WAS ICH NOCH SAGEN WOLLTE… VORBILDER IN DEN SOZIALEN NETZWERKEN

„Auf gar keinen Fall!“ – „Marathon ohne Vorbereitung ist für mich Utopie, sogar bei einem trainierten Menschen wie dir!“ – „Würde mich wundern, weil sowas gar nicht deine Art ist!“ – „Bist erwachsen, is dein Körper, aber zu empfehlen wäre es nicht!“ – „Ich würde es dir nicht glauben / abkaufen, da du ja das genaue Gegenteil predigst.“ – „Ich würde es unvernünftig deinem Körper gegenüber finden, da es ja im trainierten Zustand schon krass ist.“ – „Kopf schütteln… weia!“ – „Nein, weil jeder sein Ding machen sollte. Still und heimlich halte ich denjenigen für dumm.“ – „Kopfschütteln und hoffen, dass es nicht viele deiner Follower nachmachen würden!“

Marathon ohne Training – wie würdest du reagieren, wenn dir jemand (in dem Fall ich) davon berichtet? Einige Reaktionen hab ich dir mal rausgefischt. Die Frage war, OB ihr reagieren würdet. Und wenn ja: WIE. Wie man sieht, würde ich ordentlich Gegenwind bekommen. Sicherlich vor allem deshalb, weil ich immer das Gegenteil predige. Vielleicht aber auch unabhängig von mir und meinen ewigen Predigten. Sondern aus reiner Vernunft.

Wie ich drauf komme? Wahrscheinlich genau deshalb, weil ich immer lamentiere, wie wichtig eine entsprechende Vorbereitung ist, wurde mir vermutlich „zugespielt“ (klingt super nach Verschwörung, so krass ist es aber nicht), dass jemand anders genau das getan hat. Marathon laufen ohne vorher (laut eigener Aussage) trainiert zu haben.  Und mir ist klar, dass es mich einen Scheiß angeht, wer was tut oder lässt. Trotzdem zerreißt es mich, wenn ich im Vergleich dazu sehe, wie viel ich trainiere. Und wie viel mehr noch andere trainieren. Gab natürlich eine riesige Diskussion. Von „Super, du bist ein Vorbild!“ bis „Bist du verrückt???“ Wobei die zweite Abteilung dafür wohl auch ordentlich Kritik einstecken musste. Und da macht´s bei mir echt „Knack!“, weil ich mich frage, ob das wirklich so unverständlich ist, dass man jemandem sagt, dass das Bullshit ist?! (Ich hab mir dann auch vorgestellt, wie schlimm wohl ein Marathon ohne Training sein muss. Nur trainiere ich ja eigentlich immer. Selbst wenn ich wenig laufe, komme ich locker auf 100-150km im Monat.)

Ich versuche mir auch wirklich, einzureden, dass es mich nichts angeht. Dass sich doch ruhig jeder selbst kaputt rennen kann, wenn er das unbedingt möchte. Aber dann doch bitte nicht „vor Publikum“! Mir ist nämlich völlig schleierhaft, warum die (meiner Meinung nach berechtigte!) Kritik so negativ aufgefasst wird. Was erwartet man denn, wenn man so eine Ankündigung macht? Wirklich nur Jubelschreie? Dass es dumm für den eigenen Körper ist – geschenkt! Jeder hat wahrscheinlich schon Dumheiten gemacht, von denen er ganz genau wusste, WIE dumm die sind.

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Wenn man dann aber auf die Kritik (ich rede nicht von Beschimpfungen und Beleidigungen, das geht NIE klar!) so argumentiert, dass man dafür ja kein Vorbild sein wolle,  dann krieg ich vor lauter Kopfschütteln hier fast ne Gehirnerschütterung! Wer öffentlich in sozialen (oder asozialen) Medien agiert, der kann sich doch nicht aussuchen, wann er als Vorbild angesehen wird und wann nicht. Wenn ich im Rahmen einer Kooperation dazu auffordere, Produkt xy mal näher zu betrachten oder Tipps für Wasweißich gebe, dann bin ich bei Dummheiten doch nicht raus aus der Sache. Und da hilft auch kein „Ich bin kein Profi“ oder „Jeder muss sich selbst damit auseinandersetzen!“ Wenn ICH irgendwas auf Instagram poste, dann IMMER aus folgenden Gründen: Ich möchte andere inspirieren UND vor allem mal Bestätigung erhalten. Warum geiert sonst jeder nach Likes, Reichweite, Kommentaren? #justsaying Und wenn ich erzähle, ich laufe heute Marathon, dann AUCH, damit ihr mich beklatscht. Sonst würde ich es doch nicht erzählen?! Laufen geht ja (verrückt, ich weiß!) auch ohne Publikum. Was also soll denn die Intention sein, wenn ich beispielsweise sage: „Ich laufe heute, aber weil ich mich nicht gut fühle, hab ich mir ne Ibuprofen eingeschmissen!“ (fiktives Beispiel!) Also welche Reaktion kann ich denn da erwarten? Und wäre es wirklich verwunderlich, wenn dann Leute sagen „Wie dumm kann man sein??“ Und welche Message sende ich denn damit an meine Follower? Sicher keine gute. Wenn mich Kritik diesbezüglich dann wirklich überrascht, also ich weiß nicht, dann stimmt doch was mit mir nicht??

Dann sollte ich lieber den Mund halten und meine Dummheiten für mich machen. Ohne jemandem davon zu erzählen. Denn tief drin weiß doch jeder, dass es dumm ist, trotz Verletzung bei einem Wettkampf zu starten. Oder ohne Vorbereitung. Oder mit Schmerzmitteln. Leute, es sind schon Marathonläufer gestorben! Passt bitte auf euch auf!

„…dann hättest du dir einen Mittelfingermittwoch verdient!“- „Ja, ich reagiere! Weil das nicht authentisch wäre!“ – „Ich würde dich darauf hinweisen, dass du weißt, dass es nicht ok ist.“ – „Wir sind verantwortlich für das, was wir tun, aber auch für das, was wir nicht tun: Ich würde dir abraten!“ – „Ich würde den Grund wissen wollen.“

PS: Nicht nur auf „DIE Influencer“ zeigen und sich selbst nicht „in der Schuld sehen“ (a la „Ich kann das ja machen, ich hab ja nicht so viele Follower“ / „ICH bin ja kein Influencer!“) – jeder, der ein öffentliches Profil hat, Tipps gibt, motivieren und / oder inspirieren will, ist doch ein „Influencer“ („to influence“ – „beeinflussen“) und da ist es egal, ob man 100 oder 100.000 Follower hat. Mich langweilt ein solches „Influencer-Bashing“ eh extrem und da könnte ich mich direkt wieder in Rage schreiben. Lass ich aber für heute sein. Der nächste Mittwoch kommt bestimmt. 😉