MEIN STREAK-TAGEBUCH

„Für 1,6km zieh ich mir doch nicht die Schuhe an! Und dafür dann jeden Tag Sportsklamotten vollschwitzen? Also bitte, das lohnt sich doch nicht!“ Lange war das meine Meinung zum sogenannten Streak-Running. Dabei läuft man zum einen jeden Tag ohne Unterbrechnung und immer mindestens 1,6 Kilometer. Grundsätzlich kann man das so lange durchziehen, wie man will. In Sachen guter Vorsätze etc. ist natürlich der Januar prädestiniert für eine solche Aktion. Schon zum dritten Mal rief daher die Runner´s World zum Januar Streak auf und dieses Mal war ich trotz meiner Bedenken dabei. Überzeugt hatte mich Melanie (eine „Insta-Freundin“), die 2019 schon dabei war und meinte, es sei eine gute Vorbereitung für Ihr Marathontraining, das Ende Januar starten würde. Das erschien mir sinnvoll, zumal auch mein Training für den Halbmarathon Ende Januar starten sollte und ich nach meinem erneuten Bänderriss im Knöchel durchaus noch ein bisschen „Aufbautraining“ nötig hatte. Und dann hatte mich auch noch Eva angefixt, „jede Woche einen Marathon“ zu laufen. Natürlich nicht am Stück, sondern aufgeteilt auf sieben Tage pro Woche. Also durchschnittlich sechs Kilometer pro Tag. Erschien mir auch irgendwie „sinnvoller“ als „nur“ 1,6km am Tag. 

Was ich mir davon versprochen habe? Eigentlich wollte ich mir nur beweisen, dass ich das schaffe. UND dass ich mir dadurch NICHT die Lust am Laufen versauen würde. Das war nämlich auch immer so eine Sorge von mir, weshalb ich zuvor nie beim Streak-Running mitgemacht hab. Es würde sicher eine Herausforderung werden, wirklich JEDEN Tag zu laufen, egal, wie lang und / oder stressig der Arbeitstag war. Wichtig ist auf jeden Fall, sich gut zu organisieren. (Einen Blogpost zum Thema „Laufen trotz Stress“ habe ich im vergangenen Jahr geschrieben, der ist hier verlinkt.) Aber wenn ich „muss“, dann reiße ich mich in der Regel auch zusammen. Deshalb bin ich ja auch Fan von Trainingsplänen, wenn ich mich auf ein größeres Ziel vorbereite, weil sie meinem Alltag Struktur geben. (Meine Argumente PRO Trainingsplan und Infos, wo du einen guten Plan bekommst, findest du hier.)

TAG 1

Neujahr. Andere liegen verkatert den ganzen Tag im Bett oder auf dem Sofa. Ich hatte ein mega entspanntes Silvester mit meiner Schwester, ihrem Freund und Mira. Es war für uns also überhaupt kein Problem, direkt am 1. Januar mit der Lauferei zu starten. Gleichzeitig konnten wir das Angenehme mit dem Nützlichen verbinden, denn Susi und Dennis (runskills) und EDEKA Hertscheck hatten zum Plogging nach Neubiberg eingeladen. Und da kam Einiges zusammen. Also Müll. Kilometer nicht so viele, haha. 

TAG 2

Für mich ging´s direkt am 02.01.20 zurück ins Büro. Ich dachte, das wird ne chillige Angelegenheit  von wegen! Als ob alle Kunden nur darauf gewartet hätten, endlich ihr Geld bei uns loszuwerden, war ich den ganzen Tag beschäftigt, irgendwelche Anfragen zu beantworten. Davon übrigens keine einzige für mich, sondern nur für Kollegen. Umso mehr freute ich mich auf meinen Lauf abends, auch wenn ich super-neidisch auf alle war, die im Hellen laufen konnten. In München herrschte nämlich strahlender Sonnenschein und es kribbelte mir quasi den ganzen Tag in den Füßen. Zum Glück bin ich auch für Läufe im Dunkeln bestens ausgestattet. Zehn gemütliche Kilometer sind es am Ende geworden. (Ich musste ja quasi das „Loch“ vom Vortag stopfen.)

TAG 3

Morgens Spinning mit Laura, abends Tempolauf. So kann man den Tag gut zusammenfassen. Im Büro war´s deeeeutlich entspannter als am Vortag und ich konnte früh gehen, um noch im Hellen zu laufen. Das hat mich offensichtlich sehr beflügelt, ich war teilweise schneller als beim Silvesterlauf drei Tage vorher. 

TAG 4

Der vierte Streak-Tag war ein Samstag und dementsprechen „hart“ hab ich´s mir gegeben: Nach einem Workout im Fitnessstudio gab´s eine lockere Runde durch den Englischen Garten. Bei Regen und durch den matsch. Darauf hätte ich seeeehr gut verzichten können und ich schwöre, ohne die Challenge wäre ich an diesem Tag nicht raus gegangen. Die anschließende Sauna war dafür aber besonders gut. 

TAG 5

Intervalle. Am Sonntag. So früh, dass es kaum hell war. Plus Regen plus Wind. Kann ein Tag besser starten? Nur, wenn man verabredet ist. War ich zum Glück. Mit Mira, meiner „Arschloch-Intervalle“-Partnerin in Crime. Und auch dann könnte man sich wohl was Besseres vorstellen. Aber was denkst du, wie geil es war, als ich gegen 9 Uhr zurück war und nach der Badewanne wieder ins Bett gehen konnte? Richtig: SUPERGEIL!

TAG 6

Eine kurze, lockere Runde reicht mir heute. Und viiiel Yoga. Ist ja nicht so, dass ich eh schon verkürzt wäre. Das erhöhte Laufpensum macht es sicher nicht besser. Also dehnen, dehnen, dehnen. Plus ein paar Übungen für mein Sprunggelenk.

TAG 7

Der Wecker klingelt 5:45 Uhr, weil ich zum BodyPump verabredet bin. Ich hasse mich gerade selbst. Weil ich nicht nur so früh aufstehen muss, um rechtzeitig zum Kurs zu kommen, sondern weil ja abends noch der nächste Lauf „droht“. Im Laufe des Tages sehe ich, dass „alle anderen“ schon laufen waren und kriege auch wieder Bock. Yeah, Streak-Running is so much fun! 2,5 Kilometer fehlen mir noch zum „Wochen-Marathon“, das ist doch ein Klacks! Als ich nach Feierabend zum Laufen aufbreche, habe ich noch genau 15 Minuten zeit, bis GZSZ startet. Wenn das mal keine Motivation ist, den Turbo zu zünden. Nach drei Kilometern und 14:55min bin ich wieder zu Hause. Yeah!

3km

TAG 8

Der BodyPump-Kurs vom Vortag hat so richtig reingehauen. Ich wache nachts mehrfach auf, weil ich so schlimmen Muskelkater in den Armen, Schultern und der Brust spüre. Jedes Umdrehen tut weh – na prima! Die Freude, als der Wecker 5 Uhr zum Earlybird-Run klingelt, ist dementsprechend groß. Immerhin fühlen sich die Beine gut an und ich drehe eine lockere Runde über sechs Kilometer.

TAG 9

Und noch ein Earlybird-Run, dieses Mal sogar in Begleitung. Die liebe Lisa (folg ihr unbedingt auf Insta, sie kocht und backt so geile Sachen!) hatte sich bereit erklärt, mit mir eine morgendliche Runde zu drehen. Und abends gab´s Yoga mit Mira  – mega gut!

TAG 10

Was macht man, wenn man im Hellen laufen will und auch zur Post muss? Richtig, man nutzt direkt den Weg und erledigt beides auf einmal. So gab´s an Tag zehn eine schnelle Runde Richtung Olympiapark mit „Umweg“ über die Postfiliale und zurück. Aktuell finde ich den Streak noch ziemlich cool.

Tag 10

TAG 11

Vergiss, was ich zum „coolen“ Streak gesagt habe. Ich nehme alles zurück! Ich war heute den halben Tag mit einem Freund beim Langlaufen – gefühlt ging es nur bergauf und ich war danach einfach nur fertig. Auf meinen Pflicht-Lauf hatte ich danach so gar keine Lust. Und ehrlich gesagt hatte ich auch null Energie und eigentlich auch keine Zeit, da ich abends  verabredet war. Aber Streak ist Streak und deshalb bin ich nach meiner Rückkehr aus Seefeld direkt vom Parkplatz losgerannt (zum Glück war ich in Laufschuhen unterwegs) und hab so immerhin zwei Kilometer „abgerissen“. Puh, war das wirklich nötig?

TAG 12

Und nochmal ein vollgepackter Sporttag: Am Sonntag ging´s früh ins Fitnessstudio für ein kleines Workout und danach bin ich direkt in die Laufklamotten gesprungen und eine Runde „um den Block“ gerannt. Klar, ein Mini-Workout hätte ich zu Hause auch machen können. Aber nicht in die Sauna gehen. Das kam dann nämlich als dritter Punkt hinzu. Und abends war ich wieder beim Yoga. 

TAG 13

Was tun, wenn die Couch nach Feierabend sehr verlockend ist und förmlich nach einem ruft? Richtig, auf keinen Fall hinsetzen, sondern erst noch rennen! Noch einfach er wird das, wenn du deinen Heimweg direkt als Laufstrecke nutzt. So hab ich´s nämlich an Tag 13 gemacht: Laufklamotten mit ins Büro nehmen, Geld und Schlüssel in den Laufrucksack werfen, Stirnlampe auf und los geht´s!

TAG 13

TAG 14

Bei der ganzen Lauferei darf das Stabitraining nicht zu kurz kommen. Also startete ich an Tag 14 morgens mit einem Minibands-Workout in den Tag und abends gab´s noch eine kurze Runde, um die Marathondistanz vollzumachen. Dass ich wirklich eeewig auf ein GPS-Signal warten musste, wurde mir durch einen herrlichen Nachbarschaftsstreit um einen Parkplatz versüßt. Großartig, wie sich erwachsene Menschen verhalten! Und hey: Zwei volle Wochen Streak-Running sind „überstanden“!

TAG 15

Wenn der Wecker 5 Uhr klingelt… kann man ruhig auch noch bis 6 Uhr weiterschlafen. Der geplante Earlybird wurde also in den Abend verschoben. Ich hab mir zehn Kilometer „gegönnt“ und musste feststellen, dass das Laufen morgens doch schöner ist. Einfach schon deshalb, weil es so viel ruhiger ist! Im Olympiapark ging´s an dem Abend zu wie zum Sommer-Tollwood. Überall Radfahrer und Läufer in teilweise richtig großen Gruppen. Egal, ob alte Jogginghose, Winterparka oder sogar JEANS: Alle bewegen sich laufend fort und ich überlege, ob´s wohl an den milden Temperaturen liegt oder allgemein am Januar?!

TAG 16

Morgens laufen ist schöner als abends? Bitte vergiss mein Geschwätz von gestern. Ich hätte könnte heulen, als der Wecker morgens klingelte. Liegenbleiben ging aber nicht, da ich wieder verabredet war. Ich hab mich auf den ersten beiden Kilometer ungefähr so elegant fortbewegt wie ein Elefant, aber dann ging´s. Abends hab ich die müden Beine noch ausgiebig mit der Blackroll bearbeitet und so die „Streak-Halbzeit“ gefeiert. 

TAG 17

Heute gilt nur eins: Früh raus aus dem Büro und dann unbedingt noch im Hellen laufen gehen. In München hatten wir 10 Grad, da kann man auch mal in kurzer Hose rennen! Keine Ahnung, ob mich das Wetter beflügelt hat oder die Party, die für den Abend geplant war. Auf jeden Fall war ich fix unterwegs und fühlte mich unbesiegbar.

TAG 18

Gut, das mit dem „unbesiegbar“ war nur ein kurzes Strohfeuer. Ich komme mit dem  Kater des Jahres (ja, auch wenn erst Januar war, DAS war der Kater des Jahres!) kurz vor 8 Uhr zu mir. Die Party am Freitag ist doch deeeutlich aus dem Ruder gelaufen und meine eigentlich geplante Laufverabredung (sorry nochmal, liebe Petra!) muss ich absagen. Auf gar keinen Fall kann ich jetzt rennen. Also erstmal noch fünf weitere Stunden schlafen. Besser wurde es nicht, aber der Streak durfte nicht unterbrochen werden. Du kannst dir nicht vorstellen, wie schlimm es war, mir überhaupt die Schuhe anzuziehen und dann zwei Kilometer zu laufen. Kleiner Tipp: Spezi ist zwar DAS Wundermittel bei Kater, aber es ist ungünstig, wenn du vorm Laufen welche trinkst. Es ging mir wirklich unfassbar schlecht und ich konnte den Rest des Tages nur liegend verbringen. Dennoch habe ich mir „KUDOS“ verdient, dass ich überhaupt raus bin, oder? Ich hab zumindest jeden geschlagen, der den GANZEN Tag auf dem Sofa rumhing, hahaha.  

TAG 19

Den Kater hab ich überstanden, trotzdem schaue ich ziemlich doof aus der Wäsche, als der Wecker am Sonntag klingelte. 6:30 Uhr, am Sonntag, geht´s noch?! Tja, da Laura und ich für 9 Uhr verabredet waren, um Langlaufen zu gehen, musste ich in den sauren Apfel beißen. Denn dass ich abends erst recht keine Lust haben würde, um dann noch zu laufen, brauche ich nicht groß erklären, oder? War mir morgens schon klar. Also raus aus dem Bett, halbe Stunde laufen, duschen und Laura abholen. Spaß hatte ich beim Laufen übrigens KEIN BISSCHEN, weil ich´s so unnötig fand, zu laufen, wenn ich doch später eh auch noch Ausdauersport machen würde. Lustigerweise kamen genug Antworten auf meine Instastory, dass auch die anderen Mitstreiter nur noch so halb Bock hatten. Klar war aber: Wir ziehen das jetzt durch!

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TAG 20

Nach einem riiichtig geilen Frühstück ging´s am Montag für Laura und mich nochmal auf die Langlaufski. Wir hatten uns in Pertisau ziemlich blauäugig eine rote Loipe über 14 Kilometer rausgesucht: Es ging sieben Kilometer bergauf bis zur Gramai Alm und dementsprechend auch sieben Kilometer bergab. Wir haben beim Aufstieg sooooo geschwitzt und geflucht und dank des frischen Pulverschnees kamen wir auch kaum voran. Umso schneller flutschte es dann natürlich bergab, auch wenn das schööön auf die Oberschenkel ging. Mein Pflichtlauf nachmittags war dann auch besonders „schön“. Ich hab mich echt gequält auf meiner kurzen Runde durch Achenkirch, bei der´s auch gefühlt nur bergauf ging. Ich hatte Ü-BER-HAUPT keine Lust mehr. ZERO!

TAG 21

Auch heute ging´s nochmal auf die Langlaufski. 16 Kilometer standen am Ende auf der Uhr und ja, ich bin ziemlich k.o. Die Beine sind müde. Die Arme sind müde. ICH bin müde und wenn ich eins nicht machen will, dann laufen! Ich brauch nen Mittagsschlaf, sofort! Auf der anderen Seite sollte ich vielleicht doch lieber JETZT die Sonnen nutzen und bei Tageslicht laufen, oder? Außerdem wartet auf der Post ein kleines Schmuckstück auf mich. Hmmmm. Also Laufschuhe an, Perso eingepackt und ab zur Post. Der Lauf war dann rückblickend sogar ziemlich schön. 

TAG 22

Ich wache auf. Mein Hals kratzt. Sofort bin ich schlagartig wach und schlucke wieder und wieder. Sind das etwa Halsschmerzen??? Ja, sind es. Gehen auch den ganzen Tag nicht weg. Was für mich leider bedeutet, dass der Januarstreak hier und heute beendet wird. Laufen mit Halsschmerzen und/oder Fieber sind generell ein No Go. So kurz vorm Beginn meines eigentlichen Trainingsplans erst recht. Und obwohl ich die letzten Tag kaum noch Lust auf meinen täglichen Lauf hatte, werde ich traurig. Mich ärgert es total, dass ich unfreiwillig aufgeben MUSS. Denn auch wenn der Spaßfaktor deutlich abgenommen hatte, fand ich es trotzdem ziemlich cool, wie wir uns in der Community gegenseitig gepusht haben. Tja, Pech!

Doch obwohl ich den Streak nicht komplett durchgezogen habe, konnte ich einige Erkenntnisse mitnehmen und hab auch ein paar Tipps für dich, falls DU dich nun ebenfalls einmal daran versuchen willst:

  • Sportklamotten kann man ruhig auch zwei- oder dreimal anziehen. Das war ein richtiges AHA-Erlebnis für mich. Normalerweise fliegen meine Sachen direkt in die Wäsche. Durch die teilweise sehr kurzen Läufe habe ich natürlich nicht immer so doll geschwitzt, sodass es auch völlig ausreichte, alles mal auszulüften. Werde ich künftig beibehalten. 
  • Auch ein kurzer Lauf ist ein Lauf! Da kommen wir wieder zum Anfang: Von wegen, „für 1,6km zieh ich mir doch die Schuhe nicht an!“ Oh doch, ich hab sehr oft nur das Nötigste gemacht, weil mir das dann auch völlig reichte. Zum einen, weil ich ja wie beschrieben auch hin und wieder lustlos war. Zum anderen, um mich nicht zu überlasten. Diese Sorge lief sozusagen immer ein bisschen mit.
  • Und da kommen wir zum nächsten Punkt, den ich dir unbedingt ans Herz legen will: Wenn du dich am Streak-Running versuchst, dann bitte, bitte, bitte variiere sowohl in den Umfängen als auch den Intensitäten. Dreh nach einer Tempoeinheit unbedingt auch mal eine lockere Runde und nach einem längeren Lauf reicht auch mal ein „Quickie“.
  • Denke bitte weiterhin an dein Krafttraining, Mobility, Blackroll etc. Ich muss gestehen, dass ich vermutlich noch nie so gewissenhaft gedehnt und gerollt habe wie in diesen drei Wochen. Auch aus Sorge, dass ich mir irgendwo weh tun könnte. 

Mehr Hintergründe zum Thema Streak-Running findest du bei Sarah (eat | train | care). Sie hat dazu nämlich auch einen Blogpost geschrieben. Ob ich´s nochmal versuchen würde, die gesamten 31 Tage zu laufen? Och nö, lass mal!