MONDAY MOTIVATION: MARATHON- UND IRON-GIRL KATHA LÄUFT UND LÄUFT UND LÄUFT: MIT HERZSCHRITTMACHER!

Der ein oder andere hatte sicher schon einmal eine kleinere oder größere Verletzung, die ihn zur Laufpause gezwungen hat. Mit einer entzündeten Achillessehne und einem Bänderriss im Knöchel hab ich mich selbst auch schon zweimal für (relativ) lange Zeit ins Aus geschossen. Und natürlich rumgeheult. Ist aber – im Vergleich zu ernsten Erkrankungen – einfach lächerlich. Das wird einem in dem Moment natürlich nicht bewusst. Aber wenn man beispielsweise sieht, wie jemand mit einem Herzschrittmacher (!) Marathon (!!) und sogar einen Ironman (!!!!) finisht, dann erdet es doch ungemein. Deshalb stelle ich dir heute Katha vor. Diese Frau ist unglaublich und hat Motivation für mindestens ZEHN! Also nimm dir ein Stück!

1. Stell dich bitte kurz vor

Ich heiße Katharina Blach, bin 24 Jahre jung (alt), bin gelernte Physio- & Sporttherapeutin, arbeite allerdings zur Zeit nicht mehr in dem Beruf, da ich studieren werde, und ich laufe für mein Leben gern. Mittlerweile fahre ich auch Rad und schwimme, daher mache ich nun Triathlon. Die größte Liebe ist und bleibt aber definitiv das Laufen! 

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Bei Katha lief das Schwimmen scheinbar besser als bei den beiden Männern…

2. Von Magersucht zum Marathon – wie kam es dazu? Was war der Auslöser, UM dein Leben zu kämpfen und nicht dagegen?

So richtig reingeschlittert bin ich in die Magersucht kurz vor meinem 19. Geburtstag und es wurde immer krasser; sehr viele Rückschläge und Verluste in ganz kurzer Zeit, das war einfach zu viel. Mein Opa ist zu der Zeit auch verstorben, was mich völlig aus der Bahn geworfen hat. Als ich ihn das letzte Mal gesehen habe, da bin ich gegangen und hab gesagt: „Opa, mach‘s gut!“ und er hat geantwortet: „Mein Mädchen, mach‘s besser!“ (und während ich das schreibe, heule ich wieder, weil ich ihn nach über sechs Jahren noch so sehr vermisse). Gelaufen bin ich bis dahin schon gern, aber dann hab ich in den letzten Dezembertagen 2013 an diese Worte gedacht, „Mach‘s besser!“ und da war klar: Ich brauche etwas, das meinem Leben einen Sinn gibt, ich trainiere für einen Marathon!

Sabrina Mockenhaupt kommt aus meiner Gegend und ich war (und bin) ihr größter Fan. Damals war ich in einer Klinik wegen der Magersucht und hab ihr geschrieben, dass ich zwar nicht auf Fanpost stehe, aber mich so riesig über ein Autogramm freuen würde und hab ihr meine Geschichte erzählt. Ein paar Tage später kam tatsächlich eine Antwort, Autogrammkarten samt einem Brief. Ich hab mich selbst aus der Klinik entlassen, meine Mama hat das mit mir allein zu Hause durchgezogen und gekocht was das Zeug hält, damit ich wiederum esse, was das Zeug hält. Und dafür durfte ich laufen. Für eine Magersüchtige ich es das Schlimmste, was passieren kann: Dieser Zwang zu essen. Aber meine Liebe zum Laufen war einfach größer als meine „Liebe“ zur Magersucht. Zum Hamburg Marathon am 4. Mai 2014 hatte ich mich schon Ende September 2013, also VOR meiner dunkelsten Zeit, angemeldet und das war auch das Ziel. Ich wollte es schaffen und ich hab’s geschafft. Am 4. Mai 2014 hab ich auf den 42.195km nicht nur wahnsinnig viel Strecke, sondern auch meine Magersucht ein ganzes Stück weit hinter mir gelassen und habe nach  3:54:16h meinem ersten Marathon in Hamburg gefinisht.

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3. Du hast einen Herzschrittmacher – warum  bzw. seit wann? 

Ich habe einen angeborenen Herzfehler, viele kleine Baustellen. Als Baby und Kind wurde ich ein paar Mal operiert, eigentlich hat mich der Herzfehler nicht großartig eingeschränkt. 2015 habe ich einen Schrittmacher bekommen, weil mein Herz zu schwach wurde. Das wollte ich aber so gar nicht akzeptieren und dann hat mir jemand gesagt „Das Herz ist ein Muskel wie jeder andere auch, den kannst du trainieren!“ – gesagt, getan! Irgendwann brauchte ich den Schrittmacher nicht mehr und am 18.08.2017 wurde er entfernt. Daraufhin hat sich eine schwere Herzmuskelentzündung entwickelt und es gab bis März 2019 zweimal täglich intravenös Antibiotika. Und ganz ehrlich? Das war eine richtig beschissene Zeit! Danach schien alles okay, bis der nächste Einbruch kam im Mai diesen Jahres, neuer Schrittmacher, extrem schwacher niedriger Puls, Rhythmusstörungen und dergleichen. Seitdem trage ich einen neuen Motor am Herzen, er sitzt aber noch falsch, sodass ich nächste Woche (Anm. d. Redaktion: Anfang August) nochmal operiert werde, um ihn besser zu platzieren. Dann stört er mich – vor allem beim Sport – nicht mehr so sehr.

4. Wie viele Marathons bist du bisher gelaufen? Was war dein größter Erfolg? Was ist dein größter Traum?

Insgesamt zehn Marathons: Hamburg (6x), New York, Berlin, Frankfurt, Düsseldorf. Wie man deutlich sieht: Hamburg ist mit Abstand der schönste; ich komme jedes Jahr wieder und steh seit 2014 ununterbrochen jährlich in der schönsten Stadt der Welt an der Startlinie, um Marathon zu laufen.

Mein größter Erfolg ist definitiv mein erster Marathon, weil‘s beim ersten Mal einfach unfassbar ist. Aber auch, weil ich bis 2018 nie mehr besser gelaufen bin als beim ersten Mal. Und: Hamburg Marathon 2019 in 3:34:25 und das einfach so, aus dem Ironman-Training heraus (mit Dixie-Stopp! – Anm. d. Redaktion)

5. Wenn Marathon nicht mehr genug ist… Woher kam das Ziel „IRONMAN“? 

Ich hatte 2016 einen Meniskusriss und musste wegen zunehmender Knieschmerzen das Laufen zurückstellen. Also mussten Alternativsportarten her. Ich bin viel Rad gefahren und geschwommen. Im Sommer 2016 hab ich beim Frankfurt City Triathlon zugeschaut und jemanden supportet; da hab ich mir geschworen: Du startest hier nächstes Jahr auch. Am 6. August 2017 stand ich dann wirklich dort am Start und hab meine erste olympische Distanz nach 2:48h gefinisht.

Und die Faszination Triathlon ist von klein auf da. Seitdem ich denken kann, sind meine Eltern mit meinem Bruder und mir am ersten Mai-Wochenende nach Buschhütten zum EJOT-Triathlon gefahren. Ich fand das schon immer faszinierend. Außerdem bedeuten drei Sportarten gleich mehr Trainingseinheiten und man mag es kaum glauben, aber für mich ist Training keine Strafe, sondern ich genieße jede Minute, in der ich trainieren darf; ich brenne da richtig für. 

Achso und natürlich, weil alle meine Ärzte (und auch alle anderen) meinten „Vom Schrittmacher zum Ironman? Nie im Leben!“ Da war mein Ehrgeiz dann so richtig geweckt. 

6. Der Rückschlag (aka neuer Herzschrittmacher) – Wie kann man mit so einer krassen Geschichte umgehen?

Ganz ehrlich? Es ist scheiße! Es ist so richtig kacke und da darf man auch mal ausrasten und heulen und schreien und alles kacke finden. Aber es ist eben nicht nur ein Rückschlag wie ein gebrochenes Bein, das wirft dich ja auch zurück, aber davon stirbst du nicht. In dem Moment, als mir wirklich bewusst wurde „Okay, du brauchst das Teil zum Überleben, ohne Motor war‘s das!“ , da hab ich‘s dann akzeptiert.

Und noch etwas ist passiert: Ich gehe seitdem anders mit meinem Körper um. Selbstliebe ist ja in aller Munde und ich belächle diesen Hype – um ehrlich zu sein – total. Aber mit der Schrittmacher-Implantation kam dann auch mehr und mehr das Bewusstsein, auf mich acht geben zu müssen. Seitdem höre ich noch deutlicher in mich rein, ansonsten hätte ich das weitere Training für den Ironman auch gar nicht absolvieren können. Das ist wie der Tanz auf einem Drahtseil. Ein komisches Gefühl beim Laufen, weil ich überpace? Oder weil ich Rhythmusstörungen hab? Seitdem bin ich verdammt vorsichtig, allerdings zu keinem Zeitpunkt ängstlich. 

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GIRL, YOU ROCK!

7. Dein Tipp für alle, die sich aktuell nur irgendwas wünschen („Ich wünschte, ich könnte…“ / „Ich wünschte, ich wäre…“ , es aber nicht anpacken?

Einfach machen. Einfach loslegen. Nicht irgendwann, sondern JETZT. Außerhalb der Box denken! Stellt euch was vor, was total wahnsinnig und viel zu groß erscheint. Träumt von den 150%, arbeitet für die 150%, vielleicht erreicht ihr die nicht ganz, aber dafür dann die 100%!

Außerdem: Das Leben kann so schnell vorbei sein und wenn ihr‘s nicht probiert, wisst ihr nicht, ob es jemals geklappt hätte. Meist ist es nur eine Floskel und ich dachte immer „Ich leb als ob ich morgen tot wär“ ist ne schöne Songzeile von Cro, aber im Mai diesen Jahres hab ich – mal wieder – gezeigt bekommen, dass es fast zu spät gewesen wäre. Wacht auf, realisiert, dass es immer schnell vorbei sein kann! Krankheiten können aus dem Nichts kommen, Unfälle passieren, Dinge ändern sich. Also steht auf und macht es einfach! Es wird nicht leicht und das wird viel Kraft, Tränen und Schweiß kosten, aber am Ende zählt nicht, WIE man es schafft, sondern DAS man es geschafft hat. 

8. Was möchtest du deinen (und unseren) Followern mitgeben?

Macht euch frei von Grenzen und Limits und lasst euch um Himmels Willen von Niemandem sagen, was ihr könnt und was nicht. Ihr ganz alleine entscheidet und wenn ihr einen Traum habt, dann wartet nicht drauf, dass sich die äußeren Umstände verbessern, sondern verbessert sie selbst. Es ist nicht immer leicht und auch ich hab Tage, an denen ich mich schlecht fühle und allein und ich denke, dass mich niemand versteht und dass ich immer allein auf weiter Flur kämpfe. Aber am Ende hat es sich immer gelohnt. Und noch was: Sucht euch Ziele, die zu euch passen. Bei mir sind es der Marathon und der Ironman, bei euch kann das was ganz anderes sein, vielleicht auch etwas, was nix mit Sport zu tun hat. Und dann macht es einfach, ohne euch darum zu scheren, wie es auf Andere wirkt. Ihr müsst niemandem etwas beweisen!

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KRÖTENPOWER

Als ich in Hamburg den Ironman gemacht hab, da hatte ich ständig Gänsehaut. So viele Leute haben mich umarmt und gesagt, dass sie‘s geil finden, was ich mache und dass ich so krass bin, dass ich’s echt durchziehe. Aber am Ende, auf dem letzten Kilometer, da hab ich geheult, weil ich es für mich ganz allein geschafft hab. Im Ziel ist mein Bruder völlig ausgerastet, er und meine Eltern waren so stolz. Aber das waren sie auch, schon bevor ich überhaupt gestartet bin. Euer Wert hängt nicht von eurer Leistung ab! Aber das Gefühl, was ihr euch damit erschafft, wenn ihr eure Träume erfüllt und lebt, das bleibt für immer. 

Du kannst (nein, du MUSST!) Katha auf Instagram folgen. Sie hat da auch gerne ähnliche Ausraster wie ich. Sehr zu empfehlen für alle Fans des Mittelfingermittwochs. 😉