THINK POSITIVE: SO WIRD DEIN ERSTER (HALB)MARATHON EIN VOLLER ERFOLG

„Um mir selbst zu beweisen, dass ich das schaffe!“ – „Weil ich eine neue Herausforderung suche und brauche!“ – „Weil ich Bock habe, an diese Grenze zu gehen.“ – „Mich motiviert nur ein zielgerichtetes und strukturiertes Training.“ (Zum Thema Ziele gibt´s sogar schon einen eigenen Blogpost.) – „Ich will es einfach mal gemacht haben!“

Vor einigen Wochen habe ich in die Runde gefragt, wer noch in diesem Jahr seinen ersten (Halb)Marathon läuft. Die meist genannten Antworten habe ich direkt als Einstieg genutzt. 

Auf die Frage, woran die „Erststarter“ beim Gedanken ans Training und den „Tag der Tage“ vor allem denken, antworteten sie unter anderem (ich habe auch hier die Antworten mit den meisten Nennungen ausgewählt):

  • Ich freue mich einfach drauf! 
  • Ich will einfach nur durchhalten und das Ganze genießen.
  • Ich habe Respekt vor der Distanz.
  • Ich habe Angst, zu viel oder zu wenig zu trainieren. 
  • Ich frage mich, wie ich jemals so lange am Stück laufen soll.
  • Ich habe Angst / Panik zu versagen und den (Halb)Marathon nicht zu schaffen.

Dass so viele Läufer und Läuferinnen aus der Community Angst vor falschem Training haben oder sich Sorgen machen, den Lauf gar nicht zu schaffen, hat mich längere Zeit beschäftigt. Weder vor meinem ersten Halb- noch vor meinem ersten „ganzen“ Marathon war das für mich jemals ein Thema. Klar, ich konnte nie einschätzen, wie lange ich brauche (was aber am doch eher vogelwilden Training lag, wenn man sich das rückblickend anschaut), aber DASS ich ins Ziel kommen würde, stand immer fest. 

Diese Sicherheit möchte ich euch ebenfalls gerne mit auf den Weg geben. Auch wenn´s leichter gesagt als getan ist: Schluss mit solchen Gedanken!

  • Überlege dir stattdessen lieber, was das für ein tolles Gefühl sein wird, wenn du nach all dem Training über die Ziellinie läufst!
  • Wie wirst du dich fühlen? Erleichtert? Stolz? Wirst du vielleicht sogar weinen vor Glück?
  • Wer wird dich am Streckenrand anfeuern und wer wartet im Ziel auf dich?
IMG_E5164
Dieses Gefühl im Ziel: Unbeschreiblich!

Solche kleinen Anker bringen dich auf jeden Fall durch das (oft seeehr anstrengende und kräftezehrende) Training und dann natürlich auch durch den Wettkampf.

  • Positioniere Familie und Freunde an der Strecke. Verpflegungspunkte sind zwar auch ein netter Grund, weshalb man weiterlaufen sollte, aber reale Personen, die du kennst und die dich kurz abklatschen oder drücken, sind einfach noch viel, viel mehr wert. Und die willst du doch nicht bei Kilometer 17 / 37 stehen und auf dich warten lassen?!
  • Teil dir gedanklich das Rennen in kleinere Abschnitte ein: Beim Marathon hilft es beispielsweise, alle fünf Kilometer einen gedanklichen Haken zu machen. 8x5km sind doch gleich viel weniger als 40! Und die 2,195km am Ende – die schaffst du doch im Schlaf!
  • Lege dir gedanklich Lieder für diese „Kilometerblöcke“ fest. Das kann dich ordentlich pushen. Falls du dich unsicher fühlst und im Training ausschließlich mit Musik gelaufen bist, kannst du natürlich auch Kopfhörer mitnehmen. Ich bin mittlerweile zwar absolut gegen Musik im Wettkampf, allerdings hat mir das anfangs auch immer sehr geholfen. Achte jedoch unbedingt darauf, dass du noch was von deiner Umgebung mitbekommst.
  • Vergegenwärtige dir im Wettkampf, was du schon alles geschafft hast: Nach elf Kilometern im Halbmarathon macht es so beispielsweise Sinn, an eben diese elf Kilometer zu denken mit dem Wissen, dass du den größten Batzen abgehakt hast. Nach vorne schauen („noch xy Kilometer“) empfiehlt sich meiner Meinung nach frühestens, wenn die verbleibenden Kilometer einstellig sind, besser noch ab fünf und weniger Kilometern to go.
  • Erinnere dich, weshalb du dich überhaupt angemeldet hast! Du wolltest dir oder auch anderen beweisen, dass du einen (Halb)Marathon schaffst? Dann TU ES!
  • Falls es wirklich ganz schwer wird – im Halbmarathon gerne um Kilometer 17/18, beim Marathon so um Kilometer 35-37 – dann versuche, an den Zieleinlauf zu denken. Dafür hast du trainiert, jetzt ist es nicht mehr weit und DU.WIRST.HIER.HEUTE.FINISHEN.

Für die Extra-Dosis Motivation und Positives Denken habe ich zusätzlich noch ein paar gestandene (Halb)Marathon-Finisher nach ihren besten Tipps befragt:

Dennis kennst du ja sicherlich schon, das Rennwiesel schlechthin. Er läuft seit 2014 regelmäßig und hat mittlerweile so einige Marathons weit unter 3 Stunden in den Asphalt gebrannt. Zum „großen Läuferglück“ fehlt im derzeit auch nur noch der London Marathon, um die Major Six zu vollenden. Von diversen vorderen Platzierungen bei Ultratrails ganz zu schweigen. Und trotzdem startete er seine Läuferkarriere nicht um des Laufens willen: „Damals wollte ich meine Fitness beim Fußball kicken verbessern.“ Woran er bei der Vorbereitung auf seinen ersten (Halb)Marathon gedacht hat? „Ach, ehrlich gesagt, weiß ich das nicht so genau. Ich glaube, ich habe einfach von Training zu Training gedacht und wollte immer dran bleiben. Kontinuität ist der Schlüssel zum Erfolg! Das Ziel war ganz klar im Fokus. Auch wichtig war es, dass ICH es wollte und ich nicht jemand anderem etwas beweisen musste. Deshalb hatte ich nie Zweifel. Klar gab es Phasen, wo Einheiten schwerer fielen als die anderen, aber grundsätzlich wollte ich einfach über die Ziellinie kommen.

Dennis´ Top-Tipp für alle (Halb)Marathon-Newbies? „Definiere ein realistisches Zeil, bleib dran und verlier nicht die Motivation! Es lohnt sich, denn geerntet wird zum Schluss!“

Du willst auch ein Rennwiesel werden? Dann lass dich von Dennis trainieren! Du kannst ihn per Mail (finisher@runskills.de) oder über seine Instagram-Seite kontaktieren. 

Dennis
Happy Denize nach dem Staffelmarathon bei der Challenge Roth

Marian und Shari (kurz „Die Sharians“) sind krasse Vorbilder für mich. Unglaublich, was dieses „Powercouple“ abliefert. Die MUSSTE ich quasi ausquetschen, um euch ein bisschen ihrer Motivation abzugeben. 

Wie lange lauft ihr schon regelmäßig? Wann habt ihr euch für euren ersten (Halb)Marathon angemeldet – also wie lange vorher seid ihr schon regelmäßig gelaufen?

Marian: Definiere „regelmäßig“, haha. Wenn 1-2 mal im Monat auch als regelmäßig durchgeht, dann schon lange. Eine richtige Regelmäßigkeit pro Woche habe ich seit März 2016 drin. Die Anmeldung zum ersten Halbmarathon müsste dann Ende 2016 gewesen sein, der Lauf selber war im April 2017. D.h. ich bin bereits mindestens 6 Monate lang regelmäßig gelaufen, bevor ich mich entschieden habe einige Wochen strukturiert auf einen Halbmarathon hinzutrainieren.

Shari: Ich laufe seit Oktober 2016 regelmäßig, heißt 4-5 mal pro Woche. Angemeldet für meinen ersten Halbmarathon habe ich mich Anfang 2017 – das war der Forstenrieder Volkslauf Anfang April. Das war dann schon in der Vorbereitung auf das große Ziel: Den München-Marathon im Oktober 2017. Ich bin also schon ca. 6 Monate vorher regelmäßig gelaufen.

Als ihr euch auf euren ersten (Halb)Marathon vorbereitet habt… Könnt ihr euch noch daran erinnern, woran ihr hauptsächlich dachtet?

Shari: Meine Zielzeit zu schaffen. Ich wollte so gerne unter 01:50h laufen. Und somit den Trainingsplan (Herbert Steffyn-Plan) komplett zu verfolgen und mich daran zu halten (Hat mit 01:51h nicht ganz funktioniert, war aber völlig in Ordnung. Mehr wäre nicht gegangen.)

Marian: Nicht wirklich… Bammel hatte ich auf jeden Fall keinen. Anders als z.B. Shari, die ja wirklich bei null angefangen hat und froh war, als sie 3km am Stück laufen konnte, war ich über die Jahre immer mal wieder gelegentlich laufen und meist auch so 7 bis 10 km und nie langsamer als 6er-Pace. Die Halbmarathon-Distanz war ich auch bereits einige Male gelaufen, ums Schaffen hab ich mir also keine Gedanken gemacht… nur um die Zielzeit (hat aber geklappt, wenn auch knapp).

SHari
Shari bei ihrem ersten Halbmarathon

Habt ihr jemals daran gedacht, ihr könntet die Motivation verlieren (nicht zu verwechseln mit „In Woche 10 von 12 hatte ich echt keinen Bock mehr.“ oder „Warum nur hab ich mich angemeldet?“, während man schon im Startblock steht), euch verletzen oder das Rennen nicht finishen?

Marian: Nein, hab ich nicht… auch über Verletzungen hab ich in der Vorbereitung auf den ersten Halbmarathon nicht groß nachgedacht. Das ging erst in der Vorbereitung auf den zweiten Halbmarathon los. Mir hat das Laufen einfach immer Spaß gemacht und ich wollte das unbedingt durchziehen. Warum hätte ich da aufhören sollen? Ich glaube aber schon, dass nicht jeder dafür gemacht ist. Viele denken, dass sie laufen müssten, weil das gerade irgendwie ein Trend ist oder weil´s einfach / günstig ist, beim Abnehmen hilft oder was weiß ich – laufen aus den falschen Gründen halt. Das sollte man schon für sich hinterfragen (am besten bevor das Motivationstief kommt).

Shari: Nein, rein gar nicht. Ich bin einmal ins Straucheln gekommen, als ich 2km-Intervalle nicht in der Zeit geschafft habe, die der Plan vorgesehen hatte. Da habe ich dann die Reißlinie gezogen und mir gesagt, dass ich im ersten Halbmarathon auch nicht direkt mega-schnell sein muss. Ansonsten bin ich ein sehr disziplinierter Mensch und wenn ich für eine neue PB (Personal Best) trainiere, mache ich es auch richtig. Selbst wenn ich so gar keine Lust habe, wird trainiert. Da gibt’s für mich keine Ausreden (was schnell ins Übertraining führen kann – Stichwort Läuferknie, Räusper. Angst vor Verletzungen oder einem DNF (Did Not Finish) hatte ich auch nicht. Ich wusste, dass mein Wille für ein DNF zu groß ist. Und Läuferverletzungen kannte ich damals noch viel zu wenig. Zum Glück!

Mari und Shari
DREAMTEAM: Shari und Marian / Foto: Philipp Reiter

Euer Top-Tipp für alle (Halb)Marathon-Newbies?

Shari: Im Training: Mach lange GA1-Läufe! Nach Möglichkeit uf nüchternem Magen und natürlich ach Läufe, bei denen du deine Wettkampfversorgung übst. Und auch ein schlechter Lauf bringt dich vorwärts, besonders mental. 

Wenn du am Start stehst: Bleib locker. Du tust das, was du am meisten liebst: Laufen. Mehr musst du nicht machen. Genieß es! Lauf mit einem Lächeln und schau dich um. Interagiere mit der Umwelt, den anderen Läufern. So bekommst du gar nicht mit, ob dein Körper gerade nicht mehr will. 

Marian: Spaß haben, schön langsam laufen (gerade am Anfang) und sich Zeit lassen (sowohl mit der Strecke als auch mit dem Steigern der Umfänge). Am besten ergänzend noch ein bisschen Krafttraining (dann klappts vielleicht auch mit dem Abnehmen). Ich weiß, sagt einem jeder, trotzdem hält sich irgendwie kaum jemand dran, also mach ich’s einfach auch nochmal. Dennis (das Rennwiesel, siehe oben) hat es in seiner Story nach dem Allgäu-Triathlon ganz schön ausgedrückt: Besser ein DNF als ein DNT (Did Not Try). Darüber hinaus wird´s wirklich schwierig, es in Worte zu fassen… und es hat auch nicht mehr viel mit einem konkreten Ziel wie einem (Halb-) Marathon zu tun, sondern eher mit dem Laufen bzw. der Reise oder der Entwicklung an sich, die weit über das eine Ziel hinausgeht. Laufen gibt einem einfach so viel: Man lernt Dinge über seinen Körper und über sich selber, die man nie geahnt hätte. Man denkt über viele Sachen ganz anders nach, verschiebt Prioritäten, entwickelt sich weiter – man lebt irgendwie intensiver.

Mari
Zieleinlauf bei den 4TRAILS. Foto: Philipp Reiter

Mein süße kleine Mira darf bei solchen Runden auch nicht fehlen. Ach, was waren Laura und ich stolz, als sie an der Startlinie ihres ersten Marathons stand und wir durch die halbe Stadt fuhren, um ihr so oft wie möglich zuzujubeln. Mira hatte damals schon für uns (und euch) einen richtig coolen Blogpost geschrieben, den du hier (nochmal) nachlesen kannst. 

„Ich bin schon während der Schulzeit 10km-Wettkämpfe gelaufen. Vor allem während des Abiturs und in den Prüfungsphasen des Studiums war ich viel laufen, weil: In der Zeit musste ich nicht lernen, haha!  So bin ich (Isabell) übrigens auch zur Läuferin geworden. 2012 während des Besuches einer Studienfreundin in London haben wir zu dritt beschlossen, dass wir noch im selben Jahr unseren ersten Halbmarathon in München laufen. Danach haben wir immer zweimal im Jahr einen Städtetrip gemacht und das immer mit einen Halbmarathon verknüpft. 2016 bin ich dann meinen ersten Marathon gelaufen. Also nach vier Jahren regelmäßigem Training und Wettkampf. Ich hab mich dann einfach auf den Trainingsplan konzentriert und mir gedacht, wenn ich den durchziehe, dann wird das Rennen auch gut. Und ich hatte Lust drauf, den Wettkampf dann zu starten.

Ob ich jemals ans Scheitern gedacht habe? NEIN. Dann wäre es die falsche Motivation gewesen! Wenn ich das für MICH mache, dann bin ich intrinsisch so motiviert, dass mich nichts aufhalten kann. Bei den langen Kanten wird klar irgendwann mal gemeckert, aber eigentlich will man es ja nicht anderes und ist auch stolz auf sich, wenn man das durchzieht, bei Wind und Wetter. Wenn man das allerdings nur macht, um sagen zu können, ich bin nen Marathon gelaufen, dann ist das denke ich nicht die beste Motivation und es kann hart werden. Mit Leidenschaft schafft man alles, was Leiden schafft.”

Miras Super-Tipp für alle (Halb)Marathon-Erststarter: „Mach dir nicht zu viele Gedanken! Hol dir einen guten Trainingsplan und such dir Gleichgesinnte – dann kann nichts mehr schief gehen. Und der Körper sagt einem so viel, du musst nur zuhören!“

Foto 04.11.18, 21 24 30
Mira hat mich durch den NYC Marathon gepusht!

SIE ist die, „die immer lacht“! Wer Jenny kennt, der kennt sie ganz sicher nur so: STRAHLEND. Und ein ganz kleines Bisschen hyperaktiv. Die Frau steht gefühlt permanent unter Strom, kann nicht stillsitzen und motiviert mich persönlich allein durch ihre pure Lust am Leben. Und deshalb ist sie ebenfalls in diesen Blogpost „hineingeraten“. Ihre Antworten hätten übrigens für einen eigenen Blogpost gereicht, da musste ich ganz schön viel kürzen. 😉

Wie lange läufst du schon regelmäßig? Wann hast du dich für deinen ersten (Halb)Marathon angemeldet – also wie lange vorher bist du schon regelmäßig gelaufen?
 
Ich laufe seit 2013, aber erst seit 2016 auch draußen. Warum? Ich bin auf dem Laufband gestartet und obwohl ich bei meinem ersten „Wettkampf“ – dem 5k-Color-Run – Blut geleckt hatte, hatte ich Sorgen, bei weiteren Strecken irgendwann nicht mehr weiterlaufen zu können. Erst die adidas Runners Munich haben mir diese Sorgen nehmen können. Durch das Training (ich war bei JEDEM Lauf, weil ich etwas gefunden hatte das Spaß machte, in dem ich gut war und das ich in der Gruppe Gleichgesinnter noch mehr genoss) fühlte ich mich bereit, für meinen ersten Halbmarathon. Geplant war der für Oktober 2016 – im Rahmen des München Marathons. Über AR bekam ich jedoch die Gelegenheit Ende September schon den Tegernseelauf zu laufen. Ich war unglaublich aufgeregt, als ich im Starterfeld stand, hatte viel zu viel an, weil ich Angst hatte auszukühlen und wollte mir keine Zielzeit vornehmen. Ich hoffte jedoch, die 2h zu knacken. Die Uhr blieb bei unglaublichen 1:42:43h stehen!!! Klar, dass ich danach sofort wieder an der Startlinie stehen wollte. Sogar ein Marathon schien nun möglich.

Jenny
Wer nicht läuft, der cheert. Durch die adidas Runners wurde Jenny erst zur „Wettkampfsau“ und ist mittlerweile sogar einer von zwei Captains der Münchner Community.

Später wurde ich Teil der Crew (mittlerweile ist Jenny sogar Captain), übernahm also
Pacegruppen im wöchentlichen Training, ein unglaublicher Selbstbewusstseinsboost. Ich fühlte mich so zu Hause, beim Laufen und mit diesen ganzen tollen Menschen, die mittlerweile Freunde waren. Außerdem bekam ich einen Startplatz für den Berlin Marathon. In Berlin war ich ein reines Nervenbündel (verletzungsbedingt fiel das Training nicht so umfangreich aus wie es sollte), ich nahm mir vor es zu versuchen, aber ehrlich mit mir zu sein, wenn es nicht ging. Gemeinsam mit einem Freund lief ich super-konstant, ich hatte keine Schmerzen und permanent Gänsehaut wegen dieser unglaublichen Atmosphäre. Die Ziellinie zu überqueren war einer der ergreifendsten und surrealsten Momente meines Lebens. Ich fühlte mich unfassbar lebendig und gut und war stolz auf mich und meinen Körper und heulte vor Freude. Ich sah die ganzen leidenden Marathonis um mich und forderte sie auf, doch zu lachen und sich zu freuen. Dann bekam ich die Medaille umgehängt (man sollte sich die NIE in die Hand geben sondern immer umhängen lassen!!!) und war stolz, tatsächlich in unter 4 Stunden (3:52h) gefinisht zu haben. Ich wusste das war nicht der letzte Marathon meines Lebens. Ich wollte mehr von diesem Hochgefühl! (Lies hier auch, warum du deinen ersten Marathon nie vergessen wirst!)
 
Als du dich auf deinen ersten (Halb)Marathon vorbereitet hast… Kannst du dich noch daran erinnern, woran du hauptsächlich gedacht hast?
 
Halbmarathon: Keine explizite Vorbereitung nach Plan, sondern einfach sehr regelmäßige Läufe. Ich bin auch im Vorfeld privat einen Halbmarathon gelaufen, um mich abzusichern, dass ich das kann. (Anm. d. Redaktion: Hab ich damals auch gemacht. Ich hatte einen Zwei-Stunden-Lauf in meinem Plan und dachte dann nach 18 Kilometern, dass ich die restlichen drei Kilometern nun ruhig auch noch laufen könnte.)
 
Marathon: Verletzungsbedingt mussten Grundlagenausdauer und ein 20km- und ein 30km-Lauf ausreichen, sowie eine recht lange Pause direkt vor dem Marathon. Würde ich niemandem empfehlen; denn ich war so unsicher, da ich ja nicht wusste, was mein Körper zu Läufen über 30km sagt. Ich habe nie mit Plan trainiert und mache das bis heute nicht. Ich laufe einfach regelmäßig, mache mittlerweile auch Kraft- und Stabitraining und bouldere. Pflicht sind eine Intervalleinheit sowie ein Longrun pro Woche. Wenn das mal aus irgendwelchen Gründen nicht klappt, mache ich mir aber auch keinen Kopf. Woran ich gedacht habe? Ich dachte daran, wie cool es sein wird, so etwas geschafft zu haben! Und: Es ist sogar noch cooler, als ich es mir vorstellte!
 
Hast du jemals daran gedacht, du könntest die Motivation verlieren (nicht zu verwechseln mit „In Woche 10 von 12 hatte ich echt keinen Bock mehr.“ oder „Warum nur hab ich mich angemeldet?“, während man schon im Startblock steht), dich verletzen oder das Rennen nicht finishen?
 
Die Motivation verliere ich nie, dafür liebe ich das Laufen zu sehr. Meine Verletzungen sorgen jedoch für einige Zweifel, insbesondere am Morgen des Laufs. Am Vorabend muss daher immer ein Disney-Film geguckt werden, weil ich vor meinem ersten Marathon „König der Löwen“ sah und seitdem dieses Ritual brauche.

Jennys Top-Tipp(s) für alle (Halb)Marathon-Newbies: Nicht stressen lassen, weder von sich selbst noch von anderen. Es ist DEIN (Halb-)Marathon, deine Zeit ist egal, ist eh ´ne PB (Personal Best). Hör auf deinen Körper und gib das Beste, was du in dem Moment zu geben bereit bist. Bei Langdistanzläufen spielen so viele Faktoren eine Rolle dafür, ob der Lauf gut wird oder nicht, aber auch ein vermeintlich schlechtes Rennen ist ein Training für den nächsten Lauf. Und: Lächeln nicht vergessen! – Und wenn es nur für die Fotos ist, aber immer mal wieder zu lächeln, für die Musiker am Straßenrand und die anfeuernden Menschen zu klatschen, sowie High-Fives an Kinder zu verteilen (Pflicht!!!), hebt die Stimmung sofort.

Jenny_lacht
So kennt man Jenny: LACHEND / Foto: Christian Brecheis

Die Ober-Maschine bildet den würdigen Abschluss: Meine Freundin Marie aka Fitmedmary aka IRON MAN (GIRL?) 2019 ist echt ne Hammerbraut: Marie ist nicht nur Vollblut-Sportlerin, sondern auch Vollblut-Ärztin. Keine Ahnung, WIE sie Job, Training und Social Media unter einen Hut kriegt, aber falls du diesbezüglich Tipps brauchst, dann folge ihr unbedingt! (Unsere besten Tipps, wie du dein Lauftraining in den Alltag integrierst, findest du hier.)

Marie begann mit 15 Jahren mit Triathlon und hat es sogar in die Deutsche Nationalmannschaft geschafft). Ihren ersten offiziellen Halbmarathon lief sie 2016 am Tegernsee. (Ich war dabei, als sie den letzten Anstieg hochgeflogen ist, einfach unfassbar!) „Dieser war Vorbereitung meiner Marathonvorbereitung, welcher nur wenige Wochen später stattgefunden hat. Ein etwas ungewöhnliches Vorgehen, was aber auch dadurch bedingt war, dass ich schon zahlreiche Halbmarathon-Distanzen vorher im Training gelaufen bin, nur eben noch nicht im Wettkampf. Kurzum: Bis zu meinem ersten Marathon bin ich also bereits 11 Jahre regelmäßig gelaufen.“

„In der Vorbereitung auf den Marathon hat jeder vom Mann mit dem Hammer erzählt. Ich konnte mir nichts darunter vorstellen. Die Vorbereitung habe ich sehr ernst genommen, kein Training ausgelassen. Ich stand fit an der Startlinie und bei KM 33 wusste ich dann trotzdem, wer dieser Mann mit dem Hammer ist. 

Unicorns.jpg
Es ist immer wieder eine Freude, mit (bzw. hinter) Marie (Mitte) auf den Olympiaberg zu hecheln.

Ob sie jemals Gedanken hatte, ihren ersten Marathon nicht zu finishen? „Nein, diese Gedanken hatte ich nie. Ich bin fester Überzeugung, dass unser Kopf über unseren (entsprechend trainierten) Körper entscheidet. Warum es sich also noch schwerer machen, als es eh schon ist? All eyes on the prize!“

Maries Top-Tipp für alle (Halb)Marathon-Newbies?

Such dir einen erfahrenen Trainer und einen guten Trainingsplan, welcher sich in den Alltag integrieren lässt. Und den Plan arbeitest du strukturiert ab!“ (Du willst trainieren wie Marie? Dann schau mal hier bei ihr vorbei!)

„Mach dich nicht verrückt und denk dir während des Laufens einfach: Die anderen leiden auch grad. Das muss so sein. Dann ist der Zieleinlauf doppelt so schön :-)“

Mary
Frisch gebackener IRON MAN und dann auch noch 3. in der AK – WAHNSINN!

Du spielst mit dem Gedanken, dich für einen Marathon anzumelden? Ganz viele Tipps findest du in unserem Blogpost zum „MYTHOS MARATHON“. Meine FÜNF WICHTIGSTEN TIPPS habe ich dir ebenfalls vor längerer Zeit aufgeschrieben. Zur Vorbereitung empfehle ich außerdem „Laufen am Limit – Warum Marathon die größte Herausforderung für Läufer ist“ von Philipp Pflieger.

Du möchtest mehr zu mentalem Training erfahren? Dann hör unbedingt in diese  Podcastfolge von runskills rein. Zudem empfehle ich gerne noch einmal das Buch „Siegen ist Kopfsache“ – das ist zwar beim Verlag derzeit nicht auf Lager, aber ich will auch nicht auf Amazon verlinken. 😉

Ich wünsche dir alles Gute für deinen großen Tag. Freu dich drauf und genieß´ es einfach. Dafür hast du trainiert, jetzt kannst du endlich ernten.