MONDAY MOTIVATION: (SPORTLICHES) ZEITMANAGEMENT MIT BABY UND/ODER KLEINKIND

„Wann geht ihr da immer so morgens ins Fitti? Frühstückt ihr davor? Wann stehst du dann auf? Und wann bist du später auf Arbeit? Und wie schaffst du das mit Haarewaschen?“ Für gewöhnlich machen sowohl Laura als auch ich morgens vor der Arbeit Sport. Was wir dann natürlich auch posten. (Sonst hat es ja bekanntlich nicht stattgefunden.) Und dann kommen oft solche oder ähnliche Fragen. Zuletzt von einer jungen Mama, die gerade versucht, Kleinkind, Vollzeitjob und eben auch den Sport unter einen Hut zu bringen. Und beim Thema Kleinkind sind wir halt beide raus. Wir müssen nur Job und Sport (und soziales Leben, was sich aber oft glücklicherweise mit dem Sport verbinden lässt) unter einen Hut bringen und können somit auch nur hierfür Tipps geben (dazu gibt´s auch schon einen Blogpost). Also hab ich eine Person gefragt, die auch noch was zum Thema Kleinkind (oder Baby) sagen kann.

Es gibt zwar auch schon einen Blogpost zum Thema Zeitmanagement mit Kids, jedoch sind die Kinder der „Runningmoms“ schon relativ groß. Deshalb gibt´s hier nochmal eine Neuauflage und die liebe Anni verrät euch, wie sie das alles managt. Außerdem gibt es noch ganz viele Tipps aus der Community. Väter dürfen sich natürlich ebenfalls angesprochen werden bzw. haben auch Tipps gegeben!

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Mein Name ist Annika, ich bin 30 Jahre und habe einen einjährigen Sohn. Ich arbeite als Lehrerin an einer Berufsfachschule für Kinderkrankenpflege – ich bilde also zukünftiges Pflegepersonal aus und das an zwei Tagen in der Woche für jeweils sechs Stunden.
Zum Laufen bin ich erst 2016 so richtig gekommen – ich wollte abnehmen, irgendwann packte mich das Lauffieber mit voller Wucht und so trainierte ich schon ziemlich bald für meinen ersten Halbmarathon. Und das Lauffieber ebbte nicht ab – ganz im Gegenteil: Ich wollte immer mehr und bestritt auch schon zwei Marathons – den zweiten davon in absoluter Bestzeit von 3:50h sogar schon schwanger.

Ich war während der ganzen Schwangerschaft sehr sportlich. Habe das Pensum natürlich runtergeschraubt, aber bin noch immer regelmäßig gelaufen. Außerdem habe ich Workouts mit dem eigenen Körpergewicht (was ja zunehmend mehr wurde) eingebaut und sogar Yoga und Pilates gemacht. Und schnell war mir klar, dass ich auch als Mama weiterhin den Sport in meinen Alltag integrieren möchte. So fing ich also ca. acht Wochen nach der Geburt von Henri mit der Rückbildung an und parallel dazu machte ich zu Hause regelmäßig Workouts, und ich fing an zu walken. Und ich ging viiiiel spazieren.

An das Laufen habe ich mich erst etwa sechs Monate nach der Geburt wieder rangetraut. Ich wollte meinem Beckenboden nach der Geburt nicht zu schnell zu viel zumuten. (Ein schwacher Beckenboden kann z.B. Inkontinenz begünstigen. Uncool. Zu Annis Beckenboden-Übungen einmal hier klicken!) Und so fing ich an, langsam im Wechsel zu laufen und zu walken. Das Walken habe ich dann aber ziemlich schnell weggelassen und ich lief nach etwa drei bis vier Wochen das erste Mal wieder fünf Kilometer am Stück in einem gemütlichen 6er-Tempo. Und seitdem laufe ich wieder regelmäßig drei- bis viermal mal pro Woche, meist zwischen sieben und zwölf Kilometern und mein Ehrgeiz packt mich auch wieder.

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Sport mit und ohne Henri

Nebenbei mache ich tatsächlich weiterhin zweimal pro Woche Full Body Workouts. So komme ich dann auf einen sportlichen Umfang von ungefähr sechs Stunden Sport pro Woche. Das macht mich sehr stolz, da dies fast der gleiche zeitliche Aufwand ist, den ich schon als „Nicht-Mama“ hatte. Denn ich habe mir von Anfang an gesagt, dass das „Mama-sein“ nicht als Ausrede für den Sport herangezogen werden darf. Natürlich, es gibt Tage (und das schon jede Woche), an denen ich einen Lauf verkürzen, verschieben oder sogar darauf verzichten muss. Aber ich finde immer einen „Ersatztermin“. Warum? Weil es mir sehr wichtig ist. Und das merkt auch mein Sohn Henri, denn der kommt zu fast allen Laufeinheiten einfach mit – im Jogger. Und er liebt es Gott sei Dank! Er lacht, er erzählt, er strampelt mit seinen Beinchen und die Mutti rennt und rennt und rennt.

Doch genauso liebe ich auch die Laufeinheiten ohne Henri, bei denen ich mir die Musik aufs Ohr haue und einfach nach Gefühl losrenne – das tut so unglaublich gut! Mein absoluter Moment der Erholung – und somit wird jeder Lauf intensiv genossen. Mehr als je zuvor! Ich laufe zurzeit noch komplett planlos, da ich das Gefühl habe, dass ich so flexibler bin. Auch vor der Schwangerschaft habe ich Trainingspläne nur als grobe Orientierung benutzt – mein Körper gibt mir den Plan vor. Doch mittlerweile bekomme ich langsam das Gefühl, dass mir ein Plan zu mehr Struktur im Training verhelfen könnte – denn das fehlt mir langsam sehr – Struktur und Planbarkeit. Nehme ich mir einen Lauf fest vor, weil ein Plan ihn vorgibt, so denke ich, dass ich diesen mit mehr Ehrgeiz durchziehen werde. Denn die Tatsache, dass ich mittlerweile wieder arbeite und Henri immer größer wird, benötigt mehr Ordnung und Struktur im Alltag. Und so kann ich es gewährleisten, dass ich meine Sporteinheiten auch tatsächlich durchziehe. (Es gibt übrigens auch einen ausführlichen Blogpost zum Thema Trainingsplan.)

Annis Wochenplan

Eine typische Sportwoche sieht bei mir derzeit so aus: Montags arbeite ich immer, meist bis ca. 15/16 Uhr. Danach schlüpfe ich direkt in meine Laufsachen und hole Henri von der Oma ab. Wir laufen dann zusammen ca. 8km. Dienstagabend bin ich immer beim „Mamasport“- da hat Henri Papazeit und ich power mich mit anderen Muttis aus – auch sehr zu empfehlen, denn dieser Tag ist fest im Kalender geblockt. So kann man die Sporteinheit gar nicht skippen. Am Mittwoch pausiere ich entweder oder baue den Lauf irgendwann in den Tag ein, da wir mittwochs keinen „festen“ Termin haben.

Am Donnerstag laufe ich mit Henri immer zum Kindersingen – das sind 3,5km auf dem Hinweg. Dann wird gesungen und gelacht und anschließend laufe ich eine größere Runde als den Hinweg wieder nach Hause zurück, Henri schläft dann meistens. So komme ich auf zehn bis elf Kilometer. Am Freitag arbeite ich und habe Sportpause bzw. Familien-Nachmittag mit meinem Mann, weil er da meistens früher von der Arbeit heim kommt. Samstags schaffe ich dann (meistens) ein Home-Workout und/oder einen kleinen Lauf von 6-8km. Und am Sonntag gehen wir immer gemeinsam als Familie laufen – also Henri, sein Papa und ich: 10km. Und dieser Lauf ist mein absoluter Lieblingslauf in der Woche.

Ihr seht – es erfordert ein bisschen Organisation und Motivation, aber letztendlich ist es ganz easy, den Sport auch als Mama noch unterzubringen. Ich mag meinen aktiven Alltag sehr und auch Henri macht den Eindruck, dass er es toll findet, wie wir unseren Alltag leben.

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Tipps aus der Community (hier sind auch Tipps für alle mit größeren Kindern dabei)

Zusätzlich zu Anni hab ich noch in die Runde gefragt, wie andere Mütter und Väter das ganze handhaben. Die Quintessenz: Organisation und Planung ist das A und O, gleichzeitig muss man aber auch flexibel sein: „Die Woche verläuft sowieso nie wie geplant!“ und „Du kannst dann trainieren, wenn es dein Kind zulässt.“

  • Feste Mami-Zeit-Slots einplanen und dafür dann auch die Betreuung des Kindes sicherstellen – „sonst hat frau den Kopf nicht frei!“
  • Wichtig: Kein schlechtes Gewissen haben! Du brauchst auch mal Zeit für dich!
  • Kindsvater einspannen (der soll ja auch was vom Nachwuchs haben)
  • Sport machen, während das Kind beim Sport ist / seinen Hobbys nachgeht / Freunde trifft
  • Homeworkout statt Laufen (kurze, knackige Einheiten findest du zum Beispiel hier)
  • tägliche Wege zum Laufen nutzen: von der Kita nach Hause, zur Arbeit, zur Post…
  • Sport in der Mittagspause bzw. wenn das Kind Mittagsschlaf macht
  • Kind im Babyjogger mitnehmen, ältere Kinder können neben Mama und Papa Radfahren, wenn die laufen
  • Kangatraining (musste ich erstmal googeln)
  • „Mein Baby ist neun Monate alt und wir gehen zusammen zum Pilates.“
  • (früh am Morgen) laufen / trainieren, wenn alle anderen (noch) schlafen (geht natürlich auch abends)

(Zur Info, falls das noch jemanden interessiert: Ich stehe 5:15 Uhr auf, frühstücke nichts, verlasse 5:40 Uhr das Haus, steige 5:50 Uhr in die Ubahn und marschiere Punkt 6 Uhr im Fitti ein. Dort trainiere ich ca. eine Stunde, dusche, male mir ein Gesicht und ab geht´s ins Büro. Haare wasche ich nur noch alle 2-3 Tage und NIE im Fitti, weil die Föhne dort meine Haare killen. Spätestens 8:30 Uhr sitze ich am Schreibtisch.)

Fotos: Katharina Böhler / Instagram