DIE SPOWI-PARTYS WAREN AUF JEDEN FALL DIE BESTEN – EINBLICKE IN MEIN SPORTSTUDIUM

Woran erkennt man einen SpoWi (Sportwissenschaftler)? Entweder am großen Rucksack! Oder – das funktioniert aber hauptsächlich am Ende des Semesters: An den Krücken. (Wenn sich die praktischen Testate häufen, häufen sich leider auch die Verletzungen.)

Via Insta kam die Frage, ob ich schonmal was über mein Sportstudium, den Eignungstest etc. gebloggt hätte. Hab ich nicht, aber eine Umfrage hat ergeben, dass sich wohl doch ein paar von euch dafür interessieren. Vorweg muss ich sagen, dass ich mein Studium schon 2010 abgeschlossen hab und deshalb nicht mehr alles ganz genau weiß. Und das, obwohl mich meine Freundinnen immer „das Gedächtnis“ genannt haben. Das funktionierte jedoch besser für all die Suff- als Uni-Geschichten. Upsi. Ihr hattet mir auch ein par Fragen geschickt, die ich mit diesem Beitrag ebenfalls (so gut es geht) beantworte.

Ich habe an der Friedrich-Schiller-Universität in Jena studiert und das war auch die einzige Uni, an der ich mich beworben hatte. Der Grund ist ziemlich simpel: Jena ist nur rund 100km von meinem Heimatort entfernt und ich wollte am Wochenende nach Hause fahren und für den Karneval proben können (und natürlich meinen damaligen Freund und meine Familie sehen).

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Hier hätte ich die meiste Zeit meines (Sport)Studiums verbringen sollen…
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…zu finden war ich aber eher hier. Nachts 3 Uhr. 

Wie war der Sporteignungstest aufgebaut?

Ich habe den Sporteignungstest für den Diplomstudiengang absolviert. (Ich hab am Ende nie auf Diplom studiert, doch dazu später mehr.) Geprüft werden sollte in Gerätturnen (Boden, Pferd, Stufenbarren oder Reck, Schwebebalken), Leichtathletik (100m-Sprint, Weitsprung, Kugelstoßen und Cooper-Test), einer Mannschaftssportart (Fußball, Handball, Basketball oder Volleyball) und einer Rückschlagsportart (Badminton, Tennis oder Tischtennis). Ich schreibe bewusst „sollte“, denn am Tag der Eignungsprüfung waren so viele Leute da, dass einige Disziplinen wegfielen. Unter anderem der Cooper-Test (YEAH, denn ich bin nicht sicher, ob ich den wirklich geschafft hätte) und ich meine, dass beim Gerätturnen auch der Sprung übers Pferd wegfiel. Wie der Test (in Jena) aktuell aussieht, kannst du dir unter diesem Link anschauen. Ein paar Dinge haben sich geändert, glaube ich. Ich meine zumindest, dass ich damals 2.400m in 12 Minuten hätte schaffen müssen beim Cooper-Test.

Bei den Wahl-Sportarten hab ich mich für Tischtennis und Basketball entschieden. Ich hatte als Kind mal Tischtennis gespielt und konnte da zumindest auf ein paar Grundlagen aufbauen und Basketball hab ich in der Schule seit der fünften Klasse wirklich GELIEBT und in der elften und zwölften Klasse im Grund- und Aufbaukurs noch gespielt. Der Tag der Eignungsprüfung war dann der letzte Tag, an dem ich Basketball gespielt hab. (Ich erzähl gleich, warum.)

Bis zur Prüfung (die übrigens am Tag meines Abiballs stattfand – richtig kacke, da ich bis zum Schluss nicht wusste, ob ich rechtzeitig zur Zeugnisübergabe zurück sein würde – ungünstig, da ich mit meiner Freundin die „Dankesrede der Schüler“ halten durfte) hab ich wirklich viel trainiert: Mein Papa hat direkt einen Trainer für Gerätturnen (sein ehemaliger Fußballtrainer) und einen für Tischtennis (er hat früher erst meinen Papa und dann mich trainiert – mein Papa hat dann wegen seiner „Fußballkarriere“ aufgehört und ich wegen „kein Bock mehr“, haha) für mich engagiert. Ich hing also einmal pro Woche am Stufenbarren, bin übers Pferd gesprungen, über den Schwebebalken getanzt und hab mich am Boden gewälzt (ich hab immer super gerne geturnt, vorm Pferd hatte ich dann allerdings irgendwann Angst, als sich meine Freundin beim Grätschsprung das Kreuzband gerissen hat, weil sie hängenblieb) und stand auch einmal pro Woche am Tischtennistisch. (Ich hab im Studium gelernt, dass es nicht „Platte“ heißt, weil es sonst ja „Plattentennis“ wäre. Aha. Meinen Tischtennis-Dozenten mochte ich übrigens Ü-BER-HAUT nicht.) Für Leichtathletik hab ich hauptsächlich Ausdauer trainiert, da war ich schließlich eher so mittelgut (ich hatte immer ´ne Eins, aber halt mit Anstrengung) und ich war sicher, dass der Sprint, Weitsprung und Kugelstoßen schon klappen. Basketball hatte ich eh jeweils im zweiten Halbjahr in der elften und zwölften Klasse, da KONNTE gar nichts schief gehen…

Mein Papa hat mich dann zur Eignungsprüfung begleitet und, wie schon oben erwähnt, gleich zu Beginn wurde uns mitgeteilt, dass der Dauerlauf ausfallen würde. Ich war auf jeden Fall nicht die Einzige, die sich darüber gefreut hat, das kann ich dir sagen! Um zum Diplomstudium zugelassen zu werden, musste man jede Prüfung bestehen. Man musste mindestens eine Individual- und eine Spielsportart (also z.B. Turnen und Tischtennis) bestehen, um wenigstens als Magister zu starten. Es bestand dann die Option, die „versauten“ Prüfungen entweder ein Jahr später zu wiederholen oder als Kurs im Studium zu belegen, um so nachträglich die Prüfung abzulegen. Meine erste Prüfung war Gerätturnen und ich war mega aufgeregt, weil die Prüferin riiichtig streng war. Ich hab sie aber überzeugt und weiter ging´s mit Leichtathletik. Sprint und Weitsprung waren überhaupt kein Problem, beim Kugelstoßen hab ich´s dann aber richtig spannend gemacht. Beim allerletzten Versuch hab ich dann allerdings fast die Männerweite gestoßen – puh, geschafft. Weiter ging´s mit Basketball. Easy, dachte ich. In meiner Gruppe war lauter Männer, die alle so 2m groß waren und zwei weitere Mädels. Und der Dozent war ein richtiger Arsch. Eine der beiden Mädels und ich sind bei Abnahme des Korblegers durchgefallen wegen „grober technischer Mängel“, die er aber nicht weiter benennen wollte. Er gab uns dann die „Chance“, unser Können im Spiel zu zeigen. Gegen diese Riesenmänner. „Nee, nein, ich kann euch wirklich nicht zum Diplomstudium zulassen.“ Ich war wie vor den Kopf gestoßen. In der Schule hatte ich immer 14 bis 15 punkte und der erzählt mir was von „technischen Mängeln“??? (DAS war dann auch der Grund für mich, NIE WIEDER einen Basketball in die Hand zu nehmen.) Gut, es half nichts. Weiter ging´s mit Tischtennis und DER Prüfer dort war soooo lieb. Eigentlich haben wir nur ein bisschen gespielt und dann hat er gesagt „den Rest lernst du dann im Kurs“. Ok, also dann eben zunächst auf Magister studieren und dann eben nächstes Jahr die Prüfung wiederholen. Das war der Plan. Aber erstmal nach Hause düsen, duschen, ins Kleid werfen und mein bestandenes Abitur feiern!

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Hier hab ich auch viel Zeit verdaddelt.

Hattest du bio- oder anatomische Grundlagen davor?

Ich hatte in der elften und zwölften Klasse Bio-Leistungskurs. Das hat zumindest für Sportmedizin geholfen. Im Studium hatte ich dann noch Vorlesungen in Biomechanik (ich hab´s gehasst, einfach, weil ich auch Physik gehasst hab), Trainingswissenschaft, Sportmotorik, aber auch Sportgeschichte, Sportpsychologie, Sportökonomie und Sportpädagogik. Grundsätzlich haben wir aber überall bei Null angefangen. Wir mussten beispielsweise in Sportmedizin II 50 Muskeln mit lateinischem Namen, Ansatz und Ursprung auswendig lernen. Die Prüfung war dann zwar Multiple Choice, aber spätestens im Hauptstudium, als ich das Seminar „Funktionelles Muskeltraining“ hatte, hat mich der ganze Kram wieder eingeholt. Oder als ich vor ein paar Jahren meine Fitnesstrainer-B-Lizenz gemacht hab.

Welche Fächer hattest du im Studium?

Ich hab ja auf Magister studiert, sprich, ich hatte noch ein Zweitfach und dementsprechend nur die Hälfte meiner SWS (Semesterwochenstunden – heißt das immer noch so) für Sport „übrig“. Zudem war unser Institut leeeeicht überfüllt, sodass die Magisterstudenten pro Semester nur einen Praxiskurs sicher hatten. Für mehr musste man dann erstens schon in einem höheren Semester sein und / oder in der ersten Uniwoche beim Dozenten betteln. Ich MUSSTE aber auch gar nicht so viele Praxiskurse machen und konnte mich so auf die Sachen konzentrieren, die ich so halbwegs konnte. Sprich: Gymnastik/Tanz. Haha. Später hatte ich dann auch noch Volleyball, Badminton, Unihockey, funktionelles Krafttraining, Laufausdauer (zu einer Zeit, als ich noch keine Laufausdauer hatte!) und Aerobic. Dazu kamen Vorlesungen in Biomechanik (PFUI!), Trainingswissenschaft, Sportmotorik, Sportmedizin, Sportökonomie, Sportpsychologie, Sportgeschichte, Sportpädagogik und verschiedene Seminare (z.B. Sportmanagement, Entwicklungstendenzen im Sport, Ernährung…).

Sportökonomie hab ich übrigens erst verstanden, als ich mich auf meine Abschlussprüfung vorbereitet habe und da hab ich auch erst geschnallt, dass ich das eigentlich auch in mehreren Vorlesungen in Medienwissenschaft gelernt (und da lustigerweise auch kapiert) habe.

Außerdem mussten wir einen Schein in einer Sommer- oder Wintersportart machen. Da hab ich mich für Snowboarden entschieden, weil ich dachte, dass ich das garantiert nie wieder so günstig lernen kann. Muss aber auch sagen, dass es mir nur sehr wenig Spaß gemacht hat: Erstens bin ich natürlich ständig gestürzt und hatte blaue Knie. Vom Aufstehen hatte ich außerdem den schlimmsten Bauchmuskelkater EVER. Aber wir haben uns abends immer gut betäubt. Mit dem billigsten Tetrapak-Wein, den der Dorf-Supermarkt zu bieten hatte. Auweia.

Für die Zwischenprüfung brauchte ich allerdings noch einen Schein in „Erste Hilfe bei Sportverletzungen“ – dafür gab´s einen Wochenendkurs und den Rettungsschwimmer in Bronze. Den (sogar in Silber) hab ich mit meiner Freundin ebenfalls an einem Wochenende gemacht. Es war SO FURCHTBAR! Ich schwimme weder gerne noch gut und kann auch nur Brustschwimmen. Kraulen kann ich quasi gar nicht und beim Kleiderschwimmen dachte ich echt, ich müsste gleich untergehen. Vom 25m-Streckentauchen ganz zu schweigen. Haben wir zuvor aber auch monatelang trainiert. (Alle geforderten Leistungen kannst du übrigens hier nachlesen.) Zum Sachsentrail 2018 gab´s übrigens ein Wiedersehen mit dem Sportpark Rabenberg, dort fand der Rettungsschwimmkurs nämlich statt. Ach 12 Jahre später fand ich´s gruselig, haha.

Zusätzlich brauchte ich – um überhaupt zur Zwischenprüfung zugelassen zu werden – einen Nachweis, dass ich eine zweite moderne Fremdsprache zumindest lesen und verstehen kann. Blöd, wenn man von der siebten bis zur zehnten Klasse LATEIN hatte. Also hab ich nebenher bis zur Zwischenprüfung noch Spanisch gelernt. Hat zwar Spaß gemacht, aber außer „Una cerveza, por favor!“ ist kaum was hängengeblieben.

Meine Magisterarbeit hab ich im Fach Sportpsychologie geschrieben. Thema: „Motivationale Aspekte im karnevalistischen Gardetanz.“ Damals war ich noch im Karneval aktiv und kam so relativ leicht an eine große Gruppe GardetänzerInnen (aus verschiedenen Vereinen meiner Region) ran und habe Gruppen, die regelmäßig an Turnieren mit solchen gegenübergestellt, die hauptsächlich für die Auftritte zum Karneval trainieren. Ich dachte ja, dass es den Jungs und Mädels, die an Turnieren teilnehmen, vor allem ums GEWINNEN ginge. Aber alle hatten dieselbe Motivation: Spaß!

Und das ist es auch, was ich über Instagram und den Blog weitergeben will: Such dir eine Sportart, die dir SPASS macht! Es muss nicht Laufen sein. Wenn du mehr Spaß am Tanzen hast, TU ES! Und genauso ist es mit dem Job. Du solltest vor allem mal Spaß an der Sache haben. Klar, Geld ist auch wichtig. Aber wenn´s dich so gar nicht glücklich macht, muss es schon viiiel Geld sein.

Die allerletzten Tage 005_1
Äh, ja. Ich bin mit Papierkrone zum Feiern gegangen. 

Das ALLEBESTE aber waren – Überraschung – die PARTYS! Die waren wirklich legendär und ich hab auch selbst einige mit organisiert. Jedes Semester war für eine bestimmte Party verantwortlich und es gab einen Spowi-Fasching, Spowi-Weihnachtsparty, Semster-Anfangs-Party und den Spowiball. Gab auch immer einen riesigen Ansturm auf die Tickets und ich musste auch immer für alle meine Mädels welche besorgen. Hach ja.

Hast du nur den Bachelor gemacht? Oder auch gleich den Master dran gehängt?

Kennst du noch studiVZ? Ich war in der Gruppe „Magisterstudenten – The last Rockstars!“ Bachelor und Master gab´s damals (ich hab 2004 mein Studium begonnen) erst so nach und nach. Auch der ganze „Credit-Kelch“ ist GOTTSEIDANK an mir vorüber gegangen! Ich bin Magistra Artium für Sportwissenschaft und für Medienwissenschaft. (Wie gesagt, eeeeigentlich sollte es ja mal das Diplom sein.)

Warum hast du dich dafür entschieden und was bringt es dir heute? Würdest du es wieder machen?

Ich hatte in der 10. Klasse Praktikum beim Physiotherapeuten im Nachbarort gemacht. Das hat mir richtig viel Spaß gemacht und diese eine Woche ging viel zu schnell vorbei. ABER: Ich wollte ja Abitur machen und auch definitiv studieren. Sonst hätte sich das Abi nicht gelohnt. Dachte ich damals. Also hab ich mir damals tatsächlich einen Termin bei der Berufsberatung geben lassen und gefragt, was man denn so „Sportliches“ studieren könnte. Der Berufsberater schlug dann Sportwissenschaft vor und dann hab ich mich auf alle Infos gestürzt, die ich dazu finden konnte. Da auch klar war, dass ich nach Jena wollte (nur 100km von daheim entfernt, sodass ich jedes Wochenende nach Hause fahren konnte), hab ich mich dann schlau gemacht, wie das Studium dort abläuft. Damals konnte man dort Sport auf Lehramt, Diplom oder Magister studieren. Im Diplomstudiengang konnte man sich dann im Hauptstudium entweder auf Training oder Reha spezialisieren und ich wollte dann Reha machen. Das wäre ja dann auch so ähnlich wie Physiotherapeut. Mein Traum war, dann im medicos.AufSchalke zu arbeiten und „meine“ Schalker wieder fit zu machen.

Tatsächlich hab ich aber – wie weiter oben auch beschrieben – dann ein Magisterstudium begonnen, da ich in der Eignungsprüfung beim Basketball durchfiel und damit nicht zum Diplomstudiengang zugelassen war. Der Plan war zunächst, dann eben ein Jahr Magister zu studieren und ein Jahr später nochmal die Prüfung zu wiederholen. Ich hatte mir dann aus der Not heraus ein Zweitfach (bzw. sicherheitshalber zwei) ausgesucht und mich für Medienwissenschaft und Erziehungswissenschaft beworben. Für Medienwissenschaft wurde ich dann direkt angenommen. Und dann hatte ich tatsächlich die Idee, dass Sportjournalismus doch auch was wäre… Naja, wie du sicher schon bemerkt hast: Ich mach aktuell nichts davon, haha.

Trotzdem war das Studium definitiv nicht sinnlos, da ich viel davon für mein eigenes Training und auch Blogposts und Workouts für euch nutze. Wenn ich mich jetzt nochmal für ein Studium entscheiden müsste (mit dem Wissen von heute), würde ich wahrscheinlich eher ein Duales Studium machen. Vielleicht weißt du bereits, dass ich bei AZUBIYO arbeite (das ist eine Online-Plattform für Schüler, die eine Ausbildung oder ein Duales Studium suchen) und ich ärgere mich manchmal echt, dass es das damals noch nicht gab. Falls du selbst auch noch auf der Suche nach der richtigen Ausbildung bist oder vielleicht jemanden kennst, der sich gerade damit beschäftigt, dann schau doch mal bei AZUBIYO vorbei. Wir haben auch jede Menge Dualer Hochschulen als Kunden. (Ich werde für diese Erwähnung nicht zusätzlich bezahlt, das nur am Rande. Ich finde unser Portal aber wirklich, wirklich gut.)

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Ernst Abbe und ich. In ELF Semstern hab ich es nicht einmal ins Planetarium geschafft. Peinlich.

Was macht man später damit? / Wo landet man als Sportwissenschaftler, wenn nicht in der Forschung?

Ach ja, die beliebteste Frage unter den Studierenden. Meinen ursprünglichen Plan hab ich dir ja bereits beschrieben. Der wurde durch die missglückte Prüfung zunichte gemacht, aber meine „Notlösung“ fand ich dann doch auch super-spannend. Ich hab schon immer gerne geschrieben, warum also nicht „was mit Medien“ machen? Wenn ich die Fußballer nicht fit machen könnte, dann eben interviewen? Ich hab während des Studiums kurze Praktika bei unserer Tageszeitung gemacht – eins in der Jugend- und eins in der Sportredaktion und ein langes Praktikum (sechs Monate) beim Radio – bei Landeswelle Thüringen. Beworben hatte ich mich natürlich auch beim MDR (ich wollte so gerne Praktikum beim KiKA machen), aber das wollen halt viele. Beim Radio war ich in der Nachrichtenredaktion und durfte an sich alles begleiten, was mit Sport zu tun hatte: Die Fußball-EM 2008, Olympia 2008 (darauf hatte ich erst eher zero Bock, weil ich mich mehr für die Winterspiele interessiere) und ich war bei fast jeder Pressekonferenz von Rot-Weiß-Erfurt (Carl-Zeiß-Jena wäre mir lieber gewesen, aber der Sender ist halt in Erfurt und es gab einen Freien Mitarbeiter, der die PKs in Jena abdeckte – LEIDER!) und auch beim Thüringer Handball Club (ich hatte null Ahnung von Handball, aber da gab´s immer geile belegte Brötchen – wegen mir wurde sogar nochmal eine PK für irgendein Spiel angesetzt, weil´s meine letzte war und ich meinte, ich würde schon nochmal kommen, wenn´s eine gäbe). Meine Aufgaben waren damals (neben dem ganz normalen Tagesgeschäft aka Nachrichten finden und umzuschreiben, Polizeimeldungen abrufen und hin und wieder zu (todeslangweiligen!) PKs in die Staatskanzlei zu fahren):

  • Besetzung von Pressekonferenzen vor den jeweiligen Spielen. Bei Rot-Weiß-Erfurt war das eigentlich immer easy, weil der damalige Trainer (Karsten Baumann, übrigens mega unsympathisch) sowieso nur Floskeln von sich gab. Entweder sowas wie „Es wird keine leichte Aufgabe, aber wir werden alles tun, um die Punkte im Steigerwald zu behalten“ oder „Wir sind der klare Favorit und MÜSSEN gewinnen.“ Beim Handball war das deutlich schwieriger, da Dago Leukefeld (Trainer des THC damals) soooo viel erzählt hat und alles war so interessant. Da war ich immer ganz happy, wenn die Moderatoren aus den Sendungen auch immer noch was abgezweigt haben. Wäre sonst echt schade ums Material gewesen. Meine aufgabe war dann immer, einen kurzen Teaser für die Nachrichten zu schreiben, den Ton zu schneiden und an die Nachricht anzuhängen. Eingesprochen wurde es dann entweder von den Redakteurinnen direkt im Sender, wenn´s „nur“ regionale Nachrichten waren oder in Berlin für die allgemeinen Nachrihtcne.
  • Herstellung von Kontakten zu Thüringer Sportlern bei der EURO 2008 (Robert Enke als gebürtiger Thüringer war damals beispielsweise dabei und ich hatte seinen Bruder angefragt, ob er da ggf. für einen Ton zur Verfügung stünde – nö, wollte der nicht!) und bei Olympia (da haben wir vorher den Bahnradfahrer Robert Förstemann getroffen und hatten dann während der Spiele eine Live-Schalte zum Heimatverein von René Enders, als der im Teamsprint auf der Bahn zu Bronze fuhr.)
  • Begleitung der EM: Ich war bei jedem Spiel im Sender und hab Fußball geschaut (geil!) und gleichzeitig das Spiel aufgezeichnet, um im Falle eines Tores einen Ton für die Sendung zu schneiden. In der Halbzeit und im Anschluss gab´s dann natürlich noch jeden Menge Interviews, die ich ebenfalls für die Sendung oder auch die Nachrichten geschnitten hab.

Bei der Zeitung habe ich dann auch Sportler interviewt und daraus Artikel geschrieben, aber auch „Fremdexte“ redigiert (und in den begrenzten Zeitungplatz „gepresst“) und beim Seitenbau geholfen. Man muss nämlich manchmal ganz schön schieben, dass alles Material auf eine Seite passt. Dann wird hier nochmal was gekürzt und da was gelöscht und dort was etwas mehr ausgeschmückt…

Je nachdem, welche Spezialisierungen deine Uni anbietet und wofür du dich entscheidest, kannst du eigentlich „alles“ machen: Als Trainer für alle möglichen Sportarten arbeiten, in der Reha, bei Krankenkassen, bei Verbänden oder Vereinen, im Fitnessstudio… Für mehr Infos kannst du dich HIER schlau machen. ICH bin allerdings über Umwege im Vertrieb gelandet. Und ich sag auch heute noch, dass das eher ein Unfall war. Denn Verkaufen hatte ich ganz sicher nicht auf dem Schirm, als ich mir Gedanken über meine Zukunft gemacht habe.

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Die wichtigste Regel: Niemals durchs Johannistor gehen, sonst fällt man durch seine Prüfungen. Deshalb haben wir uns das aufgehoben bis nach der allerletzten Prüfung.

Direkt nach dem Studium hab ich sechs Monate Praktikum bei bundesliga.de gemacht. Ich hab mich für Fußball interessiert und ich hatte Bock zu schreiben. Außerdem fehlte mir neben Radio und Print noch Erfahrung im Online-Bereich, war also perfekt für mich. Geil war, dass mein Praktikum auf die Schlussphase der Bundesliga 2009/10 fiel und Schalke damals Vizemeister wurde. Nicht so geil war, dass Schalke trotz der Verpflichtung von Raul (haaaaach!) ne richtig beschissene Hinrunde (inklusive eines katastrophalen Derbys) spielte. Das tat weh. Auch während der WM war ich dementsprechend mit an Bord und meine Arbeit war quasi „Fußball gucken“. Natürlich gab´s noch andere Aufgaben wie Interviews für Artikel führen, Texte recherchieren und schreiben, Bildergalerien anlegen, Artikel auf der Seite einbauen usw. Ein paarmal musste ich auch mit den anderen die Live-Ticker schreiben, das war wirklich furchtbar, weil´s manchmal so schnell ging, dass ich kaum wusste, wer überhaupt irgendwohin geschossen hatte… Ein Artikel, der mir besonders viel Spaß gemacht hat, war dieser hier über Felix Magath und Schalke 04. Den Artikel über Robert Lewandowski hab ich dementsprechend nur so mittelgerne recherchiert und geschrieben, haha.

Nach dem Praktikum war hier jedoch Schluss für mich und ich hab noch ein Praktikum im PR-Bereich gemacht. War allerdings furchtbar langweilig, deshalb will ich dich auch nicht mit unnötigen Details langweilen. Ich war dann schon ein ganzes Jahr in Münchn und von 400 Euro Praktikantengehalt kann man bekanntlich nicht leben, es musste also langsam mal was Gescheites her. Keine Ahnung, auf wie viele Volontariate un Traineeships ich mich beworben hab, am Ende hat´s dann endlich geklappt und auch wenn ich keine Ahnung hatte, was der Zusatz „Marketing und Vertrieb“ bedeuten sollte, war ich einfach nur froh, endlich einen halbwegs bezahlten Job zu haben. „Marketing und Vertrieb“ hieß dann in Wahrheit „ausschließlich Vertrieb“ und es hat mir überraschend viel Spaß gemacht. Mein erster Verkauf war dann auch gleich mein größter: Eine schwäbische Dirndl-Firma (die waren damals sogar bei Germany´s next Topmodel) war das. Mein Volontariat dauerte ein Jahr und im Anschluss war ich noch ein gutes halbes Jahr fest angestellt als „PR-Beraterin“ – sprich: Ich hab anderen Firmen verkauft, dass wir deren Pressearbeit übernehmen.

Von dort bin ich zu AZUBIYO gewechselt und nach knapp zwei Jahren zu Fitness First, wo ich als „Corporate Consultant“ Firmenkunden betreut (zum Beispiel haben wir Gesundheitstage organisiert) und Fitness-Mitgliedschaften verkauft hab. Seit mittlerweile fast drei Jahren bin ich zurück bei AZUBIYO und betreue jetzt Bestandskunden und koordiniere das Team „Farming“. Und damit bin ich mega happy. Sorry, dass es jetzt doch so lang wurde, aber Verkäufer reden nun mal gerne. 😉

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Im Oktober gibt´s ein Wiedersehen.