10 ERNÄHRUNGSMYTHEN AUF DEM PRÜFSTAND

Magnesium gegen nächtliche Muskelkrämpfe oder Superfood für die tolle Figur. Jeder kennt die nett gemeinten, aber oft falsch interpretierten Ernährungsmythen, die sich meist hartnäckig halten. Welche davon stimmen wirklich? Wir nehmen dieses Thema genauer unter die Lupe. Dafür haben wir bei Hannah, einer Fitness- und Ernährungsexpertin nachgefragt.

1. Magnesium gegen Muskelkrämpfe

Diese Art von Krämpfen treten besonders nach extremer sportlicher Belastung, Flüssigkeitsmangel oder nachts in Ruhe auf. Bei einem akuten Krampf hilft eine weiche Massage, um den Krampf zu lösen. Die Ferse nach unten drücken und gleichzeitig die Zehen nach oben ziehen, bringt auch erste Linderung.

Oft liegen Muskelkrämpfen aber nicht nur einem Mangel an Magnesium, sondern auch an Calcium. Dies kann durch verschiedene Faktoren, wie einer entsprechenden Ernährung vermindert werden.

2. Vitaminsupplemente als Erkältungsprophylaxe

Besser: drei bis fünf Portionen Obst und Gemüse am Tag. Frischer Ingwer bringt mehr als Vitaminsupplemente. Aber Achtung: Obst enthält zwar viele Vitamine, aber auch viel Fruchtzucker, der in großen Mengen auch dick machen kann. Beeren gehören zu den kalorien- und zuckerarmen Früchten.

3. Fett macht dick

Nein, das stimmt so nicht. Fett besitzt eine hohe Energiedichte und deshalb sollte man darauf achten vor allem gesunde, ungesättigte Fettsäuren zu sich zu nehmen. Dies ist beispielsweise in Nüssen oder Olivenöl enthalten. Verzehrt in entsprechenden Mengen bringt es einen sehr hohen Sättigungsgrad.

4. Abends keine Kohlenhydrate

Falsch, denn der Körper kennt keine Uhrzeit. Die Tages-Energiebilanz zählt und die über den Tag aufgenommene Menge an Kalorien entscheidet letzendlich über das Gewicht. Vor sportlichen Leistungen am nächsten Tag sind Kohlehydrate sehr wichtig, um die Glykogenspeicher aufzufüllen. Plant ihr allerdings am nächsten Morgen keinen Sport oder nur eine lockere Einheit, dann könnt ihr abends auf Kohlehydrate verzichten, denn nachts benötigt der Körper keine zusätzliche Energie.

5. Ausschließlich Leitungswasser ist ausreichend

Vor allem bei sportlichen Betätigungen oder übermäßigem Schwitzen solltet ihr auf eure Mineralstoffverteilung achten. Greift gegebenenfalls auf eine Trinklösung mit Zucker und Salz zurück. Dies kann beispielsweise eine Fruchtsaftschorle sein, um den Mangel auszugleichen. Wer dies schlecht verträgt, trinkt idealerweise Elektrolytgetränke.

Die Empfehlung drei Liter Wasser pro Tag zu trinken, ist ebenfals veraltet. Jeder kann seinen Flüssigkeitbedarf selbst errechnen. Nehmt einfach euer Körpergwicht mal 0,03. Wiegt ihr zum Beispiel 60 kg, dann entspricht das einem Bedarf von 1,8 Litern pro Tag.

6. Pflanzliches Eiweiß ist weniger hochwertig wie tierisches

Wir benötigen nicht zwangsläufig Fleisch. Denn die Nährstoffe, die unserem Körper durch den Verzicht auf Fleisch fehlen, können durch Milchprodukte, Eier oder Fisch ersetzt werden. Auch mit veganer Ernährung kann man ein komplett gesundes Leben verbringen. Allerdings sollte hier überprüft werden, ob ein Mangel an Vitamin B12 vorliegt, da dieses in Pflanzen kaum vorhanden ist.

7. Tiefkühl-Obst oder -Gemüse ist weniger nährstoffreich als frisches

Verschiedene Untersuchungen haben gezeigt, dass tiefgekühltes Gemüse mehr Vitamin C enthält als frisches Gemüse. Denn durch das schnelle Schockfrosten werden die Vitamine besser konserviert. Frisches Gemüse verliert durch den Transport und die Lagerung viel Vitamin C. Bei der Zubereitung sollte darauf geachtet werden, dass wenig Wasser verwendet wird. Denn dabei werden wertvolle Vitamine und Mineralstoffe zerstört. Brokkoli und Blumenkohl sollte beispielsweise nur gedämpft und nicht gekocht werden.

8. Weizen vs. Vollkorn

Warum sind Vollkornprodukte eigentlich gesünder als Weizenprodukte? Dies fängt bereits bei der Herstellung an. Denn Vollkornmehl wird aus den Randschichten und dem Keimling des Korns produziert, während Weißmehl ausschließlich aus dem Mehlkörper gewonnen wird. Dieser ist Hauptbestandteil des Getreidekorns und enthält vor allem Stärke. In den Randschichten und dem Keimling sind mehr Vitamine, Mineral- und Ballasstoffe enthalten. Weizenbrot enthält im Vergleich nur ca. ein Drittel dieser Nährstoffe. Ein großer Pluspunkt an Vollkornprodukten ist der langsamere Anstieg des Blutzuckerspiegels. Dies liegt vor allem an den langkettigen Sacchariden, die im Magen langsamer verarbeitet werden müssen. Wir bleiben damit über einen längeren Zeitraum satt.

Wusstet ihr, dass beim Bäcker oftmals Brote oder Semmeln nur eingefärbt werden durch Zugabe von bestimmten Zutaten? So machen sie einen gesünderen Eindruck und werden häufiger gekauft. Ein Blick auf die Zutatenliste zeigt, dass in diesen vermeintlichen Vollkornprodukten eine Mischung aus Weizenmehl Typ 405 und Malzextrakt steckt. Allerdings darf nur Brot, dass zu mindestens 90 Prozent aus Vollkornmehl oder -schrot besteht als Vollkornbrot bezeichnet werden.

9. Superfoods haben Superkräfte

Viele der exotischen Pflanzen enthalten zwar wertvolle Nährstoffe, aber es gibt fast immer eine regionale, heimische Alternative dazu. Diese kommt aus Deutschland, ist preiswerter und schmeckt teilweise sogar besser. Die meisten Superfoods haben auf Grund ihrer Herkunft eine schlechte Ökobilanz. Sie werden aus weit entfernten Regionen eingeflogen und sind mit Pestiziden belastet.

Chia- vs. Leinsamen: Chiasamen enthalten Ballaststoffe und gesunde Omega-3-Fettsäuren und der Kaliumgehalt ist doppelt so hoch wie bei Bananen. Allerdings verwendet man bei Chiasamen wenige Teelöffel, weshalb sie im Gegensatz zu einer ganzen Banane dann wieder wenig Calcium liefert. Außerdem führt der Boom um die Samen in den Anbaugebieten zu Wassermangel, da dort eine künstliche Bewässerung notwendig ist. Als gesunde Alternative bieten sich Leinsamen, idealerweise geschrotet an. Neben Bananen gelten Himbeeren, Johannisbeeren, Blumenkohl, Brokkoli, Pilze oder Wildkräuter als guter Kaliumlieferant.

Avodacos gelten ebenfalls für viele als echtes Superfood. Blickt man jedoch hinter die Kulissen, stellt man schnell fest, dass diese beim Anbau extrem viel Wasser benötigen: Knapp 1.000 Liter für ein Kilogramm. Außerdem müssen sie aus weit entfernten Ländern eingeflogen werden. Gute Alternativen sind Walnüsse, Oliven und Obst, die zusammen ein vergleichbares Konstrukt an cholesterinausgleichenden Fettsäuren und Vitaminen bilden. Durch eine ausgewogene Mischkost kann man daher gut auf Avodados verzichten.

10. Müsliriegel sind ein optimaler Snack für Sportler

Der genaue Blick auf die Zutatenliste offenbart häufig schreckliches: eine lange Liste an komplizierten Inhaltsstoffen, Zucker, Glucose-, Fruktose-, sowie Reissirup oder Antioxidationsmittel. So ein Riegel enthält etwa 250 Kilokalorien oder mehr, also genausoviel wenn nicht sogar mehr als ein Schokoriegel. Der Effekt für die Figur geht dabei also schnell flöten. Eine Banane gegen das Leistungstief bringt einen besseren Energieschub und enthält darüber hinaus noch eine perfekte Nährstoffzusammensetzung.

foto-14.04.19-14-50-34.jpg