RENNRADTIPPS FÜR EINSTEIGER

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Als absoluter Rad-Newbie stellt mich jede Radtour vor neue Herausforderungen. Am Anfang sind es Probleme wie „schaffe ich es rechtzeitig auszuklicken?“ oder man ist zu doof, um während der Radtour einen Gang nach oben zu schalten und muss fremde Männer an Ampel anquatschen, die einem weiterhelfen. Irgendwann hört man von Wechselschläuchen und Satteltaschen, dabei hat man noch nie im Leben einen Schlauch selbst gewechselt. Pure Überforderung. Beim Laufen zieht man anfangs einfach Laufschuhe an, schmeißt sich in irgendwelche Sportklamotten und läuft los. Beim Radfahren sucht man das Radgeschäft anfangs mehrmals auf, stöbert in Fachportalen und ist trotzdem heillos überfordert. So geht es jedenfalls mir. Doch dank der besten Instagram-Community und der ein oder anderen Info aus dem Netz habe ich versucht mich aufzuschlauen und die absoluten Rad-Basic-Tipps hier zusammenzufassen. Laufen bleibt zwar die Top 1 Sportart, aber solche schönen Ausblicke kommen auf Radtouren öfters vor.

Rennrad, Gravel, oder Cyclocross: Welches Rad ist das richtige für mich?

Diese Entscheidung kann ich dir natürlich nicht abnehmen. Zuerst solltest du dich entscheiden, ob ein „reines“ Rennrad, ein Gravelbike oder ein Cyclocross für dich in Frage kommt. Indem du dir die Frage stellst, ob du im Sommer ordentlich Geschwindigkeit auf Asphalt zurücklegen oder lieber einen Allrounder möchtest, bist du einen Schritt weiter. Für Ersteres würde ich eher ein Rennrad in Betracht ziehen, für Zweiteres eher ein Gravel oder Cyclocross. Diese Beiden sind vom Gewicht her schwerer, bieten aber zahlreiche Vorteile. Die Grenze zwischen Gravelbikes und Cyclocross ist oft fließend. Beide haben gemeinsam, dass man mit ihnen durch Wiesen, oder über Schotter und Schlamm fahren kann.

Während der Cyclocrosser eher auf Wettkämpfe auf kürzere Distanzen ausgelegt ist, eignet sich das Gravelbike für Ausdauereinheiten. Das liegt vor allem an der Geometrie. Das Gravelbike hat ein vergleichsweise kurzes Oberrohr und ein langes Steuerrohr. Es eignet sich perfekt für Fahrer, die zwar größtenteils auf der Straße radln, aber auch gerne auf Schotter- und Waldböden abbiegen. Auf einem Gravelbike sitzt man etwas aufrechter, daher auch angenehmer und ist ruhiger auf langen Distanzen unterwegs. Diese Positionierung ist rückenschonender und war somit für mich das ausschlaggebende Kaufargument. Ich habe mich für das Model Silex 400 von merida entschieden: einem Traum in matt-schwarz.

Rahmengröße, Bikefitting und Radsattel: Auf was muss ich beim Kauf achten?

Die richtige Rahmengröße ist das allerwichtigste und kann durch kein Bikefitting optimiert werden. Anschließend folgt der passende Sattel. Ich hatte extrem Glück beim Kauf, da ich privat von einem Radprofi beraten wurde. Dank Mira’s connections und einem lieben Freund von ihr haben wir beide die für uns passende Rahmengröße (meines ist Größe S) gefunden und wurden zusätzlich mit den wichtigsten Tipps ausgestattet. Wer diese Hilfe nicht hat, dem lege ich nahe ein gutes Radgeschäft aufzusuchen. Vor allem am Anfang wird man online überschlagen mit Tipps und kennt sich zu wenig aus. Außerdem ist die Investition nicht ohne und sollte es deshalb zu 100 Prozent passen.

Vor allem aus der Instagram-Community kam oft der Hinweis auf ein sogenanntes Bikefitting, einer ausführlichen Sitz- und Sattelanalyse unter den Augen von Profis. Diese unterstützt dabei das Rad an die individuelle Körperform anzupassen und ist super, um Überlastungen vorzubeugen. Sie macht nicht nur für Profifahrer Sinn, sondern ebenfalls für Anfänger oder Gelegenheitsfahrer, da sie zu mehr Komfort auf dem Rad führt. Generell gibt es nicht die eine perfekte Position auf dem Fahrrad, sondern diese muss für jeden individuell nach Leistungszustand oder Trainingsziel gefunden werden.

Das Radlabor wurde beim Bikefitting öfters von euch empfohlen. Dort kann man auf Wunsch eine Satteldruckanalyse machen und verschiedene Sättel testen, um den passenden zu finden. Denn es gibt tausende verschiedene Sättel: von breiten, über schmale, lange, kurze, gepolsterte, über harte, absenkbare, gefederte… und und und. Für Frauen gibt es spezielle Frauensättel. All dies wird im Radgeschäft per Schablone vermessen und individuell angepasst. Und wenn man einmal den richtigen Sattel gefunden hat, ist eine super dick gepolsterte Hose eventuell überflüssig.

Tipps vor der allerersten Ausfahrt

Davon kann ich ein Lied singen. Nachdem ich die Klickpedale mit passenden Schuhen gekauft hatte, wollte ich am liebsten direkt aufs Rad steigen und losfahren. Dies ist allerdings nicht wirklich empfehlenswert, denn die Klickpedale stellen einen am Anfang vor die ein oder andere Herausforderung. Mich natürlich ebenfalls. Ich stellte mein Rad damals in meinen Türrahmen, klickte ein, wollte wieder ausklicken und nichts passierte. Ich habe es einfach überhaupt nicht gecheckt und musste dann die Schuhe am Rad lassen. Dank den Tipps unserer lieben Instagram-Community habe ich es dann doch rausgeschafft. Dies übte ich dann mehrmals, bis ich im Stand sicher war. Danach empfiehlt es sich diese Bewegung im langsamen Fahren zu üben. Der ideale Untergrund dafür ist eine Wiese, auf die man weich fällt, sollte es nicht klappen. Ich bin in eine ruhige Nebenstraße gegangen und klickte während des Auf- und Abfahrens mehrmals ein und aus. So bekam ich ein gutes Gefühl dafür und habe es auf meinen fünf Radtouren bisher unfallfrei geschafft. Trotzdem lassen die meisten Stimmen verlauten, dass kein Radfahrer mit Klickies ohne Sturz davon kommt. Und wenn es nur ein kräftiger Windstoß ist, der einen an der Ampel einfach umbläst.

On Tour: die richtige Ausstattung

Das wichtigste zuerst: NIEMALS OHNE HELM FAHREN! Denn der rettet im Notfall dein Leben. Und das kann schneller gehen, als man schauen kann. Ein Auto, das einen übersieht oder falsch gebremst beim schnellen Bergabfahren und zack liegst du auf der Straße. Die Brille zieht man übrigens über die Riemen des Helmes an. Wusste ich bislang auch nicht beziehungsweise habe ich es immer falsch gemacht. Der Grund dahinter wurde mir auf Instagram verraten: dies liegt nicht nur an der Aerodynamik, sondern ist sicherheitsrelevant. Denn erstens ist die Brille während der Fahrt leichter abziehbar, wenn zum Beispiele eine Fliege, Biene oder Wespe unter die Brille kommt. Und zweitens ist sie nicht im Weg, wenn die Riemen des Helmes arbeiten müssen, d.h. bei einem Unfall sind die Bügel der Brille nicht im Weg und stellen keine zusätzliche Verletzungsgefahr dar.

Was mir ebenfalls verraten wurde und vorher nicht bekannt war: Es gibt Brillen, die in Tunnels oder dunklen Unterführungen sich dem Licht anpassen. Das Tour-Magazin hat darüber einen Beitrag geschrieben inklusive Testberichte von einigen Modellen. Für Kontaktlinstenträger sind breite und große Radbrillen super, diese schützen noch mehr vor Staub oder Insekten. Meine Brille (die mit den rötlich verspiegelten Gläsern) ist von der Marke Mawaii. Obwohl ich vorher eher skeptisch war gegenüber diesen „halb-rahmenlosen“ Brillen macht es beim Radfahren total Sinn. Die Gläser sind relativ groß und bedecken eng anliegend alles, was geschützt werden muss.

Radfahren

Gar nicht empfehlenswert: seine Brille daheim zu vergessen und dies erst nach 20 Minuten festzustellen. So gesehen auf meiner zweiten Ausfahrt mit Mira (siehe Bild oben). Anfangs ging es noch, irgendwann wurde es richtig nervig und als ich daheim ankam, waren meine Augen blut-rot. Meine Kontaktlinsen bekam ich gerade noch so raus und dachte, dass ich jetzt eine Bindehautentzündung habe. Glücklicherweise haben sich die Augen über Nacht beruhigt und mir war es hoffentlich eine Lehre fürs Leben. Ebenfalls praktisch sind übrigens dünne Stirnbänder oder Schlauchtücher unter Helmen. Diese halten den Schweiß ab, sodass dieser nicht ins Auge rinnt.

Wer das allererste Mal Radkleidung anzieht, fühlt sich erstmal wie die Wurst in der Pelle. Denn diese fallen logischerweise sehr eng aus und sind direkt an der Haut anliegend. Die Radtrikots sind eher kürzer und mit Taschen ausgestattet. Meine beiden Trikots sind von CRAFT (Modellname: Hale – Glow Jersey): sie sind angenehm dünn und perfekt für Touren bei wärmeren Temperaturen geeignet. Unten schließen sie mit einem Bund aus Silikon ab, der sicherstellt, dass das Trikot nicht nach oben rutscht. In die drei offenen Einschubtaschen passen problemlos Gels, Riegel, GoPro, Handy und Taschentücher. Zusätzlich gibt es noch eine Tasche mit Reißverschluss, in die ich Schlüssel, Ausweis, Versichertenkarten und Geld verstaue. Diese Gegenstände kann man bei Bedarf in eine wasserdichte Tasche oder einen ZIP-Beutel packen, damit sie vor Schweiß geschützt sind.

Wenn es kälter ist, ziehe ich gerne ein eng anliegendes Longsleeve unter das Trikot. Praktisch sind sicherlich auch Armlinge, die bei Bedarf ausgezogen und hinten in die Taschen gestopft werden. Vor meiner Radtrikotzeit habe ich auch gerne dünne Laufjacken drübergezogen. Außerdem möchte ich mir sehr bald kurze Rad-Handschuhe zulegen. Gerade mit empfindlichen Händen bekommt man ohne Handschuhe schnell Blasen.

Meine Trinkflaschen und die dazu passenden Halterungen habe ich übrigens bei Decathlon besorgt. Dort sind sie preisgünstig und für meine Bedürfnisse völlig ausreichend. Und das wichtigste: sie sind ebenfalls schwarz und passen perfekt zu meinem Rad. Und wie Christian so schön auf Instagram sagte: „bevor man 20 Gramm an Gewicht an einem Carbon-Flaschenhalter spart, lieber am Bauchi sparen“, haha, ich musste sehr darüber lachen. Ich habe mir übrigens kürzlich eine Art Handy-Halterung fürs Rad zugelegt. Ich weiß, sowas sieht nicht gerade sexy und aerodynamisch aus, ist aber bei längeren Touren mega praktisch. So kann ich bei Bedarf die Strecke auf der Karte checken und verfahre mich nicht andauernd. Zusätzlich hast du immer einen Ersatzschlauch, eine Pumpe, ein Multitool und einen Reifenheber dabei. Falls euer Schlauch platzt, müsst ihr nicht heimlaufen oder die nächste Bushaltestelle im Nirgendwo suchen. Am besten sollte man den Schlauchwechsel vorher daheim üben. Für die Schläuche gibt es kleine Satteltaschen, die ich mir dringend zulegen sollte…

Ihr merkt, auch für mich gibt es noch sehr viel rund um das Thema Rad zu lernen und der ein oder andere Gegenstand fehlt mir noch. Auf Instagram wurde übrigens das Global Cycling Network empfohlen: diese haben super gute YouTube Erklärvideos zu allen Themen rund um die zweit schönste Sportart der Welt: dem Rennradfahren.