EIN RENNEN DER SUPERLATIVE: DER NEW YORK CITY MARATHON

Dieser Blogpost enthält unbezahlte Werbung. Alles, was wir während unserer Reise erlebt haben, wurde selbst von uns bezahlt. Und es war jeden verdammten Euro wert.

„Was ist, wenn die Stimmung doch nicht so krass ist, wie alle erzählen?“ Das hatte uns noch am Tag vor dem New York Marathon beschäftigt. Eins können wir vorwegnehmen: Die Stimmung ist tatsächlich nicht annähernd so krass, wie „alle“ sagen. Sondern noch tausendmal krasser. Man kann es sich nicht vorstellen, wenn man nicht selbst dabei war und selbst wenn man selbst dabei war, kann man es nicht beschreiben. Trotzdem versuchen wir, dich so gut es geht noch einmal mit auf unsere Reise in und durch den „Big Apple“ zu nehmen. Gleichzeitig möchten wir dir Tipps für deinen eigenen New York City Marathon geben. Denn spätestens nach diesem Blogpost wirst du nicht anders können, als dich nach einem Start beim „World´s greatest Marathon in the World´s greatest City“ (so bescheiden wurde der Lauf kurz vorm Start angepriesen) zu sehnen.

In diesem Blogpost hatten wir ja bereits erzählt, welche Möglichkeiten es gibt, um überhaupt erst einmal an einen der begehrten Startplätze zu kommen. Bezüglich unserer eigenen Reise gibt´s hier noch einmal kurz und knackig die wichtigsten Fakten:

  • Wir haben alle unseren Startplatz über Ali Schneider Marathonreisen gebucht.
  • Wir hatten ein richtig gutes Frühbucher-Special und für Startplatz und Übernachtung knapp 900 €/Person gezahlt. Gebucht haben wir übrigens kurz VOR dem NYC Marathon 2017!
  • Im Paket waren folgende Leistungen enthalten:
  1. Startplatz (inklusive Pasta-Party und Finisher-Shirt)
  2. Transport zum Startbereich auf Staten Island
  3. Übernachtungen von Donnerstag bis Montag in 4-Bett-Zimmern im 3-Sterne-Hotel „Skyline“ in Manhattan (Die Übersicht zu allen Hotels, die angeboten werden, findest du hier.) Das Hotel war ok, 4-Bett-Zimmer muss man halt mögen. Wlan gibt es dort übrigens nur in der Lobby. Überlebt man aber auch irgendwie. Frühstück ist NICHT inklusive. In New York gibt es aber auch nur wenige Hotels, die Frühstück anbieten.

Wenn du deine eigene Reise planst, denk an die Zeitverschiebung und dass du dich ggf. erst akklimatisieren musst. Falls du Bock auf Halloween hast, nimm das unbedingt mit. Viele New Yorker (nicht nur Kinder!) laufen am 31.10. kostümiert durch die Gegend und abends gibt´s eine Parade. Da sollte man übrigens frühzeitig da sein. Wir kamen spät und standen weit hinten. Und haben nur wenig gesehen. Falls du schon Montag zurückfliegen willst, schau unbedingt, dass du einen Abendflug bekommst. Zum einen sind deine Beine wahrscheinlich noch lädiert und freuen sich, wenn sie nicht allzu früh ins Flugzeug gequetscht werden und zum anderen wird der „Medal Monday“ in Amerika besonders gefeiert. Dazu jedoch später mehr.

Freitag 

Los ging´s morgens mit dem Besuch der Marathon-Messe. Wir wollten natürlich nicht nur unsere Startunterlagen abholen, sondern auch Merchandise kaufen und – ganz wichtig – kostenlosen Stuff einsacken. Was wirklich überragend war: Die Begeisterung aller Volunteers. Die Helfer bei uns sind (in der Regel!) ja auch freundlich, aber so euphorisch wie dort hab ich noch nie jemanden erlebt. Jeder wünscht dir ein gutes Rennen und falls du was kaufst, rasten auch die Kassierer extrem aus, sobald du bei ihnen stehst.

Die Messe an sich hat uns ehrlich gesagt nicht so überzeugt. Wir haben zwar superschnell unsere Startunterlagen und unser Finisher-Shirt (!) bekommen, aber dann haben wir uns erstmal ewig durch alle Stände gequält, um draußen zu merken, dass wir den Gutschein für die Pasta-Party auch bei den Startunterlagen bekommen hätten. Das war nicht so toll ausgeschildert (ich glaube, an den Ständen stand nur „Ticket-Buying“, da ahnt doch keiner, dass das was mit Essen zu tun hat. Spoiler: Wir hatten dann zwar unsere Gutscheine, sind aber gar nicht zur Pastaparty gegangen.

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Dann gab´s eine riesige Halle voll mit New-Balance-Marathon-Stuff – zu horrenden Preisen. Also bei aller Liebe, aber eine Laufjacke für 130 Dollar? Von New Balance? Näääää! Am Ende hab ich (Isabell) mir einen Hoodie für 70 Dollar (auweia!) und eine Bommelmütze gekauft. Vor allem, weil man bei den Teilen nicht so genau sieht, dass die von new Balance sind, haha. Laura hat sogar eine Mütze bekommen, denn sie startete beim „Dash to the Finish Line 5k“. Statt Medaille gab´s eben eine Mütze. Gar nicht so schlecht bei dem Wind, der ständig durch New York pfeift.

 

Es gab dann noch eine weitere Halle, wo man Schilder malen und Fotos machen und auch noch ein bisschen Stuff kaufen konnte. Bei den Probier-Riegeln und -Getränken haben wir natürlich zugeschlagen. Ansonsten sind noch ein paar Klatschpappen, Sonnenbrillen und Lippenpflegestifte für uns abgefalllen. Beutelratten on Tour. Viel mehr gab´s aber nicht. Was ich beispielsweise vergeblich gesucht habe, waren andere Sportartikelhersteller wie adidas oder Nike. Wir haben neben New Balance nur ON Running und Sketchers gesehen.

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Abends waren wir noch im Central Park, denn dort stieg die Eröffnungsparty mit allen teilnehmenden Nationen. Jedes Teilnehmerland wurde vorgestellt und ausgewählte Vertreter liefen in einer Art Umzug an den Tribünen vorbei. Wir haben leider keine Ahnung, wieso die Gruppen unterschiedlich groß waren und wissen auch nicht, wer bestimmt, wer bei dieser Zeremonie dabei sein darf. Unser Freund Benni war jedenfalls für Deutschland am Start. Wir haben uns auf Jubeln beschränkt.

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Zum Abschluss gab´s dann noch ein gigantisches Feuerwerk.

Samstag 

Laura und Alex sind ja nicht beim Marathon gestartet, sondern haben uns angefeuert. Ganz ohne Laufen geht´s dann aber auch wieder nicht und deshalb starteten sie beide beim Dash to the Finish Line 5k.

Los ging es am Samstag um 8:45 Uhr. Unser Hotel war etwa drei Kilometer von der Startlinie entfernt. Alex und Laura entschieden sich aus diesem Grund zum Start zu laufen. Leider war an diesem Tag das Wetter etwas eklig (Nieselregen und Wind). Der Startbereich war riesig, denn alleine bei diesem 5 km Lauf nahmen 10.000 Läufer teil. Die Startblöcke reichten von A bis L. Alex startete in B und Laura in E. Laura hatte sich relativ spät für dieses Event angemeldet – etwa zwei Wochen vorher. Zu diesem Zeitpunkt gab es noch Startplätze. Die noch Spontaneren wurden leider auf der Marathonmesse am Freitag enttäuscht – da war der Lauf bereits ausverkauft. Um ca. 9 Uhr ging es los: einmal durch Manhattan und die letzte Strecke durch den Central Park. Am meisten freute Laura sich über die Cheering Crew, die am Straßenrand der 7th avenue lautstark anfeurte. Es war echt überraschend, wie viele Kinder mitgelaufen sind. Einige waren auch schon ziemlich früh ziemlich k.o. (wir standen etwa bei km 2, glaube ich), haben sich wegen unseres Gekreisches aber zusammengerissen und sind brav weitergerannt.

Das Beste an dem Lauf ist, dass das Ende der Strecke genau dem Marathonende entspricht. So bekommt man wenigstens eine kleine Vorstellung darüber, wie es sich anfühlt über die Ziellinie zu laufen. Leider gibt es abschließend keine Medaille. Allerdings bleibt als Erinnerung die Mütze, die man bereits auf der Marathonmesse bekommt.

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Nachmittags gab es in unserem Hotel noch eine Infoveranstaltung. Hier haben wir erfahren, wann wir Sonntag zum Start gefahren werden (5:30 Uhr, yeah!) und es gab allerlei Infos zum Marathon. Wie oft es Getränke gibt beispielsweise und wie man aus demselben Startblock starten kann, auch wenn man unterschiedlichen Wellen und / oder Blöcken zugeteilt wurde. Das ist in New York tatsächlich etwas kompliziert. Es gibt insgesamt 4 Startwellen mit mehreren Startblöcken. Die Welle zeigt, zu welcher Uhrzeit du startest, der Startblock („Corral“ – von A bis F) sagt, welchen Eingang zu deiner Welle nehmen musst. So weit so klar. ZUSÄTZLICH gibt es aber je Welle noch drei unterschiedliche Farben: blau, orange und grün. Mira und ich hatten zwar beide Welle 2 (Startzeit 10:15 Uhr), aber unterschiedliche Farben und Corrals (ich hatte E, sie F). Wir hatten schon gelesen, dass ein gemeinsamer Start möglich ist, wenn man in die „schlechtere Welle“ geht.  Allerdings erschloss sich uns nicht, was nun schlechter ist, wenn beide dieselbe Welle und dieselbe Startzeit haben. Zählt dann der Corral? Die Farbe? Blau und orange starten nämlich auf der Brücke, grün drunter.  Es zählt – tadaaa – die Startnummer. Je höher, desto schlechter. Mira hätte also zu mir „nach unten“ gemusst. Oder, das ist auch möglich, wir wären beide in die dritte Welle gegangen und hätten dann nach oben gehen können. Wollten wir zunächst auch, aber, soviel kann ich vorwegnehme: Haben wir nicht. Wenn man seit 3:30 Uhr nachts wach ist und stundenlang auf den Start wartet, nimmt man sogar einen weniger spektakulären Start in Kauf.

Wir bekamen zusätzlich die Info, was wir alles mit in die sogenannten „Villages“ im Startbereich mitnehmen darf und was gar nicht geht. Auch die Villages sind nach Farben aufgeteilt, jeder darf aber in jeden Bereich gehen. So konnten wir zumindest bis zum Start zusammenbleiben.

Sonntag 

Raceday! Der Tag, auf den wir über ein Jahr lang hingefiebert hatten, war plötzlich da. Die Nacht war übrigens nicht ganz so kurz, denn auch Amerika hat Sommer- und Winterzeit. Und die Zeitumstellung war in der Nacht vorm Marathon. Trotzdem war die Nacht spätestens ab 4 Uhr für alle in unserem Zimmer vorbei. Spätestens, als jeder seine Wegwerfklamotten anhatte, war die Stimmung on Point.

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5:15 Uhr haben wir uns in der Lobby getroffen, Abfahrt war 5:30 Uhr. Denn das „Problem“ ist, dass der Start auf Staten Island ist und die Verrazzano-Narrows Bridge wird ab 7 Uhr für den Verkehr gesperrt. Da will keiner riskieren, zu spät zu kommen. Die Fahrt verging superschnell und das erste AHA-Erlebnis hatten wir, als wir besagte Brücke mit dem Bus entlang fuhren. Da ging´s nämlich ordentlich hoch. Und das auch ganz schön lange. Zweiter Moment, bei dem wir den Atem angehalten haben: Als wir die Skyline von Manhattan gesehen haben. So sooo schön!

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Auf Staten Island angekommen, wurden wir schon beim Verlassen des Busses wie Sieger gefeiert. Egal ob Polizisten oder Volunteers, ALLE hatten gute Laune. Und dass, obwohl die Armen schon seit 3 Uhr auf den Beinen waren, wie wir erfuhren. Und dann ging´s zur Taschenkontrolle. Folgendes kannst du dir schon jetzt merken:

  • Alles, was du mitnehmen möchtest, musst du in deinen durchsichtigen Starterbeutel packen (oder halt anziehen).
  • Eigene Rucksäcke oder Taschen sind nicht erlaubt.
  • Eigene Trinkflaschen sind ok. Trinkrucksäcke sind verboten.
  • Campingstühle etc. sind ebenfalls nicht erlaubt.

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Von Ankunft bis zum Start hatten wir noch etwa drei Stunden Zeit. Wir hatten zuvor echt Angst, dass die Zeit nicht vergehen würde oder wir zum Start dann schon wieder müde sind. Aber die Zeit verging wirklich schnell. Erstmal haben wir uns nämlich ein schönes Lager gebaut. Was du unbedingt mitnehmen solltest, damit du nicht frierst und bequem sitzt:

  • Decken, Kissen (am besten aus dem Flugzeug mitnehmen)
  • Rettungsdecke aus dem Verbandskasten (hält wirklich schön warm)
  • Müllsäcke und kleinere Plastiktüten
  • Warme Klamotten (Hose, Pulli, Jacke, Handschuhe, Mütze…)
  • Wechselschuhe und Socken

Da man in den Villages hauptsächlich auf Gras sitzt / liegt, sind Müllsäcke zum Unterlegen echt Gold wert. Wir haben uns übrigens welche aus den Mülleimern stibitzt. Falls es sehr nass ist oder regnet, kannst du noch Plastiktüten über deine Schuhe ziehen. Wir hatten wirklich extremes Glück mit dem Wetter; kalt war es trotzdem. Deswegen haben wir uns schon warm eingepackt und zusammengekuschelt.

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Die hübschen orange-pinken Mützen gab es übrigens kostenlos von Dunkin´ Donut. Außerdem gab es ein ganz passables Frühstück: Kaffee, Tee und heiße Schokolade sowie Wasser, außerdem Riegel, Bananen und Bagels. Wir hatten uns noch eine Tüte Salzbrezeln mitgenommen, da wir nicht nur Süßkram futtern wollten. Zusätzlich zu genug Essen und Trinken gab´s auch mehr als genug Dixi-Toiletten.

Wie gesagt, de Zeit verging superschnell und auf einmal ertönte der erste Startschuss. Zuerst starteten Rollstuhlfahrer, Handbiker und Athleten mit Behinderung. Danach die Damen-Elite und dann Welle 1. Neben der Männer-Elite waren da auch unsere Homies Dennis, Susi, Andi und Timo dabei. Und dann machten Mira und ich uns auf den Weg zum Start. (Dort gab es übrigens auch nochmal Toiletten.) Erst waren wir nochmal in die Corrals einsortiert, der Weg zum tatsächlichen Start war dann aber für alle frei. Machte aber nix, weil die Brücke sehr breit ist und sich das Feld da gut verteilt (und dank der Steigung auseinanderzieht). Vor jedem Start wird übrigens erst die Nationalhymne (beziehungsweise bei uns irgendeine andere Hymne) gesungen. Ich stand gerade an der Toilette an, als die Hymne für die Starter vor uns gesunden wurde und hatte Ganzkörpergänsehaut und musste echt mit den Tränen kämpfen. Und zum Start spielen sie dann noch „New York, New York“ von Frank Sinatra. Besser geht´s nicht!

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Der Marathon

Los ging´s also über die Verrazzono-Narrows Bridge – ich glaub, das waren schonmal zwei Meilen (?) – und obwohl wir „unten“ liefen, hatten wir einen richtig geilen Blick Richtung Manhattan. Auf dieser (und den folgenden vier Brücken) waren die Läufer (nahezu) unter sich. Nur wir, Fußgetrappel und laute Schnaufen. Das änderte sich schlagartig, als wir nach Brooklyn kamen. Was dort los war, lässt sich einfach nicht beschreiben: Unzählige Menschen, die geschrien, gejubelt und uns abgeklatscht haben. Unzählige Schilder mit Motivationssprüchen, Bands, Chöre… Hätten wir alle, die uns ihre Hände hingehalten haben, abgeklatscht, würden wir wohl immer noch laufen, haha. Und so war es wirklich überall. Die Zeit (und die Meilen) vergingen dadurch echt im Flug. Es gab auch ständig was zu trinken (ich meine, es war ab Meile 3 nach jeder Meile) und Mira und ich konnten es gar nicht glauben, wenn schon wieder ein Getränkestand vor uns aufgebaut war. Bei der Halbmarathonmarke klatschten wir ab und ich dachte nur so „Waaas? Schon Halbzeit? Krass!“ Echt unglaublich, wie dich die Atmosphäre pushen kann.

Die Strecke ist aber ganz schön anspruchsvoll, muss ich sagen. Nicht nur die fünf Brücken, über die man von Stadtteil zu Stadtteil läuft, haben mich mürbe gemacht. Sondern auch die vielen weiteren Steigungen, die New York zu bieten hatte. Das war mir vorher irgendwie nicht so klar gewesen. Und da man wirklich viele, seeeehr lange Geraden laufen muss, kann man dank der Menschenmassen vor einem immer ganz gut sehen, wann es wieder irgendwo bergauf geht.

Bis Meile 14 ging es mir aber noch super. Meile 14 war für mich der erste „Meilenstein“ (Haha!), weil ich wusste, dass Sabine, eine Freundin aus Frankfurt,  dort stehen und anfeuern würde. Ich freute mich riesig, sie dort zu sehen. Auch wenn sie ein bisschen über unsere nicht vorhandenen Posing-Skills geschimpft hat. Unser nächstes – großes – Highlight wartete zwischen Meile 16 und 17. Laura, Alex und meine Eltern. Auf dem Weg dahin hatten wir jedoch die Queensboro Bridge zwischen uns und unseren Lieben. Und die war kacke. Übelst lang. Und hoch. Und als wäre es nicht genug, ging´s dann auch relativ „steil“ runter in die Stadt. Normal sicher gut zu bewältigen; nach 25 Kilometern mit diversen anderen Steigungen nicht mehr ganz so cool. Doch unten angekommen erwartete uns wieder eine kreischende Menge. Und – oh Schreck! – alle standen rechts! Unsere Leute wollten aber links stehen. Was, wenn man dort gar nicht links stehen kann, wir sie rechts nicht finden und vorbeirennen würden? Auweia, uncoole Vorstellung. Kurz drauf konnten wir aber durchatmen. Denn auch links standen Menschen und auf einmal sahen wir unsere Deutschlandfahne (bestes Erkennungsmerkmal) und die blauen Mützen von Laura und Alex! Schreiend und jubelnd rannten wir auf die vier zu und ich fiel meiner Mama um den Hals (Papa hielt die Fahne). Sooooo gut! Auch wenn zigtausende für uns jubelten, die private Cheeringcrew ist durch nichts zu ersetzen!

In der Bronx (Meile 20/21) war ich dann schon ziemlich fertig. Ich hab zwar versucht, das auszublenden, aber meine Beine haben brutal weh getan. Auch die letzte Brücke („Sogar mit „Last damn Bridge“-Schild) hat nur zu einem klitzekleinen Lächeln gesorgt. Immer öfter hab ich die verbleibenden Meilen in Kilometer umgerechnet. Wurde aber nur in ganz kleinen Schritten weniger. In Manhattan ging es weiter sachte bergauf. Aua, aua, aua. Von der 138. Straße ging es nur noch geradeaus. Ich wusste, dass das Ziel irgendwo auf Höhe 60. Straße rum liegt. Prost Mahlzeit, das war noch weit! Meine Beine waren steinhart, meine Wade hat gekrampft und ich musste stehenbleiben, um die Wade zu dehnen. Zum Glück war Mira dabei und hat mich ausgeschimpft! „Los, weiterlaufen, sonst kommen wir nie an!“ Über jeden Getränkestand hab ich mich riesig gefreut! Die schreienden Menschen nahm ich kaum noch wahr, weil ich so fertig war. Und dann sagte Mira auf einmal „Wir trinken jetzt nichts mehr, das ziehen wir jetzt so durch!“ (Ich bin nämlich beim Trinken zum Ende hin auch immer kurz stehen geblieben.) Da ist dann tatsächlich nochmal mein Kampfgeist erwacht: „Was??? Das sind noch vier Kilometer! Ich STERBE, wenn ich nichts mehr trinke!“ – „Es sind noch drei Kilometer!“ – „Ein Marathon hat immer noch 42 Kilometer und es sind noch VIER Kilometer!“ (Keine Ahnung, was mit ihrer Uhr nicht stimmt, aber meine zeigte da leider erst 38km an.) Ich durfte also weiterhin trinken. Es ging dann noch ein Stück durch den Central Park (hatten ja noch nicht genug Hügel, neeeee…) und die Zuschauer standen dicht an dicht. Und dann, ganz unverhofft, sahen wir wieder die Deutschlandfahne! Richtig coole Überraschung! Also nochmal abklatschen! Auf den Fotos kann man ganz gut sehen, wie fertig und den Tränen nahe (das aber eher vor Freude) ich war.

Und dann kam endlich Meile 26 und die Zielgerade. Die letzte Steigung vor dem Ziel war dann wirklich Kinderkram und die Beine haben wenigstens auf den letzten Metern nochmal brav gemacht, was sie sollten. Der Zieleinlauf war dann relativ unspektakulär – weil eng und voll – aber dafür umso emotionaler. Ich fiel Mira um den Hals und fing sofort an zu weinen. Wenn man außer Atem ist, geht das übrigens nicht so gut und ich hatte erstmal minutenlang Schnappatmung. Das betäubt dann auch erstmal die Schmerzen in den Beinen. Die dann aber kamen. Unglaublich brutal. Wir haben uns nur noch in Zeitlupe nach vorne geschoben. Und wir mussten weeeeeit laufen. Ich weiß schon gar nicht mehr, ob wir erst unseren Verpflegungsbeutel bekommen haben und dann die Medaille (WAS EIN GEILES TEIL!!!!) oder andersrum. Ist aber auch nicht wichtig. Danach durften wir noch weiter watscheln, unsere Kleiderbeutel mussten wir ja auch noch abholen. Und dann ging´s irgendwo auf Höhe 80. Straße raus aus dem Park. Du erinnerst dich, dass das Ziel etwa auf Höhe 60. liegt? Und unser Hotel in der 49. Straße. Loooong way to go. Wir haben sogar über ein Taxi nachgedacht. Aber erst war alles abgesperrt und dann kein Taxi frei. Tja. (Ali Schneider bietet auch ein Hotel am Central Park an; falls Geld nur eine untergeordnete Rolle spielt: Unbedingt das nehmen!) Man kann übrigens zwischen Kleiderbeutelabgabe und Poncho wählen. Wer im Ziel einen Poncho bekommt, darf den Park auch früher (und dementsprechend schneller) verlassen. Wenn du in der Nähe wohnst, sicher sinnvoll. JEDER Finisher bekommt außerdem eine Folie zum Umhängen. Die kann man dann beim nächsten Lauf vorm Start um sich wickeln.

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Irgendwie haben wir´s aber geschafft und wir kamen im Hotel an. Unterwegs haben wir schon unzählige Glückwünsche erhalten. Jeder gratuliert jedem. Warum ist das bei uns eigentlich nicht so??

Insider-Tipps für Begleiter

Als Zuschauer solltest du rechtzeitig an der Strecke stehen. Besonders beliebt sind die Teile der Strecke in Manhattan und im Central Park. Alex, Laura und Isas Eltern standen kurz hinter Meile 16. Sie waren dort bereits um 10 Uhr verabredet und schon ab 11 Uhr war es dort brechend voll. Die Cheering-Crew wollte natürlich ganz vorne an der Absperrung stehen, dass sie die anderen nicht verpassen. Außerdem kamen die Elite Frauen bereits um 10:45 Uhr. In der Marathon App trackten Alex und Laura alle, die sie kannten. Insgesamt waren es ca. 12 Personen, was zu viel Anfeuerungsstress führte. War der eine vorbei, wurde direkt die App aktualisiert und einen halben Kilometer vorher die Schilder weggepackt und die Handys rausgeholt. Laura war fürs Fotografieren zuständig, Alex fürs Filmen und Isas Vater musste das Erkennungszeichen hochhalten. Dank der App, die fast auf den Meter genau die Läufer perfekt getrackt hat und der Flagge haben wir es tatsächlich geschafft jeden „unserer“ Runner zuzujubeln. Praktisch an diesem Cheeringpoint ist, dass man in etwa 15 Gehminuten beim Central Park ist. Hier haben sich Laura und Isas Eltern ab mittags hingestellt. Sie sind durch die Unterführung durchgegangen und standen direkt am Streckenrand und feuerten die Marathonis auf ihren letzten Kilometern an. So erwischten sie nochmal Susi und wenig später Isa und Mira. Weiter Richtung Ziel kommt man gar nicht, außer man besitzt ein Ticket für den Zielbereich. Dieses muss man sich extra kaufen, zum Beispiel bei der Marathonmesse. Der Zielbereich ist schon ab früh morgens abgesperrt.

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Montag

Der „Medal Monday“ wird in Amerika anständig zelebriert. Jeder trägt also seine Medaille voller Stolz und alle anderen gratulieren den erfolgreichen Finishern. Mich hat sogar eine wildfremde Frau umarmt, ausgefragt, wie´s war und auch noch ge-ghettofaustet. Großartig!

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Im Central Park gibt´s auch noch eine Finisher-Party, wo man zum Beispiel seine Medaille gravieren lassen kann. Als wir die Schlage vor dem Pavillon gesehen haben, sind wir allerdings direkt umgekehrt.

Was natürlich auch super-wichtig ist nach einem Marathon: Kalorienrückführung. In Amerika ja nicht sooo schwer.

Jetzt ist der Marathon und die ganze New-York-Reise schon wieder eine Woche her. Mein Herz ist ein bisschen schwer und ich hab das alles noch immer nicht richtig verarbeitet. So viele Eindrücke, das dauert. Ich werde definitiv zurück kommen. Spätestens, wenn sich Laura ihren Traum vom New York Marathon erfüllt. Dann steh ich nämlich am Rand und schrei mir die Seele aus dem Leib.

Falls du dich für das Thema „Marathon allgemein“ interessierst, dann schau doch mal hier vorbei. Noch mehr Emotionen gibt´s in diesem Blogpost.


6 Gedanken zu “EIN RENNEN DER SUPERLATIVE: DER NEW YORK CITY MARATHON

  1. Ein wunderbarer Bericht vom Eurem New York Marathon Erlebnis. Auch für uns war der New York City Marathon ein einmaliges Erlebnis. Ich habe mich beim Lesen Eures Blogposts wieder ganz ins vergangene Jahr versetzt gefühlt, als wir den New York Marathon laufen durften. Es ist schwer zu beschreiben, was den New York Marathon so besonders macht – man muss es einfach selbst erleben.

    Für uns war auch die generelle Atmosphäre in der Stadt einzigartig. Die ganze Stadt hat den Marathon bereits Tage vorher gelebt! Ob Leuchtwerbung auf dem Time Square, dem New York Marathon Wetter, dass im Fernsehen schon Tage vorher thematisiert wurde oder aber dem Setting im Central Park – das alles war etwas, was wir so bei noch keinem anderen Marathon erlebt haben.

    So können wir Euch nur zustimmen: Wenn man es sich finanziell irgendwie erlauben kann, muss man als Marathoni New York mal erlebt haben. Auch wir werden auf jeden Fall zum New York Marathon zurückkehren! Vielleicht laufen wir dann ja zusammen dort 😉

    Liebe Grüße
    Hannah&Carsten

  2. Hach. Was ein schöner Bericht. Ich hab schon wieder New York-Fernweh!! Ich hoffe, ich kann die Nicht-Posing-Bilder von Meile 14 noch irgendwie beschaffen, denn ihr hattet die fantastische Skyline im Rücken und das Foto ist gar nicht mal soooo schlecht geworden ;-)!
    PS: Bei der Parade der Nationen am Freitag kann eigentlich jeder Fahnenträger werden. Man muss nur die 80.000 E-Mail Newsletter des NYRR im Vorfeld ordentlich durchlesen und sich zum richtigen Zeitpunkt bewerben. Ich habe noch von niemandem gehört, dass er/sie abgelehnt wurde.

  3. Die offizielle Bezeichnung ist Menschen mit Behinderung, also schreibt man dann vielleicht auch am besten Athleten mit Behinderung.

    Sehr informativer und beeindruckender Bericht!!!

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