SCHLUSS MIT DEN AUSREDEN! DIE RUNNINGMOMS ZEIGEN DIR, WIE DU KIND, KEGEL, HUND, KATZE UND MAUS UNTER EINEN HUT BRINGST

„Ja, wenn man Familie hat, sieht das eben anders aus.“ Das war immer so ein „Totschlagargument“, gegen welches wir nichts zu sagen hatten, wenn uns jemand erklärt hat, warum er NICHT laufen gehen kann. Wir haben keine Kinder und können daher tatsächlich nicht nachvollziehen, ob sich das mit einem anstrengenden Training verbinden lässt.

Aber jetzt ist Schluss mit solchen Ausreden, denn mit den Berlinerinnen Yvi, Malin und Sandra haben wir gleich drei „Runningmoms“ ausfindig gemacht, die beweisen, dass es sehr wohl geht. „Wir sind Mütter und laufen trotzdem Marathon“ ist das Motto ihres Blogs, auf dem sie von Training und Wettkämpfen berichten. Uns haben sie ein paar Fragen beantwortet und Tipps gegeben, wie auch andere laufwillige Mütter (und Väter) regelmäßig die Laufschuhe schnüren können.

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Stellt ihr euch bitte kurz vor?

Hallo ich bin Sandra, mit 43 Jahren die älteste von uns dreien. Ich habe zwei Kids, Zwillinge (Mädchen und Junge) und die sind acht Jahre alt. Ich bin meinen ersten Marathon mit 30 Jahren gelaufen, laufe gefühlt ewig, aber eher planlos und verrückt. Zwölf Wochen gezieltes Marathontraining und dann wieder ewig nicht. Seit diesem Sommer habe ich den gleichen Trainer wie die anderen beiden Runnigmoms.

Hallo, ich bin Malin. Noch 38 Jahre alt und habe zwei Töchter im besten (Teenager)Alter. Ich mache schon mein ganzen Leben lang Sport. Mit dem Laufen fing ich sporadisch vielleicht vor 18-20 Jahren an. Damals aber eher so nebenbei im Fitness-Studio auf dem Laufband oder eine Runde im Kiez. Erst nach der Geburt meiner zweiten Tochter vor elf Jahren fing ich an, regelmäßiger zu laufen. Mittlerweile ist ein Leben ohne nicht mehr vorstellbar. (Anm. der Redaktion: Malin ist ne kranke Maschine und hat eine aktuelle Marathon-PB von 3:11:57h!!!)

Mein Name ist Yvonne, ich bin 34 Jahre alt und die einzige im Bunde mit (nur) einem Kind. Mein Sohn ist sechs Jahre alt- gerade frisch eingeschult. Ich laufe seit gut zehn Jahren, nur während der Schwangerschaft musste ich eine Zwangspause aus gesundheitlichen Gründen einlegen – ich stand aber gut drei Monate nach der Geburt schon wieder beim Berliner Halbmarathon an der Startlinie.

Wie bekommt ihr Beruf, Familie und Laufen unter einen Hut? Zumal ihr ja nicht nur ein bisschen joggen geht, sondern richtig starke Läuferinnen seid?

Sandra: Das Laufen muss schon in den Alltag integriert werden. Mir fällt es am leichtesten, gleich morgens laufen zu gehen. Zum einen überlegt sich mein Gehirn nicht ständig Ausreden, warum ich gerade heute nicht laufen kann. Zum anderen können keine unverhofften Zwischenfälle kommen, die das Training blockieren. (Anm. der Redaktion: Zum Thema „Earlybird“ gibt es sogar schon einen Blogpost.)

Yvonne: Um das Laufen, die Familie und den Beruf unter einen Hut zu bekommen, benötigt man einen starken Rückhalt und dazu eine ordentliche Portion Organisationstalent. Mit einem Kind habe ich es sicherlich einfacher als meine Mitstreiterinnen, zumal mein Sohn auch viel Zeit bei seinem Vater verbringt, mit dem ich nicht mehr zusammenlebe. Zu Beginn jeder Woche erhalte ich meinen Trainingsplan, feste Termine mit meiner Laufgruppe gibt es auch und große Ereignisse plane ich sowieso fest ein. Alles andere spreche ich mit meinem Partner ab, der dann eben die Stunden während des Longruns auf meinen Sohn aufpasst. Oma und Opa nehmen sich auch gerne die Zeit und mittlerweile ist mein Sohn auch alt genug und begleitet mich mit dem Rad, wenn ich eine kürzere Runde drehe.

Malin: Manchmal frage ich mich das auch, wie ich das schaffe, haha. Der Tag hat ja leider nur 24 Stunden. Ich nutze oft den Weg zur Arbeit und/oder zurück, um das Training in den Alltag zu integrieren. Die Longruns am Wochenende werden eben VOR dem Aufstehen gestartet. Zum Glück sind meine Mädels Langschläferinnen, sodass ich zurück bin, ehe sie die Augen öffnen.

Laufen eure Partner/ Kinder auch? Lauft ihr auch mal zusammen?

Yvonne:    Mein Freund läuft eher selten. Ich glaube, hätte er die gleiche Leidenschaft fürs Laufen wie ich, würde es auch schwerer mit der Organisation werden, aber nicht unmöglich. Generell teilen wir uns den Sport auf: Wenn er laufen gehen möchte, starte ich meine Runde dann, wenn er zurück ist, er geht morgens und ich abends. Haben wir ein Wochenende ohne Kind, begleitet er mich auch mit dem Rad auf meinen längeren Runden und reicht mir Wasser und Essen. Auch, wenn er dazu mit mir um 5 Uhr morgens aufstehen muss. (Anm. der Redaktion: DAS ist Liebe!) Mein Sohn hat dieses Jahr das erste Mal an einem Bambini- Lauf teilgenommen. Er rennt gerne mit mir um die Wette, mal schauen was sich in den nächsten Jahren dahingehend noch entwickelt.

Sandra: Mein Sohn läuft die Kinderläufe gern mit, meine Tochter eher nicht. Dafür sind beide erfahrene und begeisterte Cheerer an der Laufstrecke. Sind haben seit acht Jahren keinen einzigen Berlin Marathon an der Strecke versäumt. Mein Mann wäre ein guter Läufer und war es auch. Wir fingen gemeinsam an, Marathon zu laufen. Leider (oder zum Glück?!) läuft er gar nicht mehr. Einerseits ist es ein Vorteil für die Kinderbetreuung, andererseits nicht zum Vorteil seiner Figur. Scherz!

Malin: Meine sind bis vor einem Jahr beide leistungsmäßig geschwommen, jetzt nur noch die Große. Manchmal läuft sie auch. Gerade an Wettkämpfen hat sie Spaß und schafft auch schon zehn km. Mein Mann hat jetzt (wieder) angefangen zu laufen und sich ganz todesmutig im nächsten Jahr zum Berliner Halbmarathon angemeldet. Zusammen laufen geht aufgrund des Leistungsunterschiedes nicht. Aber wenn er weiter so trainiert, geht da vielleicht mal bald ein Läufchen zusammen.

MOMS

Ist ein Trainingsplan für euch eher Stress oder eher etwas, woran ihr euch festhalten könnt und was eurem Alltag Struktur gibt?

Malin: Ich bin ein absoluter Fan von Trainingsplänen. Sie geben Struktur und planen auch Erholungsphasen mit ein. Mit unserem Trainer arbeite ich seit knapp ca. zehn Monaten zusammen und bin echt begeistert über die Entwicklung. Auch jenseits der 20 geht da echt noch viel.

Sandra: Manchmal verursacht ein Trainingsplan bei mir schon Stress, innerlich. Ich habe dann immer im Hinterkopf, dass ich noch laufen gehen „muss“. Deshalb ist es tatsächlich am cleversten, es zu machen, bevor die Familie wach ist und das Chaos beginnt! Ich starte dann viel zufriedener und faltenfreier in den Tag, haha! Aber unterm Strich fällt mir die Struktur einfacher, denn dann kann ich mich nicht herausreden. Ich MACHE dann einfach. Seit Sommer ist ein echter Trainer da, dem müsste ich ja dann Rechenschaft ablegen. Das ist mir zu peinlich.

Yvonne:  Ich habe beides bereits ausprobiert: Auf einen Marathon mit und ohne Plan trainiert. Ohne Plan hat gut funktioniert, ich bin damit letztes Jahr Bestzeit gelaufen. Aber dennoch schätze ich einen Plan sehr. Er gibt mir mehr Struktur im chaotischen Alltag, ich plane die Läufe dann auch fest ein. Da gibt es keine Ausreden, warum es heute nicht klappt mit dem Laufen. Unser Trainer schreibt die Pläne individuell. Wenn ich keine Zeit habe, kann ich ihm das vorher mitteilen und so fügt sich der Plan gut in mein Leben ein. Vor allem ziehe ich mit einem Plan meine Longruns artig durch.

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Eure Top-Tipps für berufstätige Mütter, die auch laufen wollen, aber “keine Zeit haben”?

Malin: Da komme ich wieder auf das Thema Planen zurück. Wenn etwas geplant ist, ziehe ich das auch durch. Der Partner wird natürlich zu Hause genauso mit eingespannt. Wir sind voll berufstätig, daher gehen Haushalt und Co. auch beide etwas an. Und dann muss man eben Prioritäten setzen. Die Couch sehe ich sehr selten. Arbeitswege nutzen, am Wochenende morgens loslaufen. Überhaupt ist morgens laufen gut, weil dann nichts mehr dazwischen kommen kann.

Yvonne: Meine Tipps für berufstätige Mütter sind einfach: Schaff dir Zeit und nimm dir deine Zeit. Das heißt im Klartext zuerst einmal, dass du (in der Regel) nicht alleine bist. Du hast Partner, Großeltern, Freunde und zur Not auch eine Nachbarstochter, die gerne mal auf dein Kind aufpassen. Nutze das! Sorge dafür, dass dein Kind einen strukturierten Tagesablauf hat, dann hast du auch einen. Ich nutze die Zeit vor dem Aufstehen oder nach dem Zubettgehen meines Sohnes um zu laufen. Mein Partner kann dann auch abschalten und niemand fühlt sich „benachteiligt“. Babys kann man super im Jogger mitnehmen, sind deine Kinder größer ist Radbegleitung toll. Ein kurzer Lauf ist besser als gar keiner, also geh auch raus, wenn das Kind mal nur für eine Stunde in Betreuung ist. Vor allem: Sieh das alles nicht so eng. Du musst nicht alles perfekt machen. Leben mit Kindern bedeutet Chaos und viel Stress. Ich nutze daher die freie Zeit, die ich habe, um etwas für mich zu machen. Das ist wichtiger als der Abwasch.

Sandra: Wenn du es einrichten kannst und einen Partner hast, lauf vor der Arbeit, stell dir den Wecker und starte, während alle noch schlafen. Nutz die Mittagspause, auch wenn es nur 30 Minuten sind, die du läufst. Das ist besser als gar nichts. Bereite dein Essen zu Hause vor und dann geht das auch mal. Hab kein schlechtes Gewissen, wenn du deine Kids eine Stunde länger im Hort/Kita/bei der Oma lässt. Du bist deshalb keine Rabenmutter! Du bist hinterher ausgeglichener und entspannter und die Kids beschweren sich eh oft genug, dass sie gern länger spielen wollten. Scheu dich nicht, andere mal zu fragen, auf die Kids aufzupassen, vorzugsweise die Eltern der Freunde deiner Kinder. Dafür haben sie ein anderes Mal Betreuung gut! Je nachdem, wie alt deine Kinder sind, trau ihnen zu, auch mal alleine zu bleiben, bereite Obst und Snacks vor, leg das Telefon bereit. Erstell einen Plan, was sie in der Zeit deines Laufes zu machen haben oder was sie dürfen. Such ein Hörspiel aus usw. Die Kids werden selbstständig und wachsen daran und am Ende sind alle stolz und glücklich.

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Eure Top-Tipps für alle anderen, die behaupten, sie hätten “keine Zeit”?

Yvonne: „Keine Zeit“ gibt es nicht. Neben den Tipps für berufstätige Mütter beherzige ich Folgendes: Ich laufe gerne die Wege, die ich sowieso gehen muss. Das heißt, ich laufe zum Beispiel gerne von der Arbeit nach Hause, denn heim muss ich sowieso. Am Ende bin ich 10- 15 Minuten länger unterwegs als mit der Bahn, dafür aber wesentlich entspannter. Vereinbare feste Termine in der Woche mit Freunden oder schließe dich eine Laufgruppe an. Das bringt so viel Spaß mit sich und kostenfreie Beratung zu allen Lebenslagen gibt es meist dazu. Und irgendwann fragst du dich nicht mehr, ob du laufen gehst, sondern nur noch wann.

Sandra: Keine Zeit ist immer relativ. Dann sind dir andere Sachen wichtiger oder machen halt mehr Spaß. Dann ist das auch ok! Steh einfach dazu, aber sei ehrlich zu dir selbst und verurteile andere Laufmütter nicht. Unsere Kinder sind uns auch wichtig! Lass mal den Fernseher aus und leg dich gar nicht erst in die Horizontale, sondern geh direkt eine Runde laufen, wenn du nach Hause kommst. Beide Sachen können warten, auch mal der Haushalt. Laufen macht am Ende glücklicher. Nutz evtl. die Zeit, die du am Handy verbringst oder mach aus der Verabredung mit einer Freundin ein Laufdate, am besten wöchentlich. Gaaaanz wichtig: Lass dich nicht von der „Insta-Welt“ und den Super-Läuferinnen stressen!!!! Fang  klein an. Vergleich dich nicht, fühl dich nicht schlecht, weil DU es heute mal nicht so hinbekommen hast oder weil du nicht unter 6:00 min/km läufst! Wir alle haben klein angefangen. Und bitte schmeiß nicht den ganzen Trainingsplan und deine Wünsche und Ziele hin, weil du mal einen oder zwei Tage tatsächlich nicht laufen konntest! Es soll Spaß machen, auch wenn für einige die Leistung und die PB wichtig sind!

Malin: Niemand muss so viel laufen wie ich. Aber dreimal pro  Woche 30-60 Minuten schafft jede(r). Der Tag hat 24 Stunden, die Woche sieben Tage. Dann sitzt du eben mal nicht um 20 Uhr vor dem Fernseher oder guckst stundenlang Youtube und Instagram… Das ist alles eine Frage der Struktur und Planung.

Und mit diesem Schlusswort schicken wir dich gemeinsam in eine Woche voller Motivation. Viel Spaß beim Laufen! Zusätzlich zum Blog haben die Runningmoms auch einen Instagram-Account.

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