilometer lang. Und wie in den Vorjahren gingen schon viele, viele Läufer und natürlich nicht brav auf der rechten Seite, sondern dort, wie sie halt gerade keine Power mehr hatten. Beim Rennsteiglauf wird aber nicht gepöbelt, deshalb hab ich auf die Zähne gebissen und wir haben uns irgendwie vorbeigekämpft. Wo´s hoch geht, geht´s übrigens auch bald wieder bergab und dann kamen wir schon bald zur ersten Fankurve: Die Wanderer und Nordic Walker standen für uns Spalier und feuerten uns lautstark an.

So ging es dann auch weiter: Bergauf. Bergab. Und dazwischen äußerst selten mal eben. Überrascht mich ehrlich gesagt jedes Jahr aufs Neue. Ist aber so. Auch wenn´s manchmal anstrengend war, flogen die Kilometer irgendwie an uns vorbei (oder wir an ihnen?) und wir verpassten sogar das „Höchster Punkt des Laufs“-Schild auf dem Großen Beerberg. Dann war plötzlich die Hälfte geschafft und dann ging´s schon bald bergab. Bevor es zwischen Kilometer 16 und 17 noch einmal ziemlich hinterhältig bergauf ging. Da ich dieses Jahr aber noch ein kleines Trail-Abenteuer geplant habe, war das auf jeden Fall gutes Training. Bald konnten wir von oben schon nach Schmiedefeld runterschauen und zum Endspurt ansetzen. Unsere Eltern warteten wieder kurz vorm Ziel auf uns (und machten auch ein paar richtig „schöne“ Fotos) – dieses Jahr funktionierte der Shuttleverkehr richtig gut. Wir blieben kurz stehen und umarmten sie und machten uns dann auf die letzten 200 Meter. Hand in Hand sprangen wir ins Ziel, ließen uns die Medaille umhängen und dann gab´s nur noch ein Ziel: Die Theke! Es war so waaaarm, die Sonne brutzelte auf unsere Köpfe und wir hatten echt großen Durst.

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Danach haben wir unsere Eltern gesucht, Werbegeschenke und Probiergetränke abgestaubt und – zum allerersten Mal – unser Finisherbier geholt. Das ging dann übrigens nach zwei Schlucken direkt in den Kopf. Und dann kamen schon bald die ersten Ultraläufer ins Ziel! Dass Florian Neuschwander das Ding gewann, fand ich nicht sooo überraschend. Aber als die erste Frau nach rund 5:50h ins Ziel geflogen kam (kein Scherz, die lief extra noch an den Seitenrand, um uns alle abzuklatschen), hatte ich üüübelst Gänsehaut. Wahnsinn! Nach knapp 74 Kilometern können sich andere kaum noch bewegen… Etwa drei Sekunden, nachdem wir beschlossen hatten, zu gehen, kam übrigens Dennis (Runskills) um die Ecke. Also nochmal gewinkt und gejubelt und aufgeregt auf und ab gehopst. Und dann haben wir uns wirklich auf den Heimweg gemacht.

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Den Rennsteiglauf gibt es übrigens schon seit 1973 (damals übrigens fast 100 Kilometer lang!) – ein echter Kultlauf also. Mit rund 15.000 Teilnehmern ist es der größte Crosslauf Europas und dank verschiedener Distanzen (Halbmarathon, Marathon, Supermarathon, aber auch Junior und Special Cross sowie Wanderrouten) für jeden geeignet. Selbstverständlich bin ich auch im nächsten Jahr wieder dabei, dann jedoch über die Marathondistanz. Eine Begleitung habe ich auch schon; ich musste nur meine Seele an den Teufel verkaufen. Darüber berichte ich dann aber, wenn es soweit ist. Jetzt freue ich mich erstmal auf den Rennteiglauf 2019 (Save the Date: 18. Mai) und vielleicht schaffen wir es dann mal zur legendären Läuferparty. Und worauf wartest du noch? Hier kannst du dich direkt anmelden. Ich SCHWÖRE, du wirst es nicht bereuen.

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